Sonntag, 05 Oktober 2014 16:01

04.10.2014 Norwegian Hellcamp, Stadthalle Schweinfurt + Taake + Aura Noir + Den Saakaldte +++

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04.10.2014 Norwegian Hellcamp, Stadthalle Schweinfurt + Taake + Aura Noir + Den Saakaldte +++ Norwegian Hellcamp 2014

Kaum ist die Festival Saison vorbei, starten schon die ersten untergründigen Events und kurz nachdem das Sinister Howling absolviert wurde, folgte mit dem Norwegian Hellcamp auch schon das nächste Konzert, das im Zeichen des Black Metal stattfinden sollte. Wie der Name schon sagt wurden innerhalb des Genres diesmal nur norwegische BM Bands gebucht, die dennoch ein unglaublich heterogenes Gemisch abgeben sollten – Aber fangen wir doch von vorne an!

Nach einer zweistündigen Fahrt und zu bestem Oktoberwetter an der Stadthalle in Schweinfurt angekommen, waren schon zur ersten Band Slagmaur nicht gerade wenig Fans anwesend, obwohl ein Großteil entweder noch nicht anwesend oder noch bei den Merch, bzw. an den Fressbuden Entspannung suchten. Der Opener war für mich persönlich gewöhnungsbedürftig – Anständiger Black Metal zugegeben, doch irriterte mich die Aufmachung des Quartetts aus Fosen gewaltig. Vom untoten Metzger, über Vogelmaskensänger bis hin zum Jokerhutdrummer -Hier war offenbar eine pervertierte YMCA Truppe am Start, die mich irgendwie an die Jungs von Apron aus Österreich erinnerten – Naja nur mit brauchbarer packender Musik eben.

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Ähnlich „strange“ muteten für mich persönlich Vulture Industries an, denen zum Oktoberfestlook nur noch die Lederhosen gefehlt hätten. Black Metal würde ich den Stil der Jungs allerdings nicht nennen wollen. Zu verspielt die Riffs, zu avantgarde/experimentell die Toneinlagen und zu clean der Gesang. Von Humppa Einlagen über verstimmtes Salonklavier und einfach happy-hippo auf der Bühne mit einem Sänger der, den Wahnsinn nicht nur mit der Stimme zelebrierend, mal links, mal rechts und mal mitten im Publikum herumhüpfte und auch sonst den Springbock mimte, während die Bandmember zum Mitschunkeln verdammt, das irre Karussel mitbefeuerten – Trotz- oder vielleicht gerade deswegen war die Halle schon merklich voller geworden und die Band wurde ordentlich gefeiert. Auch ein kurzer Plausch nach dem Gig war augenöffnend – Zur losgetretenen Debatte, Vulture Industries seien Nazis, sagte unter anderem Sänger Bjørnar E. Nilsen:


„For me, they (the accusers) are just a bunch of witchhunters – it's the same behaviour that you find on the extremist right – These people are the same. The political spectrum ist not a line, it's a circle and in the end they both meet. I think actually the guys who started this thing just shot themselves in the leg and everyone could see how ridicolous their claims were.“

 

Mit Sarkom kam danach die erste gefühlt "waschechte" BM Band ins Bild - Corpsepaint inklusive. Mit hartem Black Metal, den sich die Jungs seit über 10 Jahren angeeignet haben, präsentierte die Band wenig Neues (das letzte Album bzw. dritte Album der Band „Doomsday Elite“, kam immerhin ein gutes Jahr zuvor auf den Markt), dafür aber qualitativ hochwertiges Geschredder die mein Glauben an den norwegischen BM mit den ersten Riffs zurückholen sollte. Nicht nur von meinem Fahrer im Vorfeld gelobt, sondern auch von den anderen bekannten Gesichtern empfohlen, wurde meine Erwartung auch nicht enttäuscht und bildete den Auftakt zu den von mir erwarteten Bands wie Den Saalkaldte und natürlich Taake. Während ich bei Endezzma „leider“ nicht anwesend war, da ich im Bauch der Stadthalle ein kleines Interview mit Vulture Industries führen durfte – An der Stelle Danke an Kamerafrau Sunve von Sunvemetal - bereitete ich mich schonmal innerlich auf meinen persönlichen Headliner in Form der bereits erwähnten Den Saalkaldte vor. Im Vorfeld als Nazi Band verschrien, war ich natürlich besonders gespannt auf die Performance. Was ich auf der Bühne präsentiert bekam war aus meiner Sicht der geheime Headliner des Festivals. Was die Jungs in ihrer Bandgeschichte entwickelt haben, ist eine Hommage an viele Genres der harten Musik, die von Doom über Black'n'Roll zu klassischem Black Metal rangiert – und zwar, nicht ganz überraschend, vollkommen ohne Bezug zu irgendeiner politischen Strömung. Den Saalkaldte schaffen es gekonnt, innerhalb ihrer Songstrukturen drei bis viermal die Richtung zu wechseln allerdings ohne harte Brakes, sondern in einem perfekten Flow. Langsam, schnell, hart, doomig, rockig und mit den teilweise sehr verschiedenen Einflüssen die jeder Musiker der Band mitbringt. Besonders freute ich mich daher, auch wenn ich dafür Aura Noir „opfern“ musste, auf das Interview mit der Band (das ihr direkt im Undergroundedtube oder weiter unten finden könnt).

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Die vorletzte Band vor dem Headliner war Ragnarok, die ich leider auch nur teilweise sehen konnte, was mich ziemlich ärgerte, da die Jungs auf eine lange Historie (1994) zurückblicken können und bisher nicht weniger als sieben Alben auf den Markt geworfen haben und mich daher als eine der dienstältesten Bands auch sehr interessierte. Was ich sagen kann ist, dass Ragnarok wie seine Vorgänger keine Gefangenen machten. Brachialer, roher und direkt schnellerer Black Metal als die Bands zuvor, definitiv eine gute Wahl als „Vorband“ zu Taake.


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Zu guter letzt war also der genannte „umstrittene“ Headliner an der Reihe und nach einem kurzen sanften Intro aus der Konserve begann direkt das Geschredder ohne Ansage. Auf den ersten Blick war Sänger und einzig festes Mitglied der Band, Høst schwer zu sehen, dieser hatte sich in einem schwarzen Umhang eingekauert im Hintergrund versteckt, bis er sich beim ersten Gesangspart zu seinem Micro begab und das Publikum mit seiner kräftigen Stimme beschallte. Dass bei Taake die Show fester Bestandteil ist, war durch Høsts ausladende Gestik über die gesamte Bühne wieder eindrucksvoll bewiesen. Etwas eigenartig war das riesige Wappen, welches er um den Hals trug und welches ein wenig an die Uhr von Flava Flave (Public Enemy) erinnerte. Musikalisch erwartete uns allerdings feinster, roher norwegischer Black Metal, auch wenn an einigen Stellen im Saal die Akkustik nicht unbedingt überzeugend war - der alte „hinter-dem-Mischer-stehen“Trick hat hier aber Abhilfe leisten können. Bis zum Ende war die Menge am Toben, bei Taake hat man mit Abstand am meisten Damen und Herren Ihre Haare schütteln sehen. Dieses kam leider nach ziemlich exakt einer Stunde viel zu früh, was etwas enttäuschend für einen Open End Headliner war und viele Fans erstmal überrascht zurücklies bevor das Licht anging. Dieser Meinung war wohl auch ein Kindskopf, der nach der Show vor der Halle protestierend eine Mülltonne umgetreten hat und damit den einzigen Gewaltausbruch des Abends präsentierte.

 

Insgesamt war das Norwegian Hellcamp ein voller Erfolg. Die Merchangebote reichlich, die Preise schwabenfreundlich und das Speisen- und Cocktailangebot (inklusive Veggie Hot-Dogs) lecker. Die Location an sich ist ein kleines gut aufgeteiltes Juwel, das nicht nur durch die Empore (mitsamt erhöhten Sitzmöglichkeiten) besticht, sondern auch durch abgetrennte Bereiche mit einer Cocktailbar und einer sonnenbeschienene Terasse aufwartete - die reichlich genutzt wurde. Weder am Sound noch am Ticketpreis gab es zu mäkeln und so geht es hoffentlich bald in die nächste Runde! Wir sehen uns beim nächsten Mal!


Fotos von Sunvemetal

Weitere Informationen

  • Band(s): Taake, Aura Noir, Den Saakaldte, Sarkom, Slagmaur, Vulture Industries, Ragnarok
  • Wann: 05.10.2014
  • Wo: Stadthalle Schweinfurt
Gelesen 4078 mal Letzte Änderung am Freitag, 10 Oktober 2014 13:11
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