Dienstag, 01 Oktober 2013 20:19

Klingsor - Erwachen

geschrieben von Ghostwriter
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Nein, diese Demo ist nichts besonderes. Das Cover ist ein generisches Pic eines X-beliebigen Baumes, das Logo ein Standard verschnörkeltes BM Geschreibsel. Die CD ist offenbar selber bedruckt, das Inlet ein einfach aufklappbares und nichtssagendes schwarz-weißes mit Lyrics durchsetztes Papier. Der DinA4 Umschlag in dem die Scheibe lag, viel zu groß und ein handgeschriebener Zettel auf dem weitere Infos zur Demo zu entnehmen sind. Limitiert auf 100 Stück wird es nicht viele Besitzer und wohl auch wenig Liebhaber geben.

Ein objektives Review von „Klingsor – Erwachen“ dürft ihr von mir allerdings nicht erwarten, denn genau diese Art von Musik ist aus meiner persönlichen Sicht das Wertvollste, was uns ins HQ gesendet wird. Aber zurück zu "Erwachen". Die sieben Tracks sind am ehesten als Mischung aus Hel und Nocturnal Depression zu beschreiben. Während die ruhigen Parts es durchaus mit Hels Album „Tristheim“ aufnehmen können, ist die Stimme und Stimmung der dunkleren Parts eher ND zur Seite zu stellen.

 

Nihil, so der Erschaffer der CD und einziges Bandmember, hat auf der CD alles selbst geschrieben und die Instrumente eingespielt. Herausgekommen ist dabei ein sphärisches Depressive Black Metal Juwel, das „Erwachen“ auf eine Stufe mit meinen absoluten BM Faves stellt. Das Instrumental „Zwiesprache“ stimmt mich auf einen kalten Herbstabend ein, dem nur noch ein warmer Met etwas diffuse Hitze einflößen kann. „Endloser Krieg“, der zweite Track auf dem Rundling lässt zum ersten Mal die Stimme von Nihil erschallen und gibt auch direkt die Marschrichtung vor. Aus dem Off wird hier neben hirnzerreißenden Schreien auch gebetsmühlenartig lamentiert, was sich sehr gut in die schwere Atmosphäre, die von Gitarre und Bass erzeugt werden, einfügt. Track 3, „Dem Schatten folgend“ ist ein weiterer sehr langsamer Track, dem durch die Instrumentenwahl etwas Klassik eingehaucht wird und immer wieder durch animalische Schreikonstrukte aufgerüttelt wird. Weiterhin wird mit Echoeffekten der ruhigen und getragenen Gesangsparts eine passende Stimmung generiert.


„Melancholie obsiegt“ erinnert mich am ehesten an erwähntes Album von Hel und nur die Stimme von Nihil schafft es, den Song eine größere Intensität zu geben. Zu Beginn von „Des Todes kalter Atem“ wird auch gezeigt, dass Klingsors Schöpfer anders kann und hier kommt immer wieder klassisches BM Gitarrengezupfe zum Einsatz, durchsetzt von ruhigen Passagen bzw. schnell wechselndem Tempo. Das längste Stück ist damit auch gleichzeitig das Abwechslungsreichste. „Nostalgia“ und „Untergang“ folgen nochmal dem Gesamtkonzept und sind Instrumental tiefschichtig und langsam, während Screams und tiefe Growls im Dialog der ganze Sache ein rundes Pentagramm verpassen.

 

Am Anfang habe ich schon erwähnt, dass ich kein objektives Review zur Scheibe schreiben kann. So viel Herz und so viel Hingabe und noch dazu im Alleingang, findet man praktisch nur im Black Metal Underground und wer bin ich, dass ich hier auch nur eine grobe Einteilung in ein Punktesystem vornehme?


Tracklist:

1 Zwiesprache (Einklang)
2. Ewiger Krieg
3. Dem Schatten folgend (Hinab ins Höllenreich)
4. Melancholie obsiegt
5. Des Todes kalter Atem
6. Nostalgia (Nocturnal Depression cover)
7. Untergang (Ausklang)


Weitere Informationen

  • Band: Klingsor
  • Album Titel: Erwachen
  • Erscheinungsdatum: 2013
  • Fazit: Diese Musik ist für echte Fans des Genres gedacht und eine von 100 Kopien zu besitzen ist für mich persönlich eine Ehre.
Gelesen 3057 mal Letzte Änderung am Dienstag, 01 Oktober 2013 20:33

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Dem Schatten folgend Klingsor