Montag, 12 August 2013 12:30

Die Szene ist tot – Es lebe die Szene!

geschrieben von

Erfolg muss und wird in unserer Gesellschaft belohnt und die Zustimmung über den Geldbeutel ist hierfür oft der Gradmesser. Während besonders in diesem unseren Festivalsommer 2013 die großen Festivals wieder Rekorde anmelden – Wacken 2013 restlos und für 2014 nach nicht einmal 48 Stunden ausverkauft, Summerbreeze ausverkauft, das Bang Your Head mit Besucherrekord usw., kochen die Gemüter hoch.



"Die Metalszene hat sich dem Mainstreamphänomen der "Supersize" angeschlossen. Je größer desto besser. Statt rebellischer und liebevoller Handarbeit, Massenware im XXL-Format."

In praktisch jedem Forum brennt die Kritik an der „Vermainstreamung“ der Szene. Während sogar die Massenmedien, die sich seit Jahren über das Phänomen Wacken hermachen, Kritik an der Volksfestatmosphäre der Festivals üben, ist es inzwischen fast schon wieder „Pseudo“-Kritik am Mainstream und dem offensichtlichen Veränderungsprozess zu üben. Während klammheimlich und nur mit kleinster Fußnote traditionsreiche Festivals wie z.B. das Queens Of Metal und das Eisenwahn von der Bühne verschwinden, bleibt die Frage nach den Gründen. Während immer mehr Fans auf den Zug der vor 10 Jahren noch fast unbekannten Szene aufspringen, wird der Wunsch einiger „alter“ Fans, mit lauter und aggressiver Musik endlich in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, zu einem Boomerang, der mit Verlust der Identität einhergeht.

Der einsetzende Tourismus der sogenannten „Nicht-Metaller“, die sich dem Hype um den puren Spaß der Massenevents ohne Fokus auf die Musik anschließen, ist Symptom und abzeichnende Heilung zugleich. Durch steigenden Missmut kommt nämlich die lang ersehnte Änderung. Während in Gesprächen oft vom "Gesundstoßen" der Szene die Rede ist, dämmert so langsam was überhaupt gemeint ist. Die Szene hat sich tatsächlich nur derart verändert, dass sich die wirklich „untergründigen“ Liebhaber abwenden und weiterhin ihr Geld auf die kleinen, unbekannten und (aus meiner Sicht) musikalisch wertvollen Konzerte und Festivals tragen, während zurecht der Eindruck entsteht, dass die großen Events mehr und mehr gemieden werden und durch die Masse der zahlenden „Spektakeltouristen“ ersetzt werden. Aus meiner Sicht findet hier eine Abspaltung statt, die eine Erneuerung des Underground erzwingt. Das momentane Überangebot an Konzerten und Veranstaltungen, das ja nur aufgrund des Hypes überhaupt in dieser Form zustande kommen konnte, kann aufgrund der eigentlich konstant gebliebenen Szene an „Hardcorefans“ nicht etablieren und muss und wird sich selbst regulieren.

Hier wird nur bestehen, wer trotz Rückschlägen und Enttäuschungen ein hartes Kreuz behält und dem echten Fan das bieten kann, was heute verloren gegangen ist - eine neue, wieder familiäre Szene und damit Klein(st)veranstaltungen fernab von Wet-T-Shirt Contests und Ballermann-Attitüde sowie ewig austauschbare Billings.

Für den Underground hat sich nichts geändert und die schlecht besuchten Events und die kleinen Festivals produzieren immer noch dasselbe wie vor 20 Jahren. Ehrliche, harte und mit dem Herzen gemachte Musik fernab von Hype und Marge. Genau hier möchten wir sein, genau hier wird sich die Szene wiederfinden die eigentlich nie verloren war. Auch die neuen Jungen werden sich hier finden, wenn einige Wenige nicht aufhören, die Veranstaltungsdiamanten und Kleinstfestivals zu propagieren, bei denen man all das noch zu einem lächerlichen Beitrag bekommt. Mir selber war es nie wirklich wichtig mit „meiner“ Musik derart in der Öffentlichkeit anzukommen. Als altgewordener „Junger“ der Szene, als die Musik noch auf Kassetten und den ersten CDs gefunden und zugesteckt werden musste und Wacken noch ein Ort im Norden war, sehe ich die Veränderung und kann mit neuer Einstellung und klarem Ziel nur das beste Wünschen und den Weg beständig weitergehen.


Wir sehen uns 2014 auf all den kleinen Veranstaltungen die genauso unbekannt sind wie eh und je um dort zusammen ein Bier zu trinken – Ich freu mich drauf!

 

The Underground will never die!

Gelesen 5216 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 17 August 2016 10:46
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

www.undergrounded.de