Montag, 21 Oktober 2019 00:49

WIR HABEN FÜR EUCH ALLE BATUSHKA(S) ANGEHÖRT - DAMIT IHR ES NICHT MÜSST!

geschrieben von Grave & Haimaxia

Aufruhr herrscht in der polnischen Metal-Szene. Freunde verraten Freunde, Sänger verraten Gitarristen, Drummer sind verschwitzt und Bassisten namens Kloppek werden auffallend häufig in Tourbussen vergessen. Erschwerend kommt hinzu, dass Mgła offenbar (mal wieder) Nazis sind. Oder auch nicht. Oder doch? Keine Ahnung! All dies hat jedenfalls fast überhaupt nichts mit den Mönchen von Batushka zu tun, die haben nämlich inzwischen ganz andere Probleme.

Kleiner Throwback: Das Ende 2015 erschienene "Litourgiya" schlug ganz schön große Wellen unter Anhängern spiritueller Spielarten des Black Metal. Damals waren Batushka noch ein unbeschriebenes Blatt, niemand wusste, was das für eine Band war, die da vom polnischen Label Witching Hour auf die Welt gehustet wurde, schnell fand sich ein Kult um die Band und es war kein Wunder, dass die ersten Auftritte 2016 und 2017 richtige Publikumsmagnete wurden, auch wenn die Auftritte mitsamt Bühnenbild stets extrem aufwändig waren (man erinnert sich gut wie das UTBS 2018 noch im Time Schedule ordentlich gelähmt wurde, um im frühen Abend die Batushka-Show zu ermöglichen (Bericht hier).

Was nun passierte, das dürfte jedem bekannt sein, der nicht gerade unter einem Stein wohnt. Ende 2018 behaupteten plötzlich beide Bandköpfe, den jeweils anderen aus dem Team gekegelt zu haben, man klaute sich gegenseitig Zugänge zu Facebook und Youtube, es gab Videobotschaften und bitterböse Statements - das Ende vom Lied: Jetzt haben wir zunächst zwei Batushkata gehabt. So wurden nach dem großen "Batushkagate" manche Gigs international mitunter ganz abgesagt und Verwirrung machte sich breit. Wer geglaubt hat, dass das aber schon alles war, hat sich ganz schön geirrt.

So gibt es derzeit offenbar mehr geklonte Bandprojekte als weltweit überhaupt Musiker und jeder Slawe, ob nun aus Polen, Weißrussland oder Tschukotka versucht derzeit, an gänzlich ausverkaufte Priesterkutten zu kommen, um sein ganz eigenes halbreligiöses Drone-Ambient-Geschwurbel an den Hörer zu nageln -und dabei zu versuchen, an das Konzept der (einzigen zwei vollkommen legitimen und derzeit offiziellen) Bands Batushka und Batushka anzknüpfen. 

Dabei bleibt für den geneigten Hörer oft nur pure Konfusion. Wer ist jetzt was, warum klingt die Band vollkommen gleich/ganz anders als erwartet? Was passiert jetzt, wenn man statt einer Kielbasa eine Krakauer oder eine Kabanossi isst, wo doch alles fast gleich schmeckt?

Dies hier wäre nicht der Undergrounded-Blog wenn wir uns die ganze Scheiße/Misere nicht für unsere treuen Leser genauer anschauen würden und stellen euch Bandprojekte vor, die ziemlich Batushka sind (damit ihr sie euch nicht anhören müsst)! Das von uns gestaltete Batushka-Meter zeigt euch, wie sehr die jeweilige Band Batushka ist!

Batushkameter:

Grün: sehr Batushka
Rot:   Myrkur

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Na dann, auf ins Gefecht:

Batushka

Die erste Batushka-Band namens Batushka (duh) ist eine Black Metal-Band aus Polen, die sich nur in Mönchskutten auf die Bühne traut. Von (wahrscheinlich) eher mäßiger Schönheit stammt die gesamte Truppe von ca. 200 Mönchen aus dem scientology-orthodoxen Kloster Wroclaw (eurem Opa wohl noch unter dem Namen Breslau bekannt). Die Musiker sind durch die prächtige Kuttentracht vollkommen austauschbar, so schwenkt einer mal Weihrauch, der nächste darf mal brummen und ein ganz anderer darf die Gitarre halten. Die Messe wird oft von Obermönch „Bartlomieje“ aus Białystok gehalten, dem allerdings oft unlautere Bedienung an der Kollekte nachgesagt wird. Insgesamt macht das neueste Album „Woispoldi“ (*hust* "Hospodi") wenig bis keinen Spaß und wird von vielen als ein Schritt in die völlig falsche Richtung angesehen. Via Metal Blade Records haut das Duo um Barto und Paweł Jaroszewicz wenigstens optisch anregende, aber insgesamt doch sehr gewollt gravitätische Musikvideos raus. Tritt bedeutend häufiger live auf, als sie vermutlich sollten. [Metal Archives-Artikel

Batushkameter:

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Batushka / Батюшка

 

Batushka wiederum ist eine Black Metal-Band aus Polen, die mal ein recht cooles Album namens "Панихида" ("Panychida") produziert hat, ansonsten aber wenig von sich hören lässt. Das einzige Mitglied „Kryszschtsztchszof“ spielt gerne Gitarre und hat als Hobbies derzeit nur Anwaltskosten, Markenrechtsstreitereien und Onlinezoff. Hörenswerter als die Version, die ständig live auftritt. Momentan einzig sicheres Unterscheidungsmerkmal zum Eintrag #1 ist die Tatsache, dass sich Krzysztof Drabikowskis von manchen als einzig wahrer spiritueller Nachfolger der "Litourgiya"-Ära-Batushka-Pioniere vermehrt in kyrillischer Schrift schreibt. [Metal Archives-Artikel

 

Batushkameter:

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Bátussa

 

Bátussa oder auch баґґтусса ("Bagg Tussa") haben mit der selbstbetitelten EP einen echten Überraschungserfolg geliefert. Die Zwei-Song-EP besteht aus Track 1 und Track 2, wobei ersterer wie ein besseres Stück von The Committee klingt und der zweite ein über 7-minütiges Epos aus mehreren Kuhglocken darstellt, die man in ca. 200m Entfernung (ohne Kühe) mal mehr, mal weniger enthusiastisch aneinanderzwirbelt. Gegründet von einer vermeintlich bekannten Figur namens Krylow stammt dieses batushkaeske Pflänzchen aus der Ukraine statt aus dem Woiwodland. Definitiv ein Hörerlebnis, das man nicht so schnell vergisst - und mit Hörerlebnis meinen wir: „Mach den Scheiß aus“ und mit „nicht so schnell“ meinen wir ca. 4,52 Sekunden (empirisch nachgewiesen). Goddess Tussa, please... show me the way never again. 

Wenigstens wird man auf dem Artwork mal angegrinst statt mit entfremdeten Ikonen konfrontiert zu sein. Für Metal-Neurotiker: Gibt noch keine Metal-Archives-Page bisher.

Batushkameter:

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Batyushka

Die einzige Band dieser Auflistung, die es mit Christus ernst meint. Russisch-Orthodox und mit dem unbedingten Wunsch zu töten. Das aktuelle Album "Svecha Gospodnya" bzw. "Candle Of The Lord" besteht aus 45 Minuten gepflegter Langeweile, das Riff um Riff aneinanderreiht und halt irgendwie mit Drums und Bass zu einem zähen Brei verquickt, Frühgeburten induziert und Taiga-Tiger aussterben lässt. Prädikat: "Das kann dann auch weg." (10 von 10 exhumierten Permafrost-Mammuts sind der gleichen Meinung) Wobei man o.g. Platte nicht mal als „aktuelles“ Werk bezeichnen kann, haute dieser Batushka-Auswuchs mal eben sieben halbgare Platten alleine dieses Jahr heraus und bezeichnet sich auch als „true Batushka band formed by russian orthodox priests“.

Fun fact: Um sich einen legitimen Anstrich zu geben, wurde das Album "Апостол" einfach nach 2005 zurückdatiert. Dieses klingt trotz absoluter Schwächen mehr nach Batushka als Batushka. [Metal Archives-Artikel]

Batushkameter:

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Batyushka

Alle Mitglieder von Batyushka legen größten Wert darauf, nicht mit der Band Batyushka in Verbindung gebracht zu werden, da erstere (oder zweitere?) dreckige Diebe und Copycats sind. Mit dem 2019 veröffentlichten Album „Жизнь“ („Life“), das gefühlt mit einem C64 aufgenommen und gemixt wurde, hat sich die Bands auch künstlerisch ganz klar positioniert. Im Gulag. Ohne Hoffnung auf Hafterleichterung. Holodomor reloaded anyone? Wer hinter dem Projekt steht, ist unbekannt, offenbar stammt diese Version allerdings aus Moskau und ist somit zumindest schonmal russischer als die Batushka, die sich 2015 auf die Weltbühne beteten. [Metal Archives-Artikel]

 

Batushkameter:

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Batushka official

Logo? Braucht kein Mensch!

Das hätten sie wohl gerne! Keinen Monat alt ist das Projekt dieses offenbar vollkommen aus den Fugen geratenen Konglomerats aus Schmerz und Unkönnen. „Papieska idylla seksualna“ dürfte die wohl grausamste Massenvergewaltigung an Haarzellen sein, die jemals auf Youtube hochgeladen wurde – und ja, wir haben auch Myrkurs „M“ angehört. Der Song ist ein kruder Mix aus Mönchsgesängen und einem geisteskranken Drummer, dem man auf Meth Crack zu Rauchen gegeben und ihm dann das halbe Drumset gestrichen hat. Der zweite Song „Tortury Chrystusa nieziemskie“ ist ähnlich schlimm, nur dass die Gesänge jetzt von einem Muezzin in einem leeren Brunnenschacht vorgetragen werden, der nebenbei mit einem Knüppel ein Schwein zum Growling zwingt. Die Gitarren hatten keine Lust. Wirklich nicht. Ebenfalls kein Metal Archives-Artikel und nicht mal bei Bandcamp zu finden. Meisterlich, diese Geheimniskrämerei, diese geschaffene Anonymität, dieser wundervoll arrogante Dünkel! 

 

Batushkameter:

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Batouska / Μπατουσκα

Offenbar ein griechischer Abkömmling. Wie gut, dass es auf der Insel Athos ein Russisch-Orthodoxes Kloster gibt und wie gut, dass zwei Mönche von genau diesem Inselkloster sich in Form ihrer eigenen hellenischen Version Batushkas, gräzisiert Μπατουσκα, gegen ihren Gott auflehnen. "Spiritual Rebel Propaganda" schimpft sich das Debüt-Werk. Klingt rumpelig, böse und tatsächlich nach höherer Qualität. Aber naja… Mönchskloster haben wohl trotzdem keine tollen Studios. Aber man gibt sich selbst in den Steinklöstern höchst antifaschistisch, wie es scheint.


Batushkameter:

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BatUWUshka

Über BatUWUshka ist relativ wenig bekannt. Das Mastermind hinter dem Projekt namens Gamaliel Nunquam tritt sonst nur zusammen mit den Superstars von Babymetal in Japan auf. "Weebeniya I" darf getrost als ein-einhalb-minütiges Batushka-Meisterwerk bezeichnet werden. Vom gelungenen Marien-Artwork über das geniale Thema des Songs ist dies die wohl einzige legitime Version von Batushka. Wie geheime Quellen angeben, wurde Gamaliel schon für Wacken 2025 gebucht und ist auf der Suche nach Mönchen, die dem Swingen (zwischen den Bands) nicht ganz abgeneigt sind.

 

Batushkameter:

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Fazit: Wer Batushka hören will, hört lieber The Committee. Die haben mehr Wumms, sind auch gut verhüllt und wahrscheinlich auch teilweise aus Russland/Polen. Zudem drücken sie sich auch nicht in fragwürdigen Gotteshäusern rum und heulen nicht in Online-Foren, die kein Mensch liest.

Gelesen 1038 mal Letzte Änderung am Montag, 21 Oktober 2019 14:02

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