Mittwoch, 01 Mai 2019 12:58

25.04.2019 - GOLDGRUBE, KASSEL - HEAVY BLACKNESS +++ SLAEGT + KETZER + JUPITERIAN + GAEREA

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Slægt, Ketzer, Jupiterian, Gaerea Slægt, Ketzer, Jupiterian, Gaerea Heavy Blackness / Goldgrube

Die Kasseler Goldgrube wurde zum "Heavy Blackness" wortwörtlich zu einer waren Goldgrube, was den Underground in Sachen Black-/Death- und Doom Metal angeht. Genregrößen und Newcomer geben sich mehrmals wöchentlich die Klinke in die Hand. So auch am Donnerstag, den 25.04.2019 mit Gaerea, Jupiterian, Ketzer und Slægt.

Gaerea kamen zwar erst kurz vor Einlass in die Location gestürmt, eröffneten aber trotzdem recht pünktlich und kraftvoll den Abend. Bereits vom ersten Riff an wurde klar, dass keine Gefangenen gemacht werden. Song um Song wurde das Konzert intensiver, man driftete wunderbar leichtfüßig in die schwarzen Sphären der portugiesischen Schwarzmetaller ab. Zudem vermittelte der Fronter noch eine verstörende Atmosphäre, in dem er quasi ständig ruckartig seine Arme und Hände, sowie seinen Kopf in diverse krankhaft anmutende Positionen bewegte. Das einheitliche Outfit und die verhängten Gesichter rundeten das Ganze trefflich ab – ganz, ganz stark.

Da brauchte es jetzt mal einen Drink zwischendrin. Zivile Preise verleiteten unser Team dann auch gleich dazu zwei einzufahren. Mal kurz Luft schnappen und weiter ging's nach kurzem Umbau mit Jupiterian aus Brasilien. Auch hier ging es gleich ab dem ersten Track zur Sache, jedoch verschob sich das Tempo dezent in Richtung Doom/Death. Dem zu ca. Dreiviertel gefüllten Keller gefiel der Stil der Südamerikaner, bedächtig schwangen die Köpfe und Körper in der ersten Reihe zu den tonnenschweren Rhythmen. Nicht immer war klar zu erkennen, wann denn der nächste Track begann, so flossen die Stücke ineinander über. Zwischenspiel? Pausenbrummen? Egal. Stoisch-konsequent wurde das Set durchgezogen, kompromisslos. Auch Jupiterian traten einheitlich verschleiert auf. Von "Verkleidung" kann man in diesem Genre natürlich nicht sprechen. Das vollkommene Ausblenden von Individuen oder Personenkulten ist vielmehr Teil eines genreübergreifenden Gesamtkonzeptes. Das Publikum soll sich einzig und allein auf das Wesentliche konzentrieren: Die Musik. Definitiv eine Perle an diesem Abend - nicht umsonst spendierten wir erst kürzlich der Band einen Artikel in unserer Rubrik Unter dem Radar


Schon jetzt pfiffen die Ohren der Besucher gewaltig. Ja, es war laut, aber der Sound war klasse. Die Fans bequatschten gut gelaunt den furiosen ersten Teil des Konzertabends. Zufriedene Gesichter erwarteten nun gespannt den unmaskierten Teil des Konzertes. Schnell zurück in die Grube, denn Ketzer haben schon ihre ersten Riffs verballert und der Abend begann seinen räudigeren und schnelleren Part. Wütend headbangend prügelte sich die nordwestdeutsche Formation durch ihr schwarz-thrashiges Set. Die Fans dankten es mit lautem Gegröle, ebenso wildem Headbangen und sicherem Schreien diverser Refrains und Textzeilen. Ihr neues Album "Cloud Collider" stellten Ketzer natürlich genauso zur Schau wie ein paar furiosere Stücke ihrer Anfangszeit - denn Ketzer haben ihren Stil ganz schön verändert, wenn man an die Platte "Satan's Boundaries Unchained" von 2009 denkt. Auch die Band hatte gehörig ihren Spaß auf der Bühne und holte alles aus sich raus. Völlig durchgeschwitzt verabschiedeten sie sich dankend von der Crowd, welche nicht minder in diversen menschlichen Gerüchen badete.

Diesmal gönnten sich weniger Gäste frische Luft, um nicht wieder den Anfang zu verpassen. Schaute man sich mal am Merch um, sah man außer Jupiterian alle Bands vertreten. Kurz darauf stand schon der Headliner Slægt aus Dänemark der Bühne. Die vier schlanken Jungs ließen keinen Zweifel aufkommen, dass sie der perfekte Headliner des Abends waren. Von Beginn an zogen sie das immer noch vollzählig anwesende Publikum in ihren Bann. Knallharter Sound, überraschende Breaks, High-Voltage-Performance - keine Sekunde lang gaben die Kopenhagener das Heft aus der Hand. Gitarrist Anders M. Jørgensen schien schier besessen. In schlangenhafter Manier wand er sich und warf geradezu manische Blicke in den Raum. Sänger Asrok strotzte nur so vor Hochspannung; er growlte und schrie alles aus sich heraus. Drummer und Bassist fügten sich nur allzu gut in das Ensemble ein. Nach einer guten Stunde trat das Energiequartett von der Bühne ab. Minutenlang schrie es "Zugabe" durch die Goldgrube, aber die Nordmänner ließen sich nicht erweichen. Einzig die Flying V des Frontmannes dröhnte zum Abschied in die Menge.

Bewegten sich Gaerea und Jupiterian in deutlich doomigeren Gefilden als Ketzer und Slægt, so passte doch alles prima zusammen. Allen gemeinsam war die Wucht der Performance, das bandinterne einheitliche Auftreten und die herrliche Soundmischung schwarzer Schwere. Eine sehr lohnenswerte Reise geht zu Ende.

Photos by geordie

Goldgrube

Eisenschmiede 85, 34127 Kassel

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Weitere Informationen

  • Band(s): Slægt, Ketzer, Jupiterian, Gaerea
  • Wann: 25.04.2019
  • Wo: Goldgrube Kassel, Eisenschmiede 85, 34127 Kassel
Gelesen 1102 mal Letzte Änderung am Montag, 26 August 2019 12:17
geordie

black metal ist nicht für jedermann


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