Mittwoch, 26 Dezember 2018 22:11

WARNING: UNPOPULAR OPINION INCOMING

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Liebe Freunde des Undergrounds, eine Warnung vorab, zarte Gemüter lesen jetzt besser weg, es gibt da wieder einmal etwas, was mir seit einiger Zeit auf den Sack geht und zum Jahresende muss es raus. Also Vorsicht: Unpopular Opinion incoming!

Hier die Schnellzusammenfassung: WE GOT BANNED BY ARCH ENEMY (because we sent them multiple blackmail messages)

Ein Fotograf von Metalblast hat Arch Enemy fotografiert, auf Instagram und xy geteilt. Arch Enemy hat die Bilder geteilt, genau wie die Fans. Der Fotograf hat sich über die

Aufmerksamkeit gefreut. Dann kam das Unternehmen, die der Band die Klamotten zuschiebt und fing an mit dem Foto "Werbung" zu machen, bzw. es eher einfach nur per Instagram zu reposten, was besagter Fotograf sofort als mutwilligen Billiardenschaden-Copyrightskandals des riesigen (Eine Frau) Unternehmens erkennt. Daraufhin hat der Fotograf der Dame geschrieben, dass hier sein Copyright verletzt wird, dass er normal 500 Euro Lizenzgebühr verlangt, aber mit einer 100-Euro-Spende an die Krebshilfe zufrieden wäre. Als er keine Antwort bekommt, schreibt er noch Tod und Teufel an und erwähnt auch, dass er ein Anwalt ist. Daraufhin wurde der Fotograf von der Band (Respektive der Managerin) angeschrieben, was das denn für ein erpresserisches Verhalten und dass das unter der Gürtellinie sei. Und sowieso, dass bei jedem Bild, auf dem ein Bandmitglied zu sehen ist, Eigentum der Band sei (geregelt über die Verträge mit dem Fortarock) und somit von den Sponsoren verwendet werden darf. Nach kurzem Hin und Her kam dann noch, dass die Band ihn nun auf der "Schwarzen Liste" gesetzt und bei Veranstaltern die Forderung stellt, dass dieser "erpresserische" Fotograf für die Veranstaltung nicht (mehr) akkreditiert werden darf.“ Fotograf, Metalanwalt und Geschenk an die Muse macht 10+ Minuten Cringe-Video in dem er betrauert, dass er kein Erpressergeld bekommen und jetzt seine Existenz als fotografierender Staranwalt bedroht ist. Bu-Hu.

Soviel zur Story, die ihr euch in Ruhe HIER durchlesen könnt, während inzwischen auch ein Statement der eigentlichen Beklagten, nämlich Thunderball Clothing bzw. von Marta Gabriel. Diese entschuldigt sich glaubhaft und ehrlich dafür, das besagte Pic schlicht über Instagram (inklusive aller Wasserzeichen etc.) repostet zu haben.

Aber weiter im Text. Wo soll man beginnen, lieber Fotografenanwalt von Metalblast? Vielleicht mit der harten Wahrheit? Du hast ja zu allererst mal das Bild auf Instagram durchgeschoben und damit die !Exposure! Lobdusche eingeheimst und dann irgendwann gemerkt, dass dein Bild vom Bandshop/Sponsor genutzt wird. Dann echauffierst dich, (6 Monate danach btw.) dass du von Arch Enemy (respektive deren Management) geblacklistet wurdest, weil du mittels einer Drohung (Ohooo, ich bin der fotografierende Anwalt) !im Nachhinein! versucht hast, dir Geld und/oder mehr Anerkennung zu erpressen? Super Move das jetzt an die große Glocke zu hängen und der Hand die dich (normalerweise) füttert zu beißen.

Hier kommt der bittere Hammer. Wir haben praktisch 2019 und jeder kann sich ein gutes Fotoequipment für nen Appel und ein Ei kaufen und tut das auch. Die Zeiten wo Fotografieren noch Rocket Science war, sind seit bald 10 Jahren vorbei. Hölle, die Automatikfunktionen der Kameras sind inzwischen so gut, dass wirklich jeder anständige Fotos hinbekommen kann der es schafft ein Youtube-Tutorial zu gucken, an Stellrädchen zu drehen und den Auslöser zu drücken. Warum hüpfen denn heutzutage in den Fotopits der großen Festivals 100erte Leute rum, die grundsätzlich alle das gleiche Foto machen - teilweise mit ihrem verdammten Iphone? Google mal Arch Enemy in der Bildersparte, dann fallen dir doch die Augen aus dem Kopp. Die Band kann aus einem Monsterfundus aus Unmengen an Pics auswählen und jetzt kotzt du ab weil sie deins genommen haben ohne dich zu fragen weil du ein Starfotograf bist? Ziemlich amateurhaft von dir das nicht im Vorfeld vertraglich zu klären. Könnte das mitunter ein Grund sein, warum deine Anwaltskarriere nicht genug abwirft und du mit Fotos vom Fortarock deinen Lebensunterhalt bestreiten musst (lol)

Okay, ich will jetzt auch gar nicht abstreiten, dass es seit Jahren ein Copyright-Problem gibt, aber ich hab das Bild gesehen und es ist nun leider wirklich nichts Besonderes, außer eben dass es deins ist. Dass du ein Regenkondom anziehen musstest damit deine EOS 200d nicht zu viel Spritzwasser fängt und du damit rechtfertigen magst, dass du dich wirklich dolle dolle anstrengen musstest um DAS Foto des Jahres zu schießen, ist übrigens super putzig. Stell ich mir gerade auch lustig vor, ein paar dutzend gelbe Schlümpfe auf dem Fortarock, die langweilige Bands fotografieren bzw. „Massenkunst“ produzieren. Ich bin mir fast sicher, dass die Jungs und Mädels der Columbia schon wegen dem Pulitzer anklopfen.

So, nachdem jetzt mein Gift erstmal raus ist etwas versöhnlicher. Daher an der Stelle common knowledge praktische Tipps und Hinweise die auch für viele andere Fotografen gelten (sollten):

  • Wenn du auf die großen Events dieser Welt gehst, bist du jemand der im gleichen Pit wie Dutzende andere steht und nen Knopp drückt. Du darfst das im Grunde auch nur, wenn alle Leute der Band dir das persönlich erlaubt haben oder mit dem Veranstalter einen Vertrag geschlossen haben. Der Secu ist mit drauf? Den fragst du besser auch und hast was zum Unterschreiben dabei. Auch das sind (neue) Gesetze.
  • Ich würde gerne sehen wie du auf das Fortarock zugehst und dort deine Dienste gegen Geld anbietest. Bezahlung bei Festivalfotografie ist 2018 maximal „goodwill“ - willkommen im Kapitalismus und einer „Marktsättigung“, an der du ein Massenprodukt feilbietest. Es wäre also schlau dir VORHER Gedanken darüber zu machen, ob du dafür Bar Bezahlt werden magst und dementsprechend bindende Verträge abschließt.
  • Natürlich ist Copyright wichtig und es ist dein gutes Recht, aber in dem Moment wo du hinterher anfängst zu heulen und Bands sogar „bedrohst“, zwingst du die Leute in die Defensive oder sogar in den Angriffsmodus.
  • Nimm die Lektion an, geh auf kleinere Events, fotografier kleinere Bands und kläre ALLES im Vorfeld ab. Das spart dir den Ärger und wird dir definitiv mehr Anerkennung (aber genau so viel Geld wie gerade, nämlich keins) bringen.
  • Bau dir ne Seite wo die Bilder so eingebettet sind, dass man sie eben nicht einfach runterladen/klauen kann, (Beispiele hierfür gibt es genug) anstatt Sie wie alle anderen irgendwo rumzuschieben. Dann sieht es auch erstmal nicht so aus als würdest du es für Exposure nutzen.
  • Kommerzielle Fotografie? Aber gerne! Besorg dir Alleinstellungsmerkmale. Arbeite dich z.B. in Analogfotografie ein, erstelle Photoshop Kunstwerke in bombastischen Szenerien mit Props, sowie Settings mit Effekten und Nachbearbeitung. Besorg dir Bandshootings und keine Akkre für Gräben mit 100 anderen Fotografen. Es gibt so viele tolle Beispiele und die Leben (zu Recht) davon. Zack, Gewinn!


Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass es ziemlich armselig ist nach sechs Monaten so einen Aufriss zu machen und nicht nur der Band (die mir herzlich egal ist) auch einem kleinen Shop Schaden zu wollen, nur damit man selbst auf sein trauriges Magazin aufmerksam machen kann und ein paar Hundert Likes auf Kosten anderer generiert. Dass die Kollegen bzw. der Fotograf nun aus dem Pit verbannt wurde, verstehe ich natürlich und finde es auch keinen echten Verlust.

Und nun, lasset die arschverletzten Kleinkünstler zum Shitstorm antreten!

Gelesen 2221 mal Letzte Änderung am Freitag, 28 Dezember 2018 16:14
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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