Dienstag, 12 Januar 2016 08:17

SA 09.01.2016 Satans Convention, Halle 101, Speyer (RP) + Aura Noir + Tsjuder + Caronte + The Committee +++

geschrieben von Ghostwriter
Artikel bewerten
(5 Stimmen)

Für mich persönlich der Jahresauftakt, stand Speyer Anfang Januar im Zeichen der Satans Convention – und damit im Zeichen untergründigsten Death- und Black Metals. Während gegen Abend Bands wie Aura Noir und Tsjuder aufgefahren wurden, war von Beginn an schon Underground Perlen wie der Opener The Committee, Caronte und Sarkrista an der Front.

The Committee aus Belgien (mit internationaler Besetzung) gaben mit ihrer Show als Opener die Richtung an und wirft man dem Black Metal oft nationalsozialistsche Umtriebe vor, könnte man den 5 vermummten Jungs wohl kommunistische Vorwerfen. Mit stalinistischer Uniform-Ästhetik die direkt aus den 50er hätte kommen können, waren Songs wie Weapons Of War, Man Of Steel oder Genocide im Programm, während mir ein Bandmember vor dem Gig noch mit bedauern mitteilte, das der Titelssong „Power Through Unity“) leider aus Zeitgründen nicht ins Programm gereicht hätte – Kein Wunder, bei der Auswahl an überlangen Brechern, die die Band im Repertoire hat. Trotz der frühen Uhrzeit waren die ersten Reihe bereits gut gefüllt, was der Atmosphäre nochmals gut tat.

01 The Committee 1 01 The Committee 4 01 The Committee 2

 

 

02 Caronte 5

Mit den Italiener von Caronte wurde zu Committee kein echtes Kontrastprogramm gefahren – Doom mit okkultem BM-Touch und als Highlight dem Sänger Dorian „Bones“ von Whiskey Ritual, der eindrucksvoll bewies, dass Rampensau-Attitüde mit extremen Publikumskontakt nicht seine einzige Stärke ist. Also eher Slow Deep and Hard und einer Drum- und Basslast, die momentan auch genau meinem Gusto entspricht. Verzückte und entrückte Gesichter in der er ersten Reihe waren die Folge und das Set wurde komplett ausgereizt.

Fühlten sich die ersten Minuten an wie ein einziger langer Track aus Beschwörungen und Formeln die die Seele von Caronte ausmachen, kam mit Song „Ode To Lucifer „Schwung in die Sache, in dem auch ein bisschen von der Seele von WR rauszuhören war.

 

 

 

 




Sakrista als dritte Band, war die erste, die sich fast schon schmerzlich traditionell dem BM Thema widmete – Kerzen, Mönchskutte und vermummte Gitarren- und Bassbeihelfer lieferten mit Songs wie „Diabolic Gathering“, „Behold Perditio“n und „Ascending From The Urns“ Standard-Kost ab, der irgendwie das Alleinstellungsmerkmal fehlte. Dass dies dem Publikum trotzdem gut gefiel lag an der professionellen Darbietung, die von Fronter Revenant getragen wurde. Etwas mehr Power hätte ich mir - der Musik folgend - vom Gitarristen und Bassisten gewünscht, die sich sehr elitär (oder schüchtern?) gaben.

 03 Saktrista 8                 03 Saktrista 7                 03 Saktrista 6


Mit Attic wurde zuerst einmal das Bühnenbild zum Praktikerprojekt – Was zuerst aussah, als wollte ein Wahnsinniger Architekt ein 04 Attic 10Gartenhäusschen in Rekordzeit zusammenzimmern, war es doch eher das besagte Dachkämmerchen, mitsamt kleinem Altar und schicken Kerzenambiente inklusive Räucherwerk. Die Musik die Attic abliefern straften innerhalb weniger Sekunden dieses Bild lügen. In feinster Heavy-Manier fickte die Truppe ihr Set herunter und ließ keinen Blumentopf auf dem anderen. Mit einer Spielfreude, die die BM-Elite mit einem Naserümpfen quittiert haben dürfte (während sich die Front Row wegblasen ließ), rotzte Sänger ZY mit seinen vier Mannen Songs wie „Join The Coven“, „Edlyn“, oder The Invocation in die Menge, dass es mir persönlich ein echtes Fest war. Bei Attic kam dann auch zur Geltung, was viele Bands aus den technischen Möglichkeiten der riesigen Bühne gemacht haben - Es gab einiges an Platz zur Entfaltung und bot einem ausgeklügelten Bühnenbild (sofern Band hatte) viel Raum. Dies sollte sich später nochmal bei Urfaust zeigen. 

 

Zunächst waren aber die Polen von Lost Soul, die seit gefühlten Ewigkeiten durch die Welt geistern, mit ihrer aktuellen Platte „Atlantis: The New Beginning“ angetreten, um den Technical Death-Metal Part zu geben. Nach den 100+ Querelen rund um Auflösung, Wiedergründung, Memberwechsel und anderen Strapazen, war der Auftritt mit Fronter Jacek Grecki als letztes Gründungsmitglied ein technisch ausgereifter Ritt durch die neue Platte, mit ein paar wenigen alten Songs. War die Spielfreude der Band anzusehen (inklusive Animation der vorhandenen Gäste), war das Feedback des Publikums eher „zurückhaltend“, wenn man von einer jungen Dame absieht, die Aufgrund einer Halswirbeldislokation spätestens morgen dem ortsansässigen Chiropraktiker ein neues Eigenheim zahlen dürfte. Nachdem Lost Soul mit bravem Applaus von der Bühne zitiert war, schickte sich Lvcifyre an, die Bühne zu besetzen und welche mit Death-Black in eine ähnliche, aber ganz andere Kerne schlugen. Mit minimalistischer Bühnenshow, dreckig-schnellen Riffs und Schlagzeug Blitzkrieg, die mich an Bands wie Pseudogod oder Grave Miasma erinnerten, fegte die Band über die Köpfe der inzwischen wieder recht gut gefüllten Reihen hinweg. Leider litt der Zeitplan durch den Überzieher von Lost Soul, was Probleme beim Soundcheck vorher nicht wirklich besser machte. So war die Stagezeit der Londoner trotz sehr gutem Feedback begrenzt.

Im gleichen Genre aber von anderen Gestaden (Athen) starteten Dead Congregation, die sich nach dem Split up von Nuclear Winter 2004 zusammenfanden. War das Programm vorher Crust Punk, wandte man sich recht schnell dem (Schweden-)Death-Metal zu und begann mit der Aufnahme des ersten Materials. Von der neuen Platte „Promulgation Of The Fall“ brachte die Band unter anderem Only Ashes, Immaculate und Quintessence, wobei mehr Wert auf älteres Portfolio gelegt wurde. Nach den ersten Songs war auf jeden Fall kein Halten mehr in der aufgeheizten Halle und neben wütendem Headbangen wollten die Begeisterungsstürme kein Ende mehr nehmen.

 


Urfaust (die für Sinmara einsprangen) sorgten mit ihrer Version von Ambient Black Metal zwar für einen Bruch im Billing, allerdings einen von mir sehnlichst erwarteten. 07 Urfaust 13Das Niederländer Duo mit dem sehr guten deutschen Akzent ersetzte den Bassisten mit ein paar Grabkerzen und den zweiten Gitarristen mit zwei Totenschädeln und Schnapsflaschen (auch mit Kerzen). Was man sich bei manch anderer Band auch wünschen würde, sorgt bei Urfaust für eine Menge Platz auf der Bühne, aber nicht für weniger Qualität. Langsam, getragen und mit schlafwandlerischer Sicherheit bedient Gründer Villem seine E-Gitarre und füllt die Halle mit seinem okkulten Singsang, während Drummer Jim wie ein fleischgewordener Dämon unter irren Blicken sein Drumset beackert. Das 45-minütige Set fliegt meditativ durch die Zeit und trotz der ureigensten repetitiven und monotonen Charakteristik der Songs wird es keine Sekunde langweilig und man hat das Gefühl, die beiden verschmelzen mit der entrückten Masse zu einem einzigen wahnsinnigen Körper.

 

 

Da Melechesh bisher komplett an mir vorbeigegangen waren - obwohl schon seit Ewigkeiten aktiv – war ich besonders gespannt, vor allem da mir die „nahöstliche“ Metalszene nicht vollkommen unbekannt ist und orientalische Klänge durchaus in anderen Genre als in der Black Metal Szene funktionieren und was soll man sagen, die Exil-Isrealiten (und Drummer Xul) verstehen es sehrgut die harte Gangart mit einem speziellen Touch zu versehen. Allerdings schwingt dadurch auch einiges anderes mit, was ich im Bereich Death/Thrash verorten würden. Gründungsmitglied und Sänger Ashmedi beherrscht hierbei die Bühne und lässt seine Kollegen fast etwas einsam aussehen, während er mal growlend, dann wieder screamend die Menge einheizt. Gespickt mit den besten des neuen Albums – „Tempest Temper“, „Multiple Truths“ und „The Pendulum“, brachten die vier noch „Genies“, „Triangular Rebirth“ auf die Straße und ließen die ersten „Zugabe“ Rufe des Abends erschallen.

 08 Melechesh 14 08 Melechesh 15 08 Melechesh 16

 

 

Co-Headliner Aura Noir ließen sich nach einer längeren Umbaupause kein zweites Mal bitten und knüppelten direkt mit „Hades Rise“ in feinster Thrash-Manier los und bewiesen, dass die Band keinesfalls in die Jahre gekommen ist. Aggressor, seit einem Unfall 2006 nicht mehr „gehfähig“, rockte auf seinem Drehstuhl halb sitzend mindestens genauso hart mit wie die beiden Gitarristen Apollyon und Blasphemer, die aus ihren Geräten rausholten was ging. Wovon sich so manche jüngere Thrashcombo noch etwas abschneiden kann, ist die ungebremste Kraft die diese über 20 Jahre alte Band auf die Straße bzw. Bühne bringt und Fans dieser Legenden in absoluten Terror ausbrechen und mitgröhlen ließ. Leider ist dann aber doch etwas in die Jahre gekommen – und das ist das Programm der Band. Ist das letzte Album 2012 erschienen, bekommt man neben den Titeln von „Out To Die“ noch die Klassiker vorgesetzt, wie etwa „Priest's Hellish Friend“ oder Hells Fire“. aber kein neues Material. Dies sei aber hier nur der Abzug in der B-Note und Aura Noir rissen vor dem letzen Act Tsjuder alle Register aus der Wand.

 09 Aura Noir 17 09 Aura Noir 19 09 Aura Noir 20


Mit traditionellem Norwegerblack riefen diese dann den Abend aus und waren vorher noch einzelne kritische Stimmen zu vernehmen, die der Band Headlinerqualitäten absprachen, negierten das Sänger Nag, Gitarrist Draugluin und Drummer Anti Christian sowie das Publikum. Vor allem Nag wusste mit dem groß geschriebenen „FAEN“ auf dem Bauch die Richtung vorzugeben und zu begeistern und schrie und krächzte was die Lungen hergaben. Mit dem besten was das inzwischen 6. Album der Band „Antiliv“ zu bieten hatte, also unter anderem „Krater, „Demonic Supremacy“ und „Kaos“, sowie den hervorragenden Bathory bzw. Mayhem Covern "Sacrifice" und Deathcrush", riefen die drei die Satans Convention 2016 aus.


Fazit:

Für mich war die SC ein schöner und vor allem international durchwachsener Ritt durch die BM und Death-Landschaft, wobei mir die Mischung dieses mal nicht 100% geglückt erschien, da eine Mischung der beiden Genre sehr unterschiedliches Klientel anlockt. Dass das funktionieren kann, wurde hier allerdings bewiesen und ist zumindest musikalisch jammern auf hohem Niveau, da jede Band in Ihrem Bereich lieferte! Im Gespräch mit Gästen wurde unter anderem das etwas knappe und hochpreisige Essensangebot moniert, das aus zwei Gerichten (Bratwürsten und chin. Nudeln in versch. Ausführungen) bestand. Hier wäre eine größere Auswahl wie es bei der sehr guten Getränkeversorgung der Fall war, eine echte Verbesserung. Die Vorfreude aufs Kings Of Black Metal ist unvermindert hoch und wir sehen uns vor Ort!


Bands:

The Committee

Caronte

Sarkrista

Attic

Lost Soul

Lvcifyre

Dead Congregation

Urfaust

Melechesh

Aura Noir

Tsjuder


Die komplette Gallerie werden wird demnächst auf unserer FB-Präsenz präsentieren, während ihr unter anderem von Urfaust, Caronte und Attic Videos auf dem Undergroundedtube finden werdet!


Weitere Informationen

  • Band(s): Aura Noir + Tsjuder + Caronte + The Committee + Dead Congregration + Attic + Lost Soul + Urfaust +++
  • Wann: 09.01.2016
  • Wo: Halle 101, Speyer
Gelesen 3438 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 13 Januar 2016 20:53

Medien

Last Goodbye The Committee

 Undergrounded 2017 -  ImpressumDatenschutzerklärung