Donnerstag, 16 Juli 2015 18:10

16. - 18.07.2015 Dong Open Air - Party All Night Dong - Carcass / Gamma Ray / Eluveitie / Die Apokalyptischen Reiter / Mantar +++ Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn (am Niederrhein)

geschrieben von Lena
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Dong 2015 Dong 2015 http://www.dongopenair.de/

Zum 15. Mal jährt sich das Dong Festival auf der Halde Norddeutschland nahe Duisburg, diesmal unter dem Motto Party All Night Dong. Auf dem Plateau einer Halde gelegen, mit kilometerweitem Blick über das Ruhrgebiet gehört dieses Festival wohl zu denen mit der schönsten Aussicht, auch wenn genau diese Lage die Besucher jedes Jahr wieder ins Schwitzen bringt.

Wer den Shuttle verpasst muss laufen, doch wird er oben an der Skylounge sowohl mit wohltemperiertem Bier, als auch Desperados und der bereits erwähnten Aussicht belohnt. Zum Jubiläum haben sich die hohen Tiere der Festivalorga was das Line Up angeht auch nicht lumpen lassen, vor allem Fans des (Melodic) Death Metal kommen auf ihre Kosten. Doch auch Folk und Thrash Metal finden ihren Slot, und sogar eine Glam Metal Band ist dieses Jahr vertreten.

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(Bilder von Anna Apostata)

Für die meisten Besucher beginnt das Dong Open Air am Fuße des Berges in der Schlange fürs Shuttle. Wie jedes Jahr muss man hier mehr als lange warten, um sein Gepäck und sich selbst in den Bus zu verfrachten - man sollte meinen, dass in den letzten Jahren genug Zeit war, dieses Problem zu beheben, doch gibt es wieder nur einen Bus. Irgendwann geht so manchem Besucher die Geduld zu Ende, und sie schleppen sich mit Gepäck den immerhin geteerten Weg zum Camping- und Festivalgelände hoch. Oben wird man von den ersten schon aufgestellten Zelten und dem Soundcheck im Festivalzelt, das zum Jubiläum vergrößert wurde, begrüßt. Schnell das Zelt aufgestellt und abgespannt, die wichtigsten Habseligkeiten ausgepackt, und los geht’s zu den ersten Bands. Dass der erste Act schon um 14.15 Uhr startet, obwohl der Campingplatz erst um 12.00 Uhr geöffnet wird, ist sehr schade, da viele Besucher es bis dahin noch nicht auf den Berg geschafft haben.


Für mich begann der Donnerstag daher auch erst mit den letzten Songs von Sunchair, die sich als Gewinner des UnBaCo 2014 ihren Slot gesichert haben. Der sehr Core-lastige Sound der Krefelder lockt jedoch nicht viele ins Zelt, was wohl auch an der frühen Stunde liegt. Etwas voller wird es bei Crossplane, die mit ihrem klassischen Rock’n’Roll das Publikum zu begeistern wissen und den ein oder anderen den Zeltaufbau nach hinten verschieben lassen. Der Sound im Zelt ist nicht der beste, verbessert sich aber von Band zu Band zusehends. Dass das Dong Open Air ein wirklich familienfreundliches Festival ist, zeigt sich an den vielen kleinen Besuchern, die auch von den Bands in ihrer Mitte willkommen geheißen werden. So holen Crossplane kurzerhand zwei der Kleinsten zu sich auf die Bühne. Die vier Essener schlagen sich tapfer und dürfen sich am Ende über gebührenden Applaus freuen.


Als Nächstes entern die Progressive Death Metaller von Words of Farewell die Bühne, die von einem deutlich volleren Zelt empfangen werden. Keyboards treffen schreddernde Gitarrensounds, Drummer Tristan Wegner prügelt dem Publikum das letzte Quäntchen Müdigkeit aus dem Leib, und Sänger Alexander Otto macht nicht nur gesangstechnisch eine gute Figur.

Da einem im Zelt bald die Ohren wegfliegen haben es sich einige Besucher im Biergarten hinter dem Zelt bequem gemacht und genießen dort kühles (bezahlbares!) Bier und Burger. Wer es rustikal mag holt sich einen Dong Burger oder Pommes, für Abwechslung ist dieses Jahr dank veganen Burgern, Nudelsalat und Keksen am Stand der Duisburger „Krümelküche“ auch gesorgt. Debauchery begrüßen das Publikum gewohnt blutbesudelt und sind bereit, das Festivalzelt zu zerlegen. Die Death-Metaller aus Stuttgart legen sich ins Zeug, spielen ein solides Set, technisch lässt sich an den Musikern nichts aussetzen, doch fehlt der berühmte Funke, der einfach nicht überspringen will. So mancher Zuschauer ist hier vielleicht auch von der mitgebrachten Deko irritiert, die hauptsächlich blutig und geschmacklos ist.


Die dritte und für heute letzte Death Metal Band sind The Black Dahlia Murder, die eigens zum Dong aus Detroit angereist sind. Die Mischung aus Melodic Death und Metalcore heizt die Stimmung im inzwischen doch recht gut gefüllten Zelt deutlich auf, was nicht nur an der immer noch fast tropischen Außentemperatur liegt (oder wie der Schwabe sagen würde, sackhoiß). The Black Dahlia Murder bestechen mit einer ausgetüftelten Melodieführung und auch Alan Cassidy an den Drums weiß mit seinem Instrument bestens umzugehen. Abwechslungsreich und energiegeladen bereiten sie die Menge bestens auf den Headliner des Donnerstag vor.

Mit leichter Verspätung betreten dann auch endlich Gamma Ray die Bühne, die mit ihrem unverwechselbaren Sound und der nicht zu kurz geratenen Bandgeschichte (2014 erschien das 11. Album der Hamburger) haben sie sich den Headlinerslot eindeutig verdient. Epische Melodien, Gesang in für Max Mustermann unerreichbaren Höhen und einprägsame Refrains, damit lässt sich das Publikum begeistern und feiert bis in den nächsten Tag hinein. Rausschmeißer für die ganz Hartgesottenen ist DJ Benne mit der allabendlichen Aftershowparty.


Den Freitag eröffnen Sapiency, die trotz der Mittagshitze schon einige unter dem Pavillion hervorlocken. Wer am letzten Abend noch nicht genug aus der Death Richtung gehört hat, ist mit den Melodic Death Metallern aus Frankfurt bestens beraten - Sänger Lars Bittners kraftvolle Stimme und Krsto Balics Growls treiben auch dem letzten den Schlafsand aus den Augen und bringen die Menge zum kochen. Zu Miseo zieht es einige ins Zelt, und das zu Recht. Klassischer Old School Death Metal, wie man ihn heute selten findet, bricht mit voller Breitseite über das begeisterte Publikum herein. Vielleicht nicht die crème de la crème des Genres, doch in Anbetracht der noch nicht zu lang zurückliegenden Gründung der Band 2013 sollte man auf jeden Fall Augen und Ohren offen halten, denn das war sicher nicht der letzte Streich der Marburger.


Eine etwas weitere Anreise hatten die sympathischen Jungs von War Kabinett, die den Weg aus Mexiko City hier hergefunden haben. Selbst nennen sie ihren Sound Hybrid Symphonic Metal, und eins ist sicher - das rockt! Sänger Dante Díaz deckt alle Töne von den tiefsten Tiefen bis in die höchsten Höhen mühelos ab, Gitarren, Bass und Drums wetteifern darum, wer der virtuoseste der vier ist, und insgesamt liefert die Band damit ein musikalisches Feuerwerk, das beim ein oder anderen trotz der Hitze eine Gänsehaut hinterlässt. Und auch das Publikum feiert diesen Auftritt zu Recht. Wer sich nicht ganz so sehr für die härteren Gangarten des Metal begeistern kann kommt jetzt auch auf seine Kosten, denn die Folk Metaller Vogelfrey entern die Bühne. Energiegeladen und mit dem Ziel, auch den letzten Menschen im Zelt zum Tanzen zu bringen stimmen sie den ersten Song an, und von Minute 1 an haben sie das Publikum in seinem Bann. Man könnte fast sagen Sänger Jannik offenbart sich hier als Schlangenbeschwörer, gäbe es nicht wieder das altbekannte Problem der Soundtechnik, und so ist die Rauschpfeife leider so gut wie gar nicht zu hören (was bei dem Instrument schon eine Leistung ist). Ungeachtet dessen ist die Stimmung im Zelt so ausgelassen wie selten und musikalisch geben die sechs Hamburger alles.

Ob Female Fronted Metal jetzt ein eigenes Genre bildet oder nicht sei mal dahingestellt, denn die Mannheimer Beyond The Black sind eindeutig richtig auf der Dongbühne. Jennifer Habens Stimme zieht das Publikum in ihren Bann, begleitet von epischen Keyboardklängen und virtuosem Gitarrenspiel bildet sich hier ein Klangkörper der besonderen Art. Klingt zwar sehr nach dem nächsten Nightwish Verschnitt, ist es aber nicht. Dass es noch an Bühnenerfahrung mangelt sieht man, es fehlt ein wenig an Sicherheit, sich auf der Bühne zu bewegen, welche mit der Zeit und der Anzahl der Auftritte aber sicher noch wachsen wird.


In Vorbereitung auf den Hauptact des Abends werden Kissin‘ Dynamite auf die Bühne gebeten, die mit ihrem extravaganten Auftreten und dem so gar nicht schwäbisch klingenden Glam Metal Sound das Publikum spalten. Die einen sind begeistert von der energiegeladenen Show, dem unbeschreiblichen Gesang und dem endlich mal richtig guten Sound - die anderen wissen mit dem schrillen Quintett einfach nichts anzufangen. Doch davon lassen sich die Rottenburger nicht aus dem Konzept bringen und zeigen, dass sie musikalisch einiges auf dem Kasten haben und zerlegen die Bühne nach allen Regeln der Kunst. Bühne frei für den Headliner des Abends: Eluveitie. Die Schweizer können sich über ein volles Zelt freuen, das Publikum begrüßt die Band mit begeistertem Applaus. Einmal quer durch die Bandgeschichte führt uns die heutige Show, neben einigen Songs vom ersten Album ‚Slania‘ haben die Pagan Metaller auch einiges neues dabei. Gewohnt sauber klingen die Drehleier und die Flöten, nur Anna Murphys Gesang klingt stellenweise, als müsse sie ein zu leises Mikro ausgleichen. Nichts desto trotz kommt das feierwütige Publikum voll auf seine Kosten, an allen Ecken wird getanzt und die Band kann einen weiteren gelungenen Auftritt verbuchen. DJ Benne kümmert sich wieder um die letzten Gäste, die noch Energie übrig haben und lässt die Party bis in die Morgenstunden weitergehen.


Als konkurrenzlos jüngste Band des Festivals sich einen Slot am Nachmittag zu sichern muss was heißen, und Fans des Thrash Metal werden hier vom Nachwuchs mehr als überzeugt. Ganz nimmt man den Jungs von Wulfpack die Attitude noch nicht ab, doch warten wir mal ein paar Jahre, dann sieht das sicher schon ganz anders aus. Musikalisch geben sich die Jungs alle Mühe, und werden von einem ausgelassenen, wenn auch nicht ganz so zahlreichen Publikum mit wohlverdientem Applaus belohnt. - Diese Band sollte man sich unbedingt merken, da kommt großes auf uns zu! Zum zweiten Mal wurden Acyl auf das Dong eingeladen, und wer ihre Show vor zwei Jahren verpasst hat, hat jetzt die Chance das nachzuholen. Acyl stehen für Ethno Metal, bei dem die Band ihre algerischen Wurzeln in den Vordergrund rückt. Die ungewohnte Mischung aus afrikanischen Rhythmen und Gesang und traditionellem Metal reißt das Publikum ausnahmslos mit, der tanzbare Sound und die energiegeladene Show zerstreuen auch die letzten Zweifel an der Tauglichkeit dieser Kombination.

Wer es aber doch etwas klassischer mag wird mit Wizard gut bedient sein. Seit über 20 Jahren sind die fünf aus dem Münsterland auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, doch sind Kraft und Energie noch lange nicht aufgebraucht. Klassischer Heavy Metal fegt über das Publikum hinweg, kreischende Gitarren, Gesang so hoch dass man instinktiv Angst um die Stimmbänder des Sängers bekommt und gnadenlose Drums setzen sich in den Gehörgängen fest und lassen die Haare kreisen. Nicht weniger ruhig wird es mit Mantar, die gerade mal zu zweit auf der Bühne sind. Richtig gelesen, Gesang, Gitarrenparts und Drums werden von den beiden Hamburgern zusammen gestemmt, was einen ungewohnt klaren, minimalistischen Sound erzeugt. Angesiedelt in der Black Metal Ecke mit Einflüssen aus Punk und Doom wird hier bewiesen, dass Metal auch ohne Bassgitarre machbar ist. Das Publikum zeigt sich begeistert, nur das plötzliche Ende der Show hinterlässt stellenweise verwirrte Gesichter. Um die Stimmung wieder so richtig zum Kochen zu bringen wurden die Irish Speedfolker Fiddler’s Green aus Erlangen verpflichtet, und die entern gutgelaunt und hellwach wie immer die Bühne. Etwas schade ist, dass nur die größten und bekanntesten Songs der Band gespielt werden, was auf Dauer etwas langweilig wird. Dass die Songs selbst gut gespielt und das Set ausgewogen ist muss man aber zugeben, und bis in die letzten Reihen wird dem Takt nach gesprungen und getanzt (okay, so halbwegs im Takt, oder zumindest nicht ganz falsch).


Über ein bis zu den Merchständen am hinteren Ende gefülltes Zelt dürfen sich die Apokalyptischen Reiter freuen. Das bestens durchmischte Set aus Klassikern und einigem an neuem Material erfreut sich allgemeiner Begeisterung, der Strom der Crowdsurfer nimmt kein Ende und so mancher Dame scheint es so warm zu werden, dass sie Klamotten als überflüssig ansieht. Entsprechend unruhig ist die See der Hände beim altbekannten „Seemann“, bei dem wieder das Gummiboot ausgegraben wird, weshalb die auserwählte Seemannsbraut nach wenigen Metern aus dem Boot fällt - wird aber von der dicht gedrängten Menge aufgefangen.


Als der finale Headliner Carcass die Bühne betritt hat sich das Publikum noch nicht beruhigt und mit den ersten Songs wissen die Jungs aus Liverpool genau, wie sie die Stimmung halten und gefühlt sogar noch steigern können. Dass es die Band schon ein paar Jährchen gibt sorgt für ein abwechslungsreiches Set, die ‘89 geborenen dürfen sich sogar über einen ihnen gewidmeten Song des Albums Symphonies of Sickness freuen. Doch auch neueres wird präsentiert, bis Schlagzeuger Daniel Wilding so euphorisch auf die Snare haut das das Fell reißt! Die Zeit, die es braucht diese auszutauschen überbrückt Sänger Jeff Walker in bester Manier und versorgt das Publikum mit Wasser und Alkohol, was ihm einige Sympathiepunkte einbringt. Auf die begeisterten Rufe nach mehr wird noch eine ausgedehnte Zugabe gespielt - besser hätte der Abschluss der Jubiläumsausgabe des Dong nicht sein können. Die Aftershow-Party machte dem Motto 'Party all night Dong' alle Ehre und rundete das Festival wunderbar ab.


Fazit: Das Dong ist für mich jedes Jahr ein Highlight, die Location ist klasse und es ist angenehm, dass sich die Besucherzahl bei etwa 3000 bewegt - auch die unschlagbaren Bierpreise sind ein Argument. Mit einer einzigartigen Stimmung, klasse Bands und tollen neuen Bekanntschaften kann es immer wieder aufs Neue überzeugen. Diesmal leider nicht so sehr wie die letzten Jahre, immer noch hakt es gewaltig beim Thema Shuttelservice, der dieses Jahr teurer, aber nicht besser geworden ist, und dass man dank des Märkchensystems seinen Becher nur sonntagmorgens abgeben kann ist nervig. Ob das neue Zelt sein musste oder nicht sei mal dahingestellt, ich für meinen Teil mochte das kleine Zelt mit den Holzdielen lieber als das 0815 Partyzelt mit Puzzleboden, der sich mehr als einmal als Stolperfalle entpuppte. Hätte man das alte Zelt behalten und den Merch Bereich wieder nach draußen verlagert wäre man wohl besser gefahren. Auch das Line Up hat mir in den letzten Jahren besser gefallen, ein bisschen mehr Abwechslung wäre schön gewesen.


Und auch bei den Mitgliedern des Orga-Teams gab es negative Ausreißer. Fernab des hauptsächlichen Geschehens die Parkplatzaufsicht zu geben wird sicherlich nicht die dankbarste Aufgabe sein, jedoch sollte auch in diesen Positionen ein gewisses Fingerspitzengefühl, Situationen richtig einzuschätzen und diese auch vernünftig zu handhaben vorhanden sein. Unzulängliche Absprachen mit den anderen Parkplatzaufsichten untereinander und ein äußerst angetrunkenes Auftreten scheinen einfach keine gute Basis zu sein, mit den Besuchern richtig umzugehen! Doch all das sind Punkte an denen sich arbeiten lässt, und ich bin gespannt welche Schmankerl man nächstes Jahr auf dem Dong entdecken darf.


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Gelesen 2449 mal Letzte Änderung am Freitag, 31 Juli 2015 19:56

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