Mittwoch, 14 Januar 2015 11:48

Metal-Kutten

geschrieben von
Kutte von R.L. Kutte von R.L. Thorsten Fiolka

Unseren Support zeigen wir auf vielfältige Weise: Wir kaufen (!) die Musik unserer Bands, gehen zu Konzerten, posten Songs in den zahllosen Netzwerken, machen unsere Freunde darauf aufmerksam und lassen uns sogar tätowieren. Aber um alle Welt wissen zu lassen, welcher Band unsere unsterbliche Unterstützung gerade gilt, tragen wir deren Shirts. Als Erkennungsmerkmal, als Statement, als Banner.

Leider ist es nicht sinnvoll, mehr als ein Shirt zu tragen. Denn, was man drunter trägt, sehen nur die wenigsten. Die Lösung ist so einfach, wie genial: Die Kutte. So individuell wie ihr Träger, gibt dieses jeweils einzigarte Stück Stoff Auskunft über Musikgeschmack, besuchte Konzerte und Festivals und verrät eine ganze Menge über den Träger. Schnell kommt man mit anderen Kuttenträgern ins Gespräch. Man tauscht sich aus über Shops, limitierte Auflagen und Bootlegs. Man fragt um Rat zur Platzierung von Aufnähern und Accessoires wie Nieten oder Buttons. Oder tauscht ganz einfach Patches.

 

Die Geschichte der Metal-Kutte nimmt ihren Anfang wohl in der Ursprüngen der Biker-Szene. Die großformatigen Rückabzeichen der ersten Bikerclubs wurden zunächst auf Jeansjacken genäht. Diese erwiesen sich aber im unter der Sommersonne Kaliforniens als unpraktisch war. Als Gegenmaßnahme wurden kurzerhand die Ärmel abgeschnitten und die Jacken als „sleeveless denim vest“ oder „cut offs“ getragen. International werden Kutten als „battle vests“ oder eben auch mit dem deutschen Wort „Kutte“ bezeichnet. Dieses wiederum leitet sich von dem lateinischen Wort „cotta“ her, welches die Robe der Mönche bezeichnete.

 

Die ersten Metal-Kutten entstanden Anfang bis Mitte der 1970er Jahre. Musikfans bemalten Jeansjacken mit den Logos ihrer Lieblingsbands oder zerschnitten T-Shirts, die sie dann auf diese Jacken nähten. Die Bands erkannten wohl die Zeichen der Zeit und nahmen daher Aufnäher in ihr Merchangebot auf. Zunächst waren das hauptsächlich Albencover. Dazu gesellten sich jedoch bald Bandlogos, Maskottchen, Wappen, Fahnen, Tour- oder Konzertaufnäher um nur einige zu nennen.

 

Das heute herrschende Angebot an Aufnähern ist schier unermesslich, was sich auch der Vielzahl der unterschiedlichen Kutten niederschlägt. Natürlich gleicht sowieso schon keine Kutte der anderen, aber es haben sich doch mit der Zeit einige Grundformen herausgebildet.

 

Die traditionelle Kutte:

Grundlage ist hier auf jeden Fall eine Jeansweste oder –jacke, letztere ohne Ärmel. Darauf sind vor allem Aufnäher von Bands aus dem Thrash-, Death-, Speed- und True-Metal Bereich zu finden.

 

Die Tribute-Kutte:

Alles auf dieser Kutte, ALLES, ist einer Band gewidmet: Aufnäher, Pins, Buttons, Unterschriften, Plektrons. Am häufigsten ist hier wohl Eddy anzutreffen.

Die Black-Metal Kutte:

Hier wird gern auf eine (schwarze) Lederweste zurückgegriffen, die ausschließlich mit schwarz-weißen Patches bestück wird, was dieser Art Weste seine ganz eigene, düstere Optik verleiht.

 

Die Club-Kutte:

Stark in der Tradition von Biker-Clubs stehen die Kutten der Heavy Metal Clubs (HMCs). Diese drücken nicht nur die Zugehörigkeit des Trägers zur Szene, sondern auch zu einem Club aus. Diese Kutten unterliegen je nach Club ihren ganz eigenen Regeln. Die Bandbreit reicht von sehr strengen Kutten mit wenigen außer den Club-Aufnähern bis hin zu bunten Patch-Pellen, auf denen neben eigenen Club-Patches, die Aufnäher von befreundeten Club, Feiern, Fahrten und Bands zu finden sind.

 

Die Sammler-Kutte:

Auf diesem edel verranzten Lappen sind nur rare und schwer erhältliche Patches zu finden, von streng limitierten Auflagen, über seltene Frühausgaben mancher Bands bis zu Eigenanfertigungen.

 

Kutte David-hinten

 

Die Fun-Kutte:

Hier meint es der Träger nicht ganz so ernst. Neben Bandpatches alles Arten und Sorten, findet man Schlümpfe, Hello Kitty, Sponge Bob, Sprüche wie: „Meine Nachbarn hören Metal. Ob sie wollen oder nicht“, Plüschapplikationen und was sonst noch so gefällt.

 

Die Poser-Kutte:

Wenn du sie siehst, erkennst du sie.

 

Natürlich ist diese Auflistung weder vollständig noch repräsentativ; das Kuttoversum ist unendlich. Aber egal ob nun mit oder ohne Kragen, mit langen oder kurzen Ärmeln, aus Jeans, Leder, oder Pannesamt, ob einer Band gewidmet oder einem Genre: Die Kutte ist heute eines der unverwechselbaren Kennzeichen unserer Szene. Sie ist gleichzeitig ein Banner des Musikgeschmacks ihres Trägers, ein Statussymbol und ein Ausdruck der der Sammelfreude.

 

Wie groß und vielfältig die Szene ist, lässt sich anhand internationaler Communities wie tshirtslayer.com oder der „METAL KUTTEN“-Gruppe auf Facebook sehen. Hier wird nicht nur rege über Gestaltung, Bezugsquellen und teilweise die schiere Existenz mancher Aufnäher diskutiert, sondern auch getauscht und verkauft, sowie Tipps über Bezugsquellen weitergegeben. Besonders gelungene Exemplare werden zur Kutte des Monats oder sogar des Jahres gekürt. Tiefe Einblicke in die Motivation eines Kutten-Fans gibt euch David, Admin der „METAL KUTTEN“ Gruppe auf Facebook in einem Interview für Undergrounded.

 

 

 

 

 

 

 

Gelesen 11460 mal Letzte Änderung am Dienstag, 03 Februar 2015 08:28
Lawbringer

Unter Waffen schweigen die Gesetze.


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