Donnerstag, 16 Januar 2014 15:43

Metal Travel - Visiting Oulu Empfehlung

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Die Markthalle in Oulu Die Markthalle in Oulu

Zu Hause ist es ja immer noch am schönsten, aber irgendwie ist das Gras drüben, auf der anderen Seite, immer etwas grüner. Dieses Phänomen kennt glaube ich jeder, insbesondere auf seine lokale Metalszene bezogen. Aber ist das Gras wirklich nicht so grün wie anderswo? In unregelmäßigen Abständen wollen wir unter dem Thema "Metal Travel" einen Blick über den Tellerrand wagen und ein wenig in die Ferne schweifen lassen. Was geht woanders? In der ersten Ausgabe: Oulu.

 
ouluOulu ist eine Stadt im Norden Finnlands und liegt direkt am Bottnischen Meerbusen, knappe 250 Kilometer südlich des Polarkreises. Mit etwas über 190.000 Einwohnern (Stand Dez. 2012) ist Oulu die sechstgrößte Stadt Finnlands, die wichtigste Stadt Nord-Finnlands und die nördlichste Großstadt der Europäischen Union. Dabei ist Oulu mit nur 135,4 Einwohnern pro Quadratkilometer recht dünn besiedelt. Zum Vergleich: München hat eine Bevölkerungsdichte von 4400 Einwohnern pro Quadratkilometer.

War die Wirtschaft Oulus früher primär durch Teerproduktion und Lachsfang geprägt, vollzog sich in den letzten Jahrzehnten ein Strukturwandel hin zur Hochburg für IT und Wellness. Die örtliche Universität ist die Zweitgrößte des Landes - entsprechend jung ist die Bevölkerung der Stadt und das Stadtklima.

Wie komme ich da hin?

Wer auf Roadtrips steht packt sich am besten das Auto mit Kumpels und Bier voll und wählt die Strecke über Schweden, um den Bottnischen Meerbusen herum und auf finnischer Seite wieder ein Stück südlich. Zuerst mit dem Schiff von Puttgarden auf der deutschen Ostseeinsel Fehmarn nach Rødby in Dänemark übersetzen, von dort aus Richtung Kopenhagen und dort entweder über die Öresundbrücke nach Malmö oder etwas weiter nördlich mit der Fähre von Helsingør nach Helsingborg. Von dort aus immer der E4 bis zur finnischen Grenze folgen, wo sie zur E8 wird. Diese führt in südlicher Richtung direkt nach Oulu. Von Puttgarden aus sind das „nur“ 2600 km.


Wer es gerne etwas bequemer mag, der reist per Flugzeug an. Der Flughafen Oulu liegt gute 15 Kilometer außerhalb der Stadt Oulu, im Vorort Oulunsalo. Er ist der zweitgrößte Flughafen Finnlands und gilt als „Tor zum Norden“, mutet aber für deutsche Verhältnisse eher klein an. Er verfügt über zwei Restaurants/Bistros (eines im öffentlichen, eines im Sicherheitsbereich) mit Snacks und warmen Speisen zu den flughafentypischen Preisen und dem obligatorischen, wenn auch sehr kleinen, Duty Free Shop. Daneben existiert eine Businesslounge mit komfortablen Sesseln und netter, ruhiger Atmosphäre, perfekt zum Lesen und Arbeiten, eine kleine Ausstellungsfläche und ein Raucherraum, auch wenn Letzterer ob seiner geringen Größe, der schwachen Lüftung und der hohen Frequentierung wenig zu empfehlen ist. Nach einem langen Flug jedoch eine Wohltat und gute Überbrückung, bis das Gepäck eintrifft.


Von Deutschland aus fliegen die finnische Fluglinie Finnair und die schwedische Fluglinie SAS den Flughafen an. Finnair üblicherweise über Helsinki und SAS über Stockholm, je nach Budget mit Zwischenlandung in Kopenhagen. Bis ca. 23 Uhr fahren Linienbusse vom Flughafen aus in die Stadt, wer mit der Nachtmaschine gegen Mitternacht landet muss auf die teuren Taxis zurückgreifen. Alternativ bieten in der Lobby nahezu sämtliche großen Anbieter Mietwagen feil.


Was sehe ich mir an?

ostsee winterAbseits vom Metal, zu dem wir später kommen, hat Oulu viel zu bieten. Prägend ist wie in ganz Skandinavien natürlich die Natur. Ein Streifzug durch die allgegenwärtigen Wälder ist immer eine Erfahrung wert und kann mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt einfach verknüpft werden. Im westlichen Stadtteil Toppilansaari, in der Nähe des Campingplatzes „Nallikari“ und direkt am Hotel Eden, liegt der kleine, aber durch jüngste umfassende Umbaumaßnahmen sehr sehenswerte Strand. Ob im Sommer zum "Baumelnlassen" der Seele oder im Winter für einen kleinen Spaziergang auf der zugefrorenen Ostsee - er ist immer einen Besuch wert. Der Weg dorthin offenbart einige der schönsten Ecken Oulus, so man ihn zu Fuß bestreitet.


marktplatz speicherAls Startpunkt für einen Rundgang durch Oulu bietet sich der Marktplatz an. Direkt am Hafen gelegen, umsäumt von unzähligen alten Speichern und anderen historischen Bauten, versprüht der Marktplatz mit seinen Café- und Restaurant-Terrassen sowie den Marktständen einen ganz eigenen Charme und bildet einen Schmelztiegel von Einheimischen und Touristen. In besagtem Hafen wurden übrigens die Performance-Szenen des Videos von „Killing me, killing you“ der Ouluer Legenden Sentenced gedreht, für den geneigten Fan ein wahrhaft historischer Ort.

Auch die Markthalle, direkt am Marktplatz gelegen, ist einen Besuch wert. In historischer Atmosphäre werden hier allerlei lokale und internationale Spezialitäten, vorwiegend Fisch und Fleisch, sowie Kunstgegenstände und Souvenire feilgeboten.

polizist sommerÜber all dem Treiben auf dem Marktplatz wacht der allseits beliebte Marktpolizist, der toripoliisi, eines DER Wahrzeichen Oulus. Der Marktpolizist ist eine überlebensgroße Statue eines etwas fülligeren Polizisten und eine Reminiszenz an all die Polizisten, die früher hier Wache schoben. Es scheinen freundliche Gesellen gewesen zu sein, denn überall sind Miniaturen dieser Statue als Mitbringsel zu erwerben und im Winter wird jene Statue mit einem Pullover ausgestattet, um auch bei eisigen Temperaturen nicht zu frieren. Ein Foto mit dem Marktpolizisten gehört quasi zum guten Ton.


Direkt vom Marktplatz gelangt man zwischen Theater und Bibliothek hindurch über eine Brücke hin auf eine kleine Insel, welche den Stadtteil Pikisaari beherbergt, ein idyllisches Örtchen, voll mit Häusern in Holzbauweise und alten Industrieanlagen. Als ältester Stadtteil Oulus ist hier ebenfalls das älteste Holzhaus Oulus zu finden, heute ein Museum. War Pikisaari im 17. Jh. ein Zentrum für den Holzbootbau, ist es heute ein Zentrum für Künstler und (Kunst)Handwerker. Durchquert man die Insel weiter nach Nordwesten und überschreitet die nächste Brücke, ist es nur noch ein Katzensprung zu besagtem Strand.

polizist winterDoch auch die Innenstadt selber hat einiges zu bieten. Zahlreiche Cafés und Bars laden zum Verweilen ein, während die Fußgängerzone, genannt Rotuaari, Oulus beliebteste Einkaufsstraße, zu ausgedehnten Shoppingtouren einlädt. Direkt vom Marktplatz aus gen Osten beginnt die Kaupurienkatu, welche sich nach kurzer Zeit mit der Kirkkokatu trifft. Ein Paradies für den Kaufrausch.

Etliche in der Innenstadt verteilte Parks, laden zum Entspannen ein. Kulturinteressierte erfreuen sich dabei an der Vielzahl künstlerischer Skulpturen, welche in Oulus Stadtbild allgegenwärtig sind.


tietomaaIm Norden der Innenstadt lädt das Tietomaa Science Center dazu ein, sich spielerisch mit Phänomenen der Physik zu beschäftigen. Von Astronomie über die Optik bis hin zur Akustik ist für jeden etwas dabei. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Akustik, ganz Oulu ist völlig verrückt nach Musik, dies spiegelt sich auch hier wieder! Ein eigens konstruierter „Luftgitarrensimulator“ lädt ein, für die jährlich stattfindende Luftgitarrenweltmeisterschaft zu trainieren und das entstandene Video an die Daheimgebliebenen zu schicken. - Sollte man gemacht haben!

Auch für alle Wintersportbegeisterten bietet Oulu eine Menge Auswahl. Von Langlauf, über klassischen Abfahrtslauf, Husky- und Motorschlittenfahrten bis zum Eisangeln ist für jeden etwas dabei.

Was kann man sonst so erleben?

Wo wir gerade bei der Luftgitarrenweltmeisterschaft waren: Oulu bietet das ganze Jahr über verschiedene Events, deren Besuch lohnenswert erscheint. Im August findet das jährliche Oulun Musiikkivideofestivaalit statt, das Oulu Music Video Festival, in dessen Rahmen der o.g. Wettbewerb stattfindet. Mittlerweile gibt es auch eine deutsche Luftgitarrenmeisterschaft, welche als Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft dient. Ein Spaß für die ganze Familie.

vappuAuch Vappu, so nennt man in Finnland den ersten Mai, wird ausgiebig gefeiert und zur Taufe neuer Studenten genutzt. Die Statue Mikael Franzéns im nach ihm benannten Franzéns Park trägt an diesem Tage eine Studentenmütze, die neuen Studenten nehmen ein Bad im nahegelegenen, nicht wirklich warmen, Fluß. Dazu spielt das Orchester der Universität und eine mobile Sauna lädt zum anschließenden Wiederherstellen gesünderer Körpertemperaturen ein.

Dabei wird traditionell Sima, ein leicht alkoholisches Erfrischungsgetränk aus Wasser, Zucker, Hefe, Zitrone und Rosinen, getrunken und Tippaleipä, ein süßes Fettgebäck, ähnlich der deutschen Stauben, gegessen.

eishockey

Eine weitere musikalische Besonderheit ist der Mieskuoro Huutajat, der Chor der schreienden Männer. Wie der Name verrät, wird hier nicht gesungen, sondern überwiegend geschrien, gebrüllt und laut gerufen. Einen Auftritt sollte man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen.

Was dem deutschen sein Fußball, ist dem Finnen sein Eishockey. Ganz Oulu ist Fan der lokalen Oulun Kärpät, den Hermelinen. Sie spielen in der SM-Liiga, der obersten finnischen Liga, regelmäßig um die Meisterschaft. Wer im Winterhalbjahr zwischen September und März reist, sollte sich ein Spiel ansehen. Die Karten im Stehplatzbereich sind erschwinglich, die Regeln einfach und die Stimmung grandios.

Aber was ist denn nun mit Metal?

Metal wird in Oulu groß geschrieben. Ganz groß. Auf die nur gut 190.000 Einwohner kommen zwei Metalkneipen, eine Konzerthalle und ein jährliches Festival. Die Encyclopaedia Metallum führt alleine in Oulu 75 aktive Bands, darunter Namen wie Poisonblack, Catamenia, Kalmah oder Impaled Nazarene, um nur einige Namen zu nennen. Nicht eingerechnet ist das Umland, welches eine ähnliche Vielfalt bietet, denn Oulu ist ob seiner Lage der Treffpunkt für Metal in großem Umkreis.

So reicht der Einfluss der Ouluer Metalszene bis in den wirklich hohen Norden hinein. Als nördlichste Großstadt und somit nächst beste Möglichkeit dem Metal zu huldigen, machen sich auch aus den entlegenen Gegenden Sápmis, dem Siedlungsgebiet der Sámen, dem indigenen Volk Nordskandinaviens, immer mehr Musiker und Fans auf den Weg nach Oulu. 

sombyProminenteste Vertreter sind dabei sicherlich SomBy. Diese fünfköpfige Rock/Metal-Band aus Vuotso und Inari gestaltet ihre Texte ausschließlich in der Sprache ihres Volkes, nämlich auf Nordsámisch. Ein interessantes und mehr als lobenswertes Konzept, wird doch das Volk der Sámen u.a. durch die Gesellschaft für bedrohte Völker als stark gefährdet angesehen.
Honoriert wurde es u.a. durch den Sieg beim Sámi Grand-Prix, dem sámischen Pendant zum Eurovision Song Contest, eine Kulturauszeichnung des finnischen Sámiparlamentes und einer Europatournee u.a. mit Halt in Berlin. Davon ganz abgesehen sind sie auch musikalisch hochtalentiert und live ein wahrer Genuss. Auftritte in Oulu sind absolut keine Seltenheit und sollten wahrgenommen werden.

Auch das Nachtleben hat sich gewaschen. Mitten in der Innenstadt, unweit der Fußgängerzone, liegen der Nuclear Nightclub und das Hevimesta, die zwei Metalkneipen der Stadt. Platzhirsch beim Kampf um die Gäste ist dabei sicherlich das Hevimesta. Erst kürzlich in neue Räumlichkeiten direkt am Hauptbahnhof gezogen, hat es jedoch nichts von seinem Charme verloren und lädt in moderner, aber trotzdem gemütlicher Atmosphäre zum Konsum von Musik und allerlei (alkoholischen) Getränken ein.

Das Hevimesta erstreckt sich dabei über zwei Etagen: Im Erdgeschoss befindet sich ein kleiner Barbereich nebst Sitzecken und einem Billardtisch, auch eine kleine Terrasse als Raucherbereich ist vorhanden. Eher gediegen ist entsprechend auch die Lautstärke der Musik hier gehalten.

Im Keller geht es dann schon mehr zur Sache, es ist eine große Tanzfläche vorhanden, eine deutlich größere Bar, mehr Sitzecken, lautere Musik. Auch Konzerte werden hier veranstaltet – eben der Raum zum Feiern. Nun ja, „feiern“. Vielleicht an dieser Stelle ein Wort zur grundsätzlichen Feierkultur: Die Finnen sind auch in ihren Metalkneipen ein eher ruhiges Volk. Während die Lautstärke im Keller des Hevimesta eher der einer mittellauten Kneipe als der eines Tanzlokales gleicht, ist es oben wirklich relativ ruhig und man muss als durchschnittlich lauter Bürger des Ruhrgebietes aufpassen, nicht unangenehm aufzufallen. Dieses Phänomen zieht sich allerdings durch sämtliche Bars und Clubs, man gewöhnt sich recht schnell daran.

Das Preisniveau ist für finnische Verhältnisse moderat. Das Bier im Format 0,4 Liter schlägt mit guten fünf Euro zu Buche (Stand 2012), für Hochprozentiges, gestreckt mit einem weichen Getränk, legt man auch schnell ein Vielfaches auf den Tresen. Die Zahlung mittels Kreditkarte direkt an der Bar ist übrigens die überwiegende Zahlungsweise, also keine Sorge, falls das Bargeld mal nicht reichen sollte – und das geht schneller als man denkt. Musikalisch gibt es ohne festes Programm alles aus den Bereichen Rock und Metal auf die Ohren, vorwiegend allerdings Metal der etwas härteren Schule.


Jeden Donnerstag wird allerdings einer weiteren finnischen Leidenschaft nachgegangen – es ist Karaoke Abend. Das „leere Orchester“ ist jedoch in diesem Falle das "Best Of" des Heavy Metals. In feucht-fröhlicher Runde sicherlich ein Highlight eines Aufenthaltes in Oulu. Personal und Security sind überaus freundlich und zurvorkommend. Gerade im Falle der Security, hierzulande eine Seltenheit, muss dies lobend erwähnt werden. Optisch dem Klischee entsprechend, stellen sie sich doch als freundliche, hilfsbereite und bisweilen sogar amüsante Gesprächspartner heraus.


Das Hevimesta hat Montags sowie von Mittwochs bis Samstags von 22 bis 04 Uhr am morgen geöffnet. Der Eintritt ist frei, eine Abgabe der Garderobe ist jedoch obligatorisch und schlägt mit 2€ zu Buche.

black line discipline nuclearEher für Konzerte bekannt ist hingegen der Nuclear Nightclub nur wenige Straßen weiter. Tagsüber ein Café mit Terrasse, findet sich hier Freitag- und Samstagnachts im Keller das who-is-who der regionalen und überregionalen Bandauswahl zusammen, um in großartiger Atmosphäre das Publikum zu bespaßen. Knapp 250 Personen finden vor der Bühne Platz, oft wird aber auch noch auf der Treppe gestanden.

Trotz seiner geringen Größe und einer niedrigen Decke kann der Nuclear Nightclub mit einem überdurchschnittlich guten Sound aufwarten, auch das Licht ist sehr stimmig. Ausrastende Gäste sucht man allerdings – typisch Finnland – eher vergebens. Trotzdem eine tolle Anlaufstelle für Konzerte im kleinen Rahmen. Nach dem Konzert gibt es oft noch eine Aftershowparty, gelegentlich wird dort auch Metal gespielt. Die Regel ist dies allerdings nicht.


Wer die Konzerte etwas größer mag, wird den Weg in den Club Teatria antreten. Etwas außerhalb der Innenstadt gelegen, etwa eine halbe Stunde Fußmarsch vom Marktplatz entfernt, ist der Club Teatria die Anlaufstelle für tourende Bands größeren Kalibers. Bis zu 2500 Menschen finden in dieser ehemaligen Industriehalle Platz, doch selbst dann ist die Halle alles andere als überfüllt. Erstklassige Ton- und Lichttechnik und eine fast schon riesige Spielfläche von 125m² Größe laden auch zu etwas umfangreicheren Inszenierungen ein.

teatria clubbühneFür kleinere Veranstaltungen gibt es eine zweite Bühne, vor der etwa 900 Gäste Platz finden. Der Club Teatria bietet zwei Bars, eine etwas größere in der Nähe des Einganges und eine etwas kleinere im hinteren Hallenviertel. Der Service ist gut und schnell, die Preise allerdings saftig. Ein Bier in der 0,4 Liter-Klasse schlägt mit 6€ zu Buche (Stand Dezember 2012), Spirituosen sind nahezu unbezahlbar.

Die Sicherheitskontrollen am Eingang sind allerdings eher lasch und so sieht man nicht selten Einheimische einen Flachmann aus dem Stiefelschaft ziehen.

Ein Raucherbereich ist draußen natürlich ebenfalls vorhanden. Man sollte gerade im Winter allerdings Kälteresistent sein, denn eine Abgabe der Garderobe ist hier ebenfalls obligatorisch und kostet 3€. Zum Rauchen geht es also ohne Jacke 'raus in die Kälte. Den Einheimischen ist dieser Umstand auch bei -25°C noch völlig egal, der gemeine Mitteleuropäer raucht doch etwas schneller als gewöhnlich.

Die Besucher sind auch hier eher zurückhaltend, dortige Moshpits würden hierzulande eher als Circlepit ohne Körperkontakt durchgehen, es ist beim Mitmachen also Vorsicht geboten. Ansonsten ist man aber auch hier wie gewohnt sehr höflich und freundlich.

Während man den Club Teatria zur früheren Stunde mit dem Bus ohne große Probleme erreichen kann, ist man nachts auf gesunde Beine angewiesen. Alternativ gibt es direkt vor dem Club einen Taxistand mit ausreichend Fahrzeugen. Taxifahren ist jedoch, wie bereits erwähnt, nicht gerade die kostengünstigste Fortbewegungsart in Oulu.

jaloIn diesem Ambiente findet jedes Jahr im August das einzige (reine) Metalfestival der Region statt, das Jalometalli Metal Music Festival. Etwa 20 Bands an zwei Tagen, überwiegend aus der härteren Ecke des Metals, dem Oldschool-Thrash, dem Death und dem Black Metal, buhlen an diesen Tagen auf zwei Bühnen um die Gunst der Fans. So sind für 2014 neben dem Headliner King Diamond bisher die amerikanischen Thrasher von Dark Angel und Sacred Reich bestätigt, außerdem die finnischen Speed Metaller von Speedtrap und Ranger und die japanischen Oldschooler von Loudness bestätigt. Die größere Bühne ist dabei die Bühne des Club Teatria selbst, während draußen eine kleinere Bühne für weitere musikalische Untermalung sorgt. Die Spielzeiten der beiden Bühnen sind dabei so gestaffelt, dass keine Überschneidungen auftreten. [Anm. d. Redaktion: Seit 2014 hat sich das Festival vergrößert und umfasst nun drei Bühnen. Damit ging ein Locationwechsel einher und auch die Überschneidungsfreiheit der einzelnen Auftritte ist durch die dritte Bühne nicht mehr gewährleistet. Im Jahr 2016 fand es erstmalig bereits im Juli statt.]

Für Speis und Trank ist gesorgt und auch Merch der auftretenden Bands lässt sich erwerben. Es gibt allerdings vom Festival aus keine Campingmöglichkeit. Das Ganze ist natürlich nicht sehr günstig, wir sind schließlich in Finnland. Das 2-Tages Ticket kostet preiswerte 90€.

Wie tief der Metal in Oulus Bevölkerung verankert ist, zeigt auch das Line-up des Q-Stock Festival. Das Q-Stock ist im Mittel ein eher gemischtes Festival, dort spielen aber ohne größere Probleme finnische Undergroundbands und internationale Größen wie Shining, Katatonia oder HIM neben Hip-Hop Acts. Auch hier lohnt sich vielleicht ein Blick, wenn man gerade in der Gegend ist.

Na gut, überzeugt. Ich will dahin. Doch wo schlafe und wie verpflege ich mich?

Es wurde vielleicht schon erwähnt: Finnland ist teuer! Das gilt auch für Oulu. Ganz besonders für Restaurant-Besuche und ähnliches. Ein Besuch in einer international bekannten Fastfoodkette kostet schnell so viel wie ein vollwertiges Essen in einem Restaurant hierzulande. Zumindest in einem günstigen Restaurant. Ich möchte daher empfehlen, sich nach Möglichkeit selbst zu verköstigen. Wohl also dem, der sich für ein Apartment inklusive Küche oder den Campingplatz entschieden hat. 

Der Campingplatz im Feriengebiet Nallikari bietet dabei wohl das größte Angebot. Vom Stellplatz für Wohnmobile bzw. Wohnwagen und Zeltplätze für wenig Geld über die kleine Campinghütte für 200€/Woche in der Hauptsaison bis hin zu Ferienhäuser für 870€/Woche ist für jeden Anlass und Geldbeutel etwas dabei. Während die Gäste des Zeltplatzes und der Caravane die Küchen in den Gemeinschaftsräumlichkeiten nutzen können, sind in den Campinghütten und Ferienhäusern kleine Kochecken integriert.

Wer sich gerne den Luxus einer eigenen Wohnung gönnen möchte wird zu einem der zahlreichen Apartments greifen. Eine gute Anlaufstelle sind die Apartments des Anbieters "Nallisuites", ebenfalls nahe Nallikari gelegen. Ab 400€ die Woche findet man hier Apartments für bis zu vier Personen, ebenfalls inklusive Küche. Vom Preis/Leistungsverhältnis her in Oulu definitiv ungeschlagen.

Legt man allerdings Wert auf eine Unterkunft direkt im Zentrum – nicht, dass Oulu so groß wäre, dass man nicht mit einem kurzen Fußmarsch auch aus Nallikari im Zentrum wäre – wird auf eines der Hotels zurückgreifen. In der Innenstadt liegen Hotels der Ketten Sokos, Best Western, Scandic, Radisson Blu und Holyday Inn. Preislich unterscheiden sich die Hotels kaum, das Doppelzimmer mit Frühstück ist in der Nebensaison kaum für unter 130€/Nacht zu bekommen. Natürlich ohne eigene Verpflegungsmöglichkeit, dafür direkt im Zentrum. Es ist also für jeden etwas dabei.


Und wie verständige ich mich dort?

Ja ja, Finnisch ist für unsere Zunge eine der kompliziertesten Sprachen, die es gibt. Nicht nur die Grammatik, auch die auf den ersten Blick endlose Aneinanderreihung von Vokalen und der Mangel an Konsonanten macht diese Sprache für viele Deutsche unsprechbar. Aber keine Angst, nahezu ausnahmslos alle Einwohner Oulus sprechen fließendes und gutes Englisch. Ob beim Busfahren oder an der Kasse im Supermarkt, Englisch wird verstanden und anstandslos gesprochen.

Wer jedoch ein wenig Eindruck schinden möchte, der lernt einige Vokabeln Finnisch. Die meisten Finnen honorieren es mit großer Freude, dass man sich zumindest Mühe gibt.

Hier das wichtigste im Überblick:

Hallo – Hei
Tschüss – Hei hei
Danke – Kiitos
Bitte – Ole Hyvä

Ein Bier bitte – Yhden oluen.
Zwei Bier bitte – Kaksi olutta.
Drei Bier bitte – Kolme oulutta.
Vier … - Neljä ...
Fünf … - Viisi ...
Sechs … - Kuusi ...
Sieben … - Seitsemän …
Acht … - Kahdeksan ...
Neun … - Yhdeksän ...
Zehn … - Kymmenen …

Whisky – Viski
Rum - Rommi
Vodka – Votka
Wein – Viini
Wasser – Vesi

Kippis - Prost

Oulu Metal City – definitiv einen Besuch wert!



Fotos: Anna Apostata 

Gelesen 3557 mal Letzte Änderung am Freitag, 26 August 2016 05:35

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