Samstag, 23 Januar 2021 18:00

Unter dem Radar - BongBongBeerWizards (Stoner Metal/Doom Metal)

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An manchen ruhigen Abenden, gerade jetzt in der Zeit des Daheimverweilens, sehnt sich die Seele nach gediegener, aber nicht unbedingt toternster Musik. Dazu passt das Projekt BongBongBeerWizards aus dem Pott, genauer gesagt aus Dortmund, wie die Faust aufs Auge. Diese Formation erfreut sich seit 2017 stetig wachsender Bekanntheit und wurde von Mitgliedern von Hexer und Saule gegründet. Hieraus hat sich ein mit Doom- und Stonereinflüssen gespicktes Klangbild entwickelt, das sich redlich einen Platz in der Rubrik "Unter dem Radar" verdient hat.

Nach der Gründung 2017, damals noch mit Skeletor Odin am Schlagzeug und einer ersten Demo noch im selben Jahr, konzentrierte sich die Band darauf, ein erstes Album aufzunehmen. Mit "Bong Hit Wonders" erschien 2019 das eigenständig realeaste Debütalbum, auf welchem klar wurde, dass die Band sich nicht allzu ernst nimmt, aber dennoch als Stoner/Doom-Kapelle nicht zu unterschätzen ist. Spätestens mit ihrer ebenfalls auf Vinyl erschienen EP "Albong" im letzten Jahr bekam die Band international immer mehr Zuspruch und tauchte in so mancher "Best of"-Liste des Jahres auf. Die Band begann etwas ernster zu werden, mit für gewöhnlich genrefremden Instrumenten zu experimentieren und sich klarer einen eigenen Stil zu schaffen, der sich trotz hörbarer Hexer-Referenzen und Drone-Charakteristika eigenständig manifestiert.

Aktuelle Besetzung

Bong Travolta – Guitars, Synth, Saxophone

Golden Boy – Drums, Vocals

Reib Asnah – Bass, Vocals, Flute

 

Diskographie

2017 - Hansa (Rehearsal) (Single)

2019 - Bong Hit Wonders (Album)

2020 - Albong (EP)

Review zu "Albong"

Schon beim Anblick des Artworks ist der Sprung von "Bong Hit Wonders" zu "Albong" deutlich sichtbar und wird mit dem ersten Track "Melothrone" ebenso markant unterstrichen. Dröhnende Gitarren und ein den Subwoofer an die Grenzen bringender Bass sind nur der Anfang des knapp zehnminütigen Openers. Mit einem hallenden Gesang, der ein wenig an frühe Conan-Alben erinnert, stampft sich das Album basslastig hinweg, hinein in tiefe, dröhnende Gitarrenschluchten. Durch diese wird der Hörer von sanften Synthpassagen begleitet. Während anfangs die noch eher im Midtempo gehaltenen Gitarren den Song über Wasser halten, verzerrt sich der Song zunehmend gen Ende zu einer Herausforderung für alle Lautsprecherboxen. Nicht nur ein kompromissloser Anspieltipp, sondern ein starkes Aushängeschild für die Band selbst.

Lediglich mit dem kurzen Zwischenspiel "Journey" schweift das 'Hansa Pils'-betriebene Trio kurzzeitig etwas ab und bietet über fast drei Minuten hinweg eine kleine Entspannungspause, bevor mit "Meathead" weiter mit Drone-Elementen gearbeitet wird, zu welchen sich erstmalig gutturaler Gesang gesellt, abgewechselt mit Hallgesang von Reib Asnah. Kleinere Melodiestrukturen verbergen sich hinter verzerrten Gitarrenwänden, komplexere Songstrukturen wollen sich aber erst nach mehreren Hördurchgängen zeigen, da man immer wieder so von der Musik gefangen wird, dass die Details anfangs noch verborgen bleiben. Zuweilen groovig stechen einzelne Parts mehr hervor, wodurch die Spannungskurve stets hochgehalten wird. Stellenweise fast schon an Funeral Doom grenzend, dennoch stetig unverkopft slow & heavy.

So auch beim längsten und letzten Track "Summoning", welcher nach einem kurzen Intro zunächst mit cleanen Vocals startet, um sich dann träge stampfend in die Gehörgänge vorzukämpfen und dort mit langsam aber treffsicheren Bassanschlägen stimmige Akzente zu setzen. Langsam ausklingende Synthesizer beenden ein durchweg stimmiges, gelungenes Werk, welches mit seinen dreißig Minuten zudem eine gute Länge für eine EP bietet. Mit "Albong" erschaffen die BongBongBeerWizards sicherlich nichts komplett Neues, dafür gelingt es umso mehr die verschiedenen kreativen Ideen, welche bereits auf dem Debüt gezeigt wurden, gelungen umzusetzen. Zweifellos drückt sich der Silberling tief atmosphärisch über die gesamte Dauer hinweg ins Trommelfell und hinterlässt deutliche Spuren. Die EP gibt es auf je 100 Stück limitertem, mittlerweile restlos ausverkauftem, grünem und schwarzem Vinyl, ansonsten zunächst nur digital. Dem geneigten Doom-Hörer sollen die Jungs nur wärmstens ans Herz gelegt sein!

Tracklist:

01. Melothrone

02. Journey

03. Meathead

04. Summoning

 

Weitere Informationen

Gelesen 422 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Januar 2021 18:27
Crimson

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Melothrone (Live Recording Session) BongBongBeerWizards / Albong EP / Independent