Mittwoch, 01 August 2012 13:56

SAINT VITUS (US), NAEVUS (D), OBELYSKKH (D), 10.07.2012 Rockfabrik, Ludwigsburg

geschrieben von Sebastian Engelhardt

Ein Abend mit erlesenen Bands im Zeichen des Dooms stand am Dienstag 10.07.2012 in der Rockfabrik zu Ludwigsburg ins Haus. Keine geringeren als die alten Helden SAINT VITUS machten an diesem Abend im Club 2 halt und wurden dank Robby (SCR Rec./Metal Nights) hochkarätig mit NAEVUS und OBELYSKKH im Vorprogramm ergänzt, was dann letztendlich knapp 150 Leute aus einem Umkreis von bis zu 100-150 km gen Ludwigsburg pilgern ließ.

Leider hatten wohl am gleichen Abend auch zusätzlich viele andere Leute vor, noch irgendwohin zu fahren und schlängelten sich in einer endlosen Blechkarawane von Nürnberg kommend in Richtung Stuttgart... Weshalb wir - zeitlich um eine knappe Stunde zurückgeworfen - erst um 20:20 Uhr an der Rockfabrik eintrafen um sogleich Einlass in den Club 2 des Ludwigsburger Traditionsladens zu erbitten. So öffnete die knapp 200 Personen fassende Riesensauna ihre Türen und hüllte uns sogleich mit einem lautem aber sehr warmen und klaren Sound ein. OBELYSKKH aus Fürth standen auf der Bühne. Die Kapelle um mittelfränkische Szene-Haudegen, welche auch in illustren Bands wie Desert Sun, Versus The Stillborn-Minded, Immured sowie Desir De Mourir aktiv sind/waren wehte dem schwäbischen Publikum ihren groovenden Space Doom um die Ohren. Auf psychedelische Schnörksel und Monsterjams wurde aufgrund der knapp bemessenen Spielzeit verzichtet und so erlebte man eine mitreissende Show, welche definitiv Lust auf das im Herbst auf Exile On Mainstream Records erscheinende zweite Album “White Lightnin’“ macht. Leider blieb es für uns nur bei einem Song von OBELYSKKH, denn die Show begann überpünktlich gegen 20:00 Uhr und damit weit vor unserer verkehrsbedingten späten Ankunft.


Die Umbaupause wurde dann kollektiv zum Ausbruch aus dem wirklich sehr heißen und mit enormer Luftfeuchtigkeit versehenem Club 2 genutzt, so dass sich auf dem Parkdeck ein bunter Haufen rauchender, trinkender und über Doom und seine vielfältigen Ausgeburten philosophierender Lang-, Mitel- und Kurzhaariger bildete.


Um ein Haar hätte man da den Beginn des Sets der Ludwigsburger NAEVUS verpasst. Die Band um Sänger und Gitarrist Uwe Gröbel (auch bekannt von seiner Nachfolgeband Voodooshock) stand zum ersten mal seit 13 Jahren wieder zusammen auf einer Bühne. In den 90ern gehörten Naevus zusammen mit Dawn Of Winter, Grief Of God, Dreaming, Subversion , Well Of Souls und Mirror Of Deception zu einem kleinen und erlesenen Kreis Doom-huldigender Eigenbrötler, welcher unter anderem auch legendäre Veranstaltungen wie das “Doom In Bloom“-Festival in Bietigheim hervorbrachten und in deren Umfeld auch der Grundstein für das einzigartige “Doom Shall Rise“-Festival gelegt wurde. NAEVUS veröffentlichten 1998 ihr erstes und einziges Album “Sun Meditation“ über Rise Above Records, dem Label von Lee Dorrian (Cathedral, ex-Napalm Death). Kein Wunder also, dass sich die Setlist überwiegend aus Stücken dieser großartigen Scheibe zusammensetzte. So erwischten NAEVUS mit “3rd Sun“ und “Dreamworld Wizard“ einen fulminanten Einstieg und man sah und hörte ihnen die lange Auszeit nicht im geringsten an. Ebenso dass es vor der Show lediglich ein paar wenige Proben gab und die Mitglieder in der Zwischenzeit bei den verschiedensten Kapellen wie z.B. Sacred Steel, My Darkest Hate, etc. aktiv waren/sind und praktisch mit Doom nicht mehr so viel instrumentale Berührungspunkte hatten, wirkte sich in keinster Weise auf die mitreissende Darbietung der Ludwigsburger aus. Es folgten Hits wie “Skydiver“ und “Bazar Of Illusion“, welche von einer sichtbaren Spielfreude, dem wirklich sehr tighten und antreibendem Drumming von Mathias Straub, den sich gegenseitig zuposenden Oliver Grosshans (Gitarre) und Sven Heimerdinger (Bass) sowie dem vertrauten Trademark-Gitarrenspiel und Gesang von Uwe Groebel geprägt waren. NAEVUS waren mein Highlight an diesem Abend und zukünftige weitere Shows sollte man nicht verpassen! Die Gelegenheit dazu bietet sich derzeit noch 2 mal in diesem Jahr: Am Samstag 10.11.2012 auf dem “Hammer Of Doom VII“-Festival in Würzburg in der Posthalle zusammen mit Pentagram, The Skull (ex-Trouble), Necros Christos, Solstice und weiteren illustren Kapellen oder am Samstag 15.12.2012 in Nürnberg, wo die allerletzte Konzertveranstaltung im alten Kunstverein (Z-Bau) ganz im Zeichen des Doom gefeiert wird.


Wenn man sich bei der 40-minütigen NAEVUS-Show möglichst nicht bewegt hat, hatte man die Chance dass man nicht im eigenen Schweiß davonschwamm und konnte es trotz der großartigen Show kaum erwarten wieder vor die Tür auf's Parkdeck zu gelangen, wo ein erfrischenden Lüftchen wehte und ein herannahendes Gewitter ankündigte... Mit Zischen und Fauchen brauste selbiges auch gleich um die Ohren der 150 Doomjünger, aber der Regen blieb vorerst aus. Denn es war erstmal nur das typische in Wah-Wah getauchte Fauchen der Gitarre von Dave Chandler, seines Zeichen seit über 30 Jahren Gitarrist der legendären Doom Metal-Institution SAINT VITUS. So kennt man den alten Herren, mit dem typischen Stirnband, welches die lockige und ordentlich ergraute Mähne bändigte. Mit ihm auf der Bühne der jederzeit konsequent teilnahmslos wirkende Basser Mark Adams, der wohl bekannteste aller drei SAINT VITUS-Sänger Scott “Wino“ Weinrich (u.a. The Obsessed, Spirit Caravan, The Hidden Hand, Debris Inc., Premonition 13, Wino & Conny Ochs, etc.) und das seit 3 Jahren gnadenlos die Felle und Becken verdreschende Groove-Monster am Schlagzeug Henry Vasquez (Debris Inc., Blood Of The Sun, Sourvein). So wie SAINT VITUS rein optisch rüberkommen hört sich auch die Show an, da gibt’s keine Spielereien oder Experimente, zelebriert wird trockener und schnörkelloser Doom und alle Protagonisten sind sicherlich mittlerweile auch schon so alt wie sie seit Jahren aussehen...


Angetrieben von Henry's gewohnt leicht überschwänglichem Schlagzeugspiel schiebt der Doom-Vierer Klassiker wie “I Bleed Black“, “Clear Windowpane“ oder “Living Backwards“ durch die PA und lockert das gannze mit neuen Stücken wie “Let Them Fall“ auf, bevor ein paar noch ältere Gassenhauer ausgepackt werden: “Look Behind You“, “White Stallions“ und “Saint Vitus“ scheinen der Meute gut reinzulaufen. Natürlich durfte auch das obligatorische “Born Too Late“ nicht fehlen. Alles in allem eine routinierte Vorstellung der Doom-Legende, welche aber in Sachen Intensität und Spielfreude leider nicht mit den Shows der vergangenen beiden Jahren mithalten konnte. Und auch wenn es immer mal wieder ein wenig durchschimmert, dass Wino und Henry die Legende geradeso mit Müh und Not zusammenzuhalten scheinen, so ist es dennoch jedesmal eine Freude eine der dienstältesten Doom-Bands live zu erleben. Vielleicht irgendwann in ferner Zukunft auch mal mit Scott Reagers am Mikrofon und dann eine Tour SAINT VITUS + THE OBSESSED... Dann wäre die große Halle der Rockfabrik angesagt!


Links:

Rockfabrik Ludwigsburg: www.rockfabrik-ludwigsburg.de
Saint Vitus: www.saintvitusband.com

Naevus: https://www.facebook.com/naevusdoom
Obelyskkh: www.facebook.com/TheObelyskkhRitual

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www.doom-over-nuernberg.de

Weitere Informationen

  • Band(s): Saint Vitus, Naevus, Obelyskkh
  • Wann: 10.07.2012
  • Wo: Rockfabrik - Ludwigsburg
Gelesen 2941 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 01 August 2012 15:32