Mittwoch, 03 Oktober 2018 12:38

Betrugsvorwürfe gegen Blake Judd/Nachtmystium - Eine kurze Zusammenfassung

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Nachtmystium Nachtmystium Ascension Media Records

Wer in den letzten Jahren die Berichterstattung um die US-amerikanische Black Metal-Band Nachtmystium und insbesondere Sänger und Gitarrist Blake Judd verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass dieser sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, was den Umgang mit Fans und Käufern seiner Platten und denen seines Labels anbetrifft. Judd, aka Azentrius, war bereits seit den frühen 2000ern in der Anfangszeit von Nachtmystium immer wieder negativ aufgefallen, da Bestellungen, für die abkassiert worden ist, niemals bei Fans ankamen oder erst gar nicht an diese verschickt wurden. Die Band schien um 2013/2014 sogar kurz vor dem Ende zu stehen, als Judd zunächst in einer Pressekonferenz Fehler einräumte, die er aber gut machen wollte, mit dem Release vom 2014er Album „The World We Left Behind“ , welches sogar beim Major Label Century Media Records erschien, sich aber keine Besserung abzeichnete, da Judd vielen CD- und Vinyl-Bestellungen nicht nachkam. In einem kurzen Statement (=> hier nachzulesen) beendete Century Media auch kurz darauf die Zusammenarbeit, danach wurde es zunächst stiller um Nachtmystium.

Im März 2017 wurden dann neue Releases, u.a. eine Split mit Leviathan und eine neue EP angekündigt, welche auf eine Rückkehr der Band auf die Bildfläche schließen ließen. Vor allem vertrieb Blake Judd nun über sein eigenes in Kalifornien ansässiges Label Ascension Media Records Musik von Nachtmystium und dem US-Dunstkreis anderer Bands wie Leviathan, Judas Iscariot oder Cobalt.  Problematisch ist nun, dass es ziemlich konträre Erfahrungsberichte aus den letzten Monaten und Jahren mit dem Label gibt. Während in Foren wie der Encyclopaedia Metallum (Quelle) oder zuweilen auch auf Reddit (Quelle) zumindest vom „guten Willen“ des Musikers berichtet wird und unbestätigten Aussagen zufolge Blake sogar persönlichen Kontakt zu Kunden aufgenommen haben soll, denen er in der Vergangenheit einen finanziellen Schaden zugefügt hat, lesen sich Kommentare auf Bandcamp oder Discogs wieder so, als hätten sich alle Versprechungen Blakes wieder in Rauch aufgelöst und als hätte man nichts dazugelernt: So ist die Rede von Bestellungen aus dem Mai dieses Jahres, welche bis dato (3. Oktober 2018 zum Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels) noch nicht bei den Kunden angekommen sein sollen und Betrugsvorwürfe und schlimmere Äußerungen über Blake, das Label und mittlerweile gar über die von den negativen Schlagzeilen überschattete Band Nachtmystium wurden laut (Quelle).

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Qualität der Releases deutlich bemängelt und aufs Schärfste kritisiert wird: So wird beispielsweise eine Neuerscheinung der Judas Iscariot-LP „An Ancient Starry Sky“ auf Discogs beschrieben als „das am meisten fehlerbehaftete und unschönste Bootleg aller Zeiten“, mit Rechtschreibfehlern, falschen Songtiteln, fehlenden Apostrophen, Leerzeichen und Fehldrucken, wurde aber beworben mit den Phrasen, „es wurden keine Kosten Mühen gescheut, der Platte ein neues, zeitgemäßeres Antlitz zu verleihen“. Der User Sonic_Titan behauptet in einem Post sogar mit Fotos belegt, es handele sich beim neuen Front-Cover um „ein Stock-Foto, das jemand einfach so googlen könnte“, es gäbe unlesbare Label Credits auf der Rückseite und die Schriftzüge seien nicht einmal zentriert (Quelle). In den Folgemonaten immer größerer Skandale kündigte Wrest, seines Zeichens Frontmann von Leviathan, auch an, dass er nicht mehr mit Ascenion Media Records und Blake Judd zusammenarbeiten würde. 

Vor allem erregt vor diesem Hintergrund nun die Tatsache Aufmerksamkeit, dass das deutsche Special Interest-Label Prophecy Productions, welches eigentlich für hochwertige Releases, gute und detailverliebte Verarbeitung und besondere Musikauswahl bekannt ist, nun angegeben hat, dass es zum bevorstehenden Release der neuen EP „Resilient“ am 30. November und der zeitgleich erscheinenden Neuauflage der 2008er „Assassins: Black Meddle Pt. I“ als LP und Artbook mit Blake Judd und Nachtmystium zusammenarbeiten werde. Hinzu kommen Neuauflagen von Alben der Post Black Metal-Supergroup Twilight, in welcher in der Zeit ihres Bestehens von 2004 bis 2014 neben Musikern von u.a. Xasthur, Leviathan, Krieg, Sonic Youth, Isis und Old Man Gloom auch Blake Judd involviert war.

Während man eigentlich Hoffnung auf ordentliche, ansehnliche Veröffentlichungen in sorgfältiger Prophecy-Manier haben dürfte, gab es nach dieser Ankündigung für Prophecy Productions aber gleich einen kleinen Shitstorm zu verbuchen, der sogar so weit ging, dass User sich aktiv bei Prophecy Productions beschwerten, bzw. bei Facebook vor Vorbestellungen warnten. Aus Labelseite wurde gegengesteuert und man beteuerte, dass Preorders „110% trustworthy“ seien. Auf den Vorwurf eines Users, wie Prophecy mit jemandem zusammenarbeiten könnte, der bereits von Hunderten gestohlen hätte, antwortete das Label zunächst nur mit den Worten, dass sie Support für „great music and great art“ leisten wollen.

Ob Bestellungen via Bandcamp oder via Ascension Media Records tatsächlich gar nicht ausgeliefert werden, können wir von Undergrounded derzeit weder mit letzter Sicherheit bestätigen noch dementieren – allerdings hat auch aus unserem Team jemand im Zeitraum Dezember 2017 bis Februar 2018 Bestellungen aufgegeben (Direktbestellungen bei Ascension Media), die zwar mit einer Wartezeit von jeweils mehr als vier Wochen behaftet waren, allerdings kam das Merch auch an. Über die Qualität der Tonträger können allerdings auch wir keine Aussagen machen, da es sich hier „nur“ um Kleidungsstücke handelte, welche qualitativ in Ordnung waren. 

Aus der Perspektive des Undergrounds mag dieser Skandal um Blake Judd nur kleine Ausmaße haben - aber wenn ich als Supporter nicht einmal mehr hundertprozentig sicher sein kann, dass Kleinstlabels oder Musiker im Self-Publishing meinen Bestellungen nachkommen können und hier Geld in den Sand gesetzt wird, geht mit den Finanzen nicht nur ein finanzielles Gut verloren, sondern auch ein anderes: Vertrauen. Wer seine Musik im Allgemeinen nur bei Elektrofachhändlern oder Amazon kauft, kann davon ausgehen, schnell entschädigt zu werden - und das ist hier extrem schwierig. Ob sich Prophecy Productions hier auf dünnes Eis begibt, wird Ende November deutlich werden. Andererseits handelt es sich hier um ein gestandenes und erfahrenes Label, welches bislang immer Garant für hochwertige Releases war und für das Kundenzufriedenheit an erster Stelle stand. Also, Füße flach halten, aber aufmerksam sein!

 

Gelesen 1366 mal Letzte Änderung am Dienstag, 11 Dezember 2018 23:56
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.