Freitag, 28 September 2018 09:20

Offener Brief an die Deutsche Post

geschrieben von

Liebe deutsche Potz,

wir kennen uns wirklich schon lange, du und ich. Und ja, bevor du es mir vorgwegnimmst, es war nicht immer leicht mit uns beiden. Früher hast du mir eine Menge Freude bereitet, als ich noch Briefmarken mit bunten Bildchen und mal mehr, mal weniger Zacken gesammelt habe. Dann haben wir uns aber langsam voneinander entfremdet, als du dich in DHL, Deutsche Post und Postbank aufgesplittet und in diesen Sparten langsam aber sicher die Gebühren rauf, und den Service runter geschraubt hast.

Ich will jetzt auch gar nicht das alte Lied vom offensichtlich minderbemittelten Beamten besingen (Inklusion war schon immer wichtig), der wohl schon immer etwas langsamer als alle anderen Menschen in einer sicheren Arbeitsumgebung die Kugel geschoben bzw. den Stempel geschwungen hat. Natürlich ist es nervig 20 Minuten in einer Schlange zu warten weil inzwischen gefühlt 200.000 Kunden auf eine Filliale und zwei gelangweilte Schalterbeamte kommen, aber darum soll es wie gesagt nicht gehen. Nein, als wir uns „verloren“ haben, war es ungefähr der Zeitraum, als du deine Zusteller dazu gezwungen hast, immer schneller und immer mehr Material zu transportieren, bei reduziertem Stundenlohn und höheren Quoten.

                                        

Dass das hohe Gut „Paket“ für den Zulieferer so an Wert verloren hat, war ja nur eine Frage der Zeit und bei dir, liebe Post, wohl einfach auch nicht mehr die Prio 1. Schnell mal hier das Päckchen unter der Tür durchgeschoben, mal dort in den Hausflur geschmissen und fertig ist die schnellere, aber lieblosere und vor allem beschädigendere Lieferung. Den Vogel schießen aber deine offenbar sehr jungen Zusteller ab, die einfach als Vinylsendungen zu identifizierende Pakete in einem halbsexuellen Akt in viel zu kleine Briefschlitze stopfen (wobei die rechteckigen Pakete nicht nur hart verkanten, sondern auch stark beschädigt werden). Man könnte meinen es würde darum gehen, so schnell wie möglich die Jungfräulichkeit zu verlieren, und dabei dilettantisch jede Liebe an der Gerätschaft vermissen zu lassen. Es wird geschoben, geknickt, gerissen und jegliche Sicherheitsbedenken beiseitegeschoben -wie damals mit 14. Dass hierbei Erstpressungen, signierte Kleinode und echte Kunstwerke unwiederbringlich verloren gehen, ist leider noch nicht zu dir vorgedrungen.

Zugegeben, ich kenne deine Schulungsunterlagen zur sicheren Lieferung von Schallplatten nicht. Dass es hier kein vierwöchiges Seminar zum Thema „Wie erkenne ich eine Vinylsendung und warum darf ich diese nicht knicken, verkratzen oder in zu kleine Löcher stopfen“ gibt, ist wahrscheinlich zu viel verlangt – für mich als Metalhead aber unverständlich. Dass du deine Mitarbeiter aber darin schulst, Pakete grundsätzlich mit einer gewissen Liebe zu behandeln, darf ich als Kunde wohl verlangen. Solltest du hier Unterstützung brauchen, darfst du diesen Beitrag sehr gerne ausdrucken und bei dir in den Seminarräumen aushängen oder in deine Schulungsunterlagen aufnehmen.

Als Kunde, dem etwas an seinen Vinyls liegt, möchte ich dir aber sagen, dass solltest du es nochmal wagen, mir eine Schallplatte in meinen zu kleinen Briefkasten zu stopfen, ich es mir herausnehme, nach einer durchzechten Nacht mit „Degustation“ von Hopfenkaltschale und KFC (extra spicy), in eine deiner Abholstationen zu kacken.

Mit Stolz.

Und Eifer.

Und einer Horde Penner im Schlepptau, die ich pro Kilo bezahle und am Vortag mit Bohnen und noch mehr Hopfenkaltschalte gefüttert habe.


Herzlichst, dein Grave

Gelesen 701 mal Letzte Änderung am Freitag, 28 September 2018 09:37
Grave

Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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