Sonntag, 20 März 2016 22:49

Magoth - eine Band stellt sich vor

geschrieben von
Magoth Magoth by Christophe Szpajdel

Das beschauliche Bonn hat in Sachen Metal nicht allzu viel zu bieten, doch pellt sich dort aktuell eine vielversprechende Black Metal-Kombo aus dem Ei: Magoth.

Magoth liefern klassischen 90er Jahre-Black Metal, doch sind sie dabei keine weitere überflüssige Kopie der bekannten Größen! Undergrounded hat die Jungs beim Proben besucht und konnte Einblicke in die Bandstruktur und in die am 4. April erscheinende Demo „Der Toten Gesang“ gewinnen können.


 DSC0814logo_web-96 3

Promofoto by Lara van Eikelen

                                                                         

„Magoth“ wurde im Jahr 2011 gegründet und existierte lange Zeit nur als Nebenprojekt des ehemaligen „Cerberus“-Gitarristen „Vidar“. 2012 entstand eine Demo, die jedoch nie veröffentlicht wurde. Nach dem Zerfall von „Cerberus“ im Jahr 2015 beschloss „Vidar“, heute bekannt als „Heergott“, sich auf sein Soloprojekt zu konzentrieren und dieses voranzubringen, so dass „Shagnar“ hinzustieß, der zuvor bei den 2013 auf Eis gelegten „Abstinenz“ an der Gitarre tätig gewesen war. Die beiden verbindet eine lange Freundschaft und man wollte sein kreatives Schaffen und jeweiliges Repertoir an Ideen zusammenführen. 2015 wurde „Magoth“ also als Projekt konkret. Vor zwei Monaten fand sich in „Widrir“ schließlich ein passender Schlagzeuger und mit dem aktuellsten Neuzugang, dem ehemaligen „Painferno“-Bassisten „Plaguewielder“, komplettiert sich „Magoth“. So wurde aus dem einstigen Soloprojekt fünf Jahre später eine vollständige Band – was lange währt, wird endlich gut? Die Darbietung von „Der Toten Gesang“ klang jedenfalls ganz danach! Es handelt sich dabei hauptsächlich um das Material der nie veröffentlichten Demo aus Zeiten des Soloprojekts in neuem Gewand, ein Teil des für den Frühjahr 2017 geplanten Albums stammt bei „Sola scriptura“ z.B. bereits aus der Feder von „Shagnar“. Die erste Kostprobe bot vielversprechenden klassischen Black Metal, bei dem man sich an alte Satyricon oder Tsjuder erinnert fühlte; die Band selbst nennt Dissection und Emperor als weitere Einflüsse.


Bei der Bandgeschichte drängt sich natürlich die Frage auf, ob „Heergott“ der Tonangeber bleibt, da es ursprünglich sein Projekt war. Die Band beantwortete dies mit einem entschiedenen „Nein!“. Zunächst einmal sei die im April erscheinende Demo für Heergott ein Zeichen alten Ballast abzuwerfen und mit der Vergangenheit bei Cerberus abzuschließen. Er sehe es als Chance sich als Musiker weiterzuentwickeln, neue Wege zu beschreiten. Diesen Abschluss könne man gleichzeitig auch als einen persönlichen Neuanfang sehen. Das Songwriting werde zwar auch zukünftig hauptsächlich durch die beiden Gitarristen „Heergott“ und „Shagnar“ erfolgen, doch jeder könne Ideen einbringen und das Endergebnis solle aus einem Schmelztiegel kommen – auf Gleichberechtigung wird hier großer Wert gelegt. Die Band solle für alle gleichermaßen Spaß machendes Hobby sein, jemand mit Oberkommando sei genauso unerwünscht wie Kommerz. Wenn „Magoth“ in naher Zukunft die Bühnen betreten, ist es ihnen sehr wichtig, authentisch zu bleiben. Was gerade angesagt ist, sei vollkommen egal, heißt es. Damit ist die bewusste Abkehr vom stark visuell unterstützten okkulten Black Metal, der ja aktuell eine Hochzeit erlebt, gemeint: Man werde sich, wie auf dem Promofoto sichtbar, zwar klassisch mit Corpsepaint präsentieren, allgemein aber visuell reduzierter, da die Musik im Vordergrund stehen solle. Die Meinungen über Corpsepaint bei Musikern der neuen Black Metal Generation gehen bei den Anhängern zwar stark auseinander, bei „Magoth“ ist man sich jedoch einig, dass es als ein wichtiger Bestandteil eines jeden Auftritts angesehen wird. Man wolle schließlich nicht als Privatperson auf die Bühne gehen, oder auf der Bühne mit dem in Verbindung gebracht werden, was man beispielsweise beruflich darstellt. Wiederum sei ihr Corpsepaint der Befreiungsschlag, durch den sie auf der Bühne ihre Performance freier gestalten und umsetzen könnten. Eine der markantesten Aussagen im Gespräch mit der Band lautete: „Der Black Metal steckt in einer Krise.“ Begründet wurde dies damit, dass heutige Bands Gefahr laufen, die Szenegrößen zu kopieren und lediglich Wiederholungen zu liefern. „Magoth“ betrachten Immortal, Burzum, Darkthrone etc. nicht als „die Großen“ – Personenkult wird entschieden abgelehnt.


Es ist offensichtlich, dass man es bei dieser Band mit kritischen Menschen zu tun hat, die sich mit der Oberfläche nicht zufrieden geben. Der Name „Der Toten Gesang“ ist Programm: Die Toten haben eine Botschaft an die Lebenden – „Magoth“ haben eine Botschaft. In ihren Texten finden sich Gedanken, Unmut, Hass über sämtliche Bereiche des Lebens und des Weltgeschehens, wobei es ihnen sehr wichtig ist zu betonen, unpolitisch zu sein. Sie blicken unter die Oberfläche und weisen auf Missstände aller Art hin – steckt da Idealismus hinter? Durchaus, aber kein optimistischer. Entsprechend wird das zweite ein Konzeptalbum, in welchem die aktuellen Geschehnisse rund um den Globus aufgearbeitet werden sollen. „Satan ist out“, heißt es an dem sonnigen Sonntagnachmittag, an dem „Magoth“ sich Undergrounded offenbart haben.


Hier wächst also Vielversprechendes heran und wer sowohl auf die klassische Schiene des Black Metals als auch auf Anspruch steht, der sollte „Der Toten Gesang“ im April unbedingt antesten! Auch auf die kommenden Gigs darf man gespannt sein, wenn sich zeigen wird, ob die Jungs Wort halten. Vielleicht schlüpft hier ja ein kleiner Phönix – in klassischem Federkleid und doch anders.

 

Text: Nephthys & Anna Apostata


Gelesen 3641 mal Letzte Änderung am Montag, 21 März 2016 12:03
Anna Apostata

Aika Multaa Muistot