Freitag, 12 Februar 2016 21:51

Was wäre eigentlich, wenn...

geschrieben von Ghostwriter

...wir für den New Yorker schreiben würden... Oder für die Cicero-Online Abteilung: "Musik-Fachkritik"...  Oder einfach die Jens Balzer Challenge von Schlecky Silberstein alias Christian Brandes annehmen würden? Wer jetzt genauso verwirrt war wie wir, sollte flux DIESEN Artikel lesen und sich dann einmal ein Review gönnen, das wir so schreiben würden, wenn wir tatsächlich wüssten was wir hier tun!

 

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Review: Manowar - Warriors of the World (Jens Balzer Style)

Post-Feminismus als salonfähiges Konstrukt in einem patriarchalisch dominierten Musiksektor ist der Inbegriff immanenter Wandlungsfähigkeit und Resistenz gegen verkrustete immergleiche Schemata. Nichts anderes als den großen Wurf haben Manowar mit Ihrem neuem Werk „Warriors Of The World“ in diese Richtung getan und mit dem gleichnamigen pittoresk-protuberant anmutenden Musikvideo auf die nächste Ebene gehoben. So ist nicht nur die völlige Absenz der Krone der Schöpfung als rekursive Projektion, sondern auch die Zurschaustellung blatant aufgeblähter Männlichkeit als Disput zur Kontroverse zu verstehen den die Band, wie keine andere des Genres, affektiert zur Diskussion zu stellen vermag.

 

Die Androkratie wird hier nur vordergründig mit klassischen Hartmetallelementen, ja fast schon punziert (z.B. „Call To Arms“) und in jedem der Stücke ist auch der innigste Wunsch, ja vielmehr noch das Bestreben von Emanzipation fernab der in Blei gegossenen musikalischen Demarkationslinie zu finden. Unter diesem Gesichtspunkt wird z.B. „Fight For Freedom“ zur Hymne des Geschlechterkampfes mit dem fast greifbaren, und non-illusionären Wunsch hin zu echter Gleichstellung, was sich schon im sanften, „Elton Johnnesken“ Klavierintro manifestiert. Andere Fachpublikationen sehen hierin wiederum ein Nine-Elven Innuendo, allerdings wird die Theorie vom Erschaffungszeitraum des Liedes ad absurdum geführt und ist wohl nur dem weltfremdesten Musik-Kretin triftig. Auf „Warrios Of The World“ werden dem geneigten Auditorium keine aleatorischen Lückenbüßer- Generalpausen aufgezwungen, viel mehr wird z.B. mit „Valhalla“ ein epochales und kein redundant- triviales Zwischenstück präsentiert, das die Brücke zwischen Moderne und Klassizimus des True Metal und damit Track „Nessun Dorma“ und Track „Swords In The Wind“, schlägt. Die gelebte Katharsis entbehrt keiner Nemesis und so ist der Zuhörer der Kanal zur Ontogenese von „Fight Until We Die“, das das von der Band exzellent formulierte Schlusswort bildet. Kurzum, auf Warriors Of The World findet sich Actio und Reactio, Sujet, Echo und schlussendlich Konnex eines in sich stringent angedeuteten ungelösten Rollenkonflikts, der sich in einem derart grotesken Antonym von „dezent“ in die fast schon überreizten Stereozillen entlädt.

 

Fazit: Dass die Band, die sich einer gewissen offen zur Schau gestellten Impertinenz weder schämt, noch allzu kokett damit hausieren geht, mit diesem dem Werk ein zeitloses Beispiel höchster Kunstfertigkeit instituiert hat steht außerhalb eines möglichen, aber hoffnungslosen Disputs. Es bleibt schlicht abzuwarten, ob man mit den nächsten Werken die Sublimation in die nächste Sphäre bewerkstelligen kann, ohne die einer Katharsis eines Ikaros und seiner fehlenden Introspektion zu erleben, bleibt abzuwarten.


Trackliste:

01 Call to Arms – 5:31 (Joey DeMaio)

02 The Fight for Freedom – 4:19 (Joey DeMaio, Karl Logan)

03 Nessun Dorma – 3:23 (Giacomo Puccini, Renato Simoni, Giuseppe Adami)

04 Valhalla – 0:32 (Joey DeMaio)

05 Swords in the Wind – 5:08 (Joey DeMaio)

06 An American Trilogy – 4:12 (Milton „Mickey“ Newbury)

07 The March – 3:52 (Joey DeMaio)

08 Warriors of the World United – 5:56 (Joey DeMaio)

09 Hand of Doom – 5:38 (Joey DeMaio)

10 House of Death – 4:16 (Joey DeMaio)

11 Fight until We Die – 3:58 (Joey DeMaio)


Bewertung:

8,6815 von 10 Punkten



Gelesen 3845 mal Letzte Änderung am Freitag, 12 Februar 2016 22:32