Freitag, 17 Juli 2015 21:17

Pay To Play war gestern!

geschrieben von Oberkommando

Als kleines Webzine, noch dazu mit klarer Richtung wie einer No-Core und No Bullshit Politik und dem eigenen Anspruch „Independent“ zu sein, hat man es heute nicht gerade einfach – Vor allem wenn man es auch so meint und es nicht nur hinschreibt weil es so schön zum verruchten Term "Underground" passt. Ehrliche Reviews, sei es zu Alben, Bands oder Festivals, werden durch den Wunsch nächstes Jahr auch noch akkreditiert oder bemustert zu werden, torpediert.

Tolle Bands (mal wieder), Super Ticketpreise für das austauschbarste Billing aller Zeiten (not), fantastische Infrastruktur (ein Dixi pro 100 Gäste) und kurze Wege (Hey, ich kann nach 20 Minuten Fußmarsch schon fast die Bühne sehen) sind Floskeln, die man sich besser gut einprägt, wenn man von Großveranstaltung XY nochmal akkreditiert werden will.


Dabei ist bei vielen Festivals inzwischen nicht nur mehr Pay To Play ein verbreitetes Virus, sondern auch eine „Pay To Review“ Politik. Profitabel, effizient und gut besucht müssen die Events sein, wenn Jobs und Zinsen dranhängen und der Metal, um den es irgendwann mal ging, anfängt in den Hintergrund zu treten. Wenn dann noch HannesX (mit seiner EOS MarkIVC) zusammen mit PeterY (Sinologie drittes Semester) zusammen mit 100 anderen Webzines versucht einen der begehrten Plätze im Graben zu bekommen um das Millionste Foto von Nightwish zu schießen oder den tausendsten Bericht über Alestorm zu schreiben ist klar, dass die Veranstalter anfangen auszusortieren.


Dazu sind inzwischen auch bei den mittelgroßen Festivals Tauschtickets, Backstage Zuschläge oder extra zu bezahlende Fotopässe besonders für kleine Zines ein probates Mittel geworden. Frei nach dem Motto: „Wer Promotion für das Event machen will, soll gefälligst auch zahlen.“ Man hat es ja und es scheint eine Unzahl an Menschen zu geben, die sich das Privileg Werbung machen zu dürfen, noch etwas kosten lassen.


Die Veranstalter sind hierbei gleich doppelt Gewinner. Es werden weitere Tickets gekauft und die Ja-Sager gleich mit, denn auf dem scheinbar unerschöpflichen Markt der Schreiber und Knippser werden kritische Stimmen inzwischen auch über Geld aussortiert. Wo die Presse früher hofiert und für ihre Arbeit noch belohnt wurde, hat sich nun eine Friss oder Stirb Mentalität entwickelt. Dieses Spiel nicht mitzuspielen und sich das „Independent“, wie Eingangs erwähnt, zu verdienen, muss man sich leisten können.


Ein gutes und befreiendes Gefühl ist es da einfach sagen zu können: „Ich zahle euch für Promo keinen Cent und die Rosette bekommt ihr auch nicht geleckt“.


Wenn man Leute zum Arbeiten auf Festivals schickt, darf man erwarten zumindest grundlegenden Respekt für die Arbeit dieser Mitarbeiter zu bekommen. Aber so lange die Liste der Ausbeuter ist, so lange ist die Liste der Veranstalter die noch wissen, was diese Arbeit wert ist. Sei es der AAA Pass, Getränke oder Essensmarken oder gleich die Einladung zum Bandbuffet. Hier zählt man noch etwas und es ist bezeichnend für die Kommerzseuche der Szene, dass es gerade die kleinen und leider oftmals unrentablen Festivals sind, die einem mehr bieten als die Geldmaschinen-Volksfeste die sich heute Metalfestivals schimpfen. Festivals wie das Boarstream, das A Chance For Metal Festival, das Metal Franconia, das Ragnarock oder das M.I.S.E. Open Air sind nur ein kleiner Teil der positiven Beispiele wie man sich gegenüber der Presse verhält.


Während sich im Pit der großen Festivals die Leute gegenseitig darum streiten Sklaven der Musik-Industrie zu werden, kann man sich getrost zurücklehnen und sich sicher sein, dass fernab des Zirkus, den die Generation Ballermann unter Metal versteht, noch oft genug Respekt, Musik und Zusammenarbeit auf Augenhöhe existiert.


Neue Akkreditierungsrichtlinien von langjährigen Partnern die auf einmal die Pistole auf die Brust setzen sind hierbei kein Unglück, sondern die Chance, sich wiedermal den eigenen Richtlinien bewusst zu werden und sich neue Festivals zu suchen, die es wert sind einen Bericht zu bekommen. Man spart sich hierbei nicht nur den Affentanz eines Wacken, Summerbreeze, PartySan oder Bang Your Head und Konsorten, man verdient sich Selbstrespekt und wirklich unabhängige Berichterstattung.


So ist der Metal den wir haben wollen und so wollen wir Arbeiten – Unabhängig, ehrlich und vor allem dort, wo die Musik noch zählt.


Gelesen 2054 mal Letzte Änderung am Freitag, 17 Juli 2015 22:18