Donnerstag, 02 Januar 2020 16:09

07.12.2019 - Unholy Passion Fest IV - Gebäude 9 Köln +++ Ultha + Endstille + Gold +++

geschrieben von Cosmic Dancer
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Unholy Passion Fest IV Unholy Passion Fest IV Gebäude 9, Köln

Anlässlich ihres fünfjährigen Bandbestehens veranstalteten Ultha am vergangenen Wochenende erneut das Unholy Passion Fest im Gebäude 9 in Köln. Dieses Jahr waren neben Ultha zusätzlich Naxen, Turia, Gold und Endstille mit dabei. Bereits viele Wochen vor der Veranstaltung war diese bereits ausverkauft und die Besucher quetschten sich in die doch sehr überschaubare Halle, um nicht der Kälte ausgeliefert zu sein.

Während der Großteil des UG-Teams auf der Wintermelodei in Münster vertreten war, läuteten die ebenfalls aus Münster stammenden Naxen das Unholy Passion Fest 2019 ein. Die Band präsentierte ihre bisher einzige EP "To Abide in Ancient Abysses" (2018) und steht die bei Vendetta Records unter Vertrag. Man sorgte mit kompromisslosem Black Metal für einen gelungenen Auftakt und überzeugte das Publikum bereits mit den ersten Akkorden. Ein Publikum, welches sich von dem „normalen“ Black Metal Publikum doch –und das nicht negativ– differenzierte: Keine Grauzonen-Patches, keine unangenehm Betrunkenen, kein Möchtegern-Rumgekulte oder anderes von der Musik ablenkendes Verhalten. Nur ein paar Gäste brachen aus dieser Norm aus – doch dazu später mehr.

Folgend bestiegen die Musiker von Turia die Bühne und bestätigten erneut, dass es sich bei den Amsterdamern um einen wahren Geheimtipp handelt. Obwohl die Band um Sängerin „T“ für Black Metal-Verhältnisse noch sehr jung ist, ist diese um einiges authentischer als die ein oder andere alt eingesessene Szene-Größe, die noch folgen sollte. Mit einem Haufen an Kerzen und Weihrauch wurde mit wenigen Mitteln für maximale Atmosphäre gesorgt und die monotone, depressive Grundstimmung der Musik unterstrichen. Selten beeindruckt eine Band mit derartig beschränktem Instrumentarium und hält ellenlange Lieder mit nur einer Gitarre, monotonem Gesang sowie Schlagzeug und gelegentlichen Keyboard- und Synthesizer-Einspielern abwechslungsreich und fesselnd. Wer Turia noch nicht kennt und auf DSBM abfährt, der sollte definitiv ein Ohr riskieren.

Unkonventionalität und Extravaganz sind Eigenschaften, die im Black Metal großgeschrieben werden und somit den Grundstein legen, sich ohne Limits kreativ und künstlerisch ausdrücken zu können. Obwohl die folgenden GOLD aus Rotterdam ihre Musik mehr dem avantgardistischen Dark Rock zuordnen, lassen sich Einflüsse des Black Metals erkennen, weswegen eine solche Band perfekt ins Billing passte. Grandiose Ideen, gepaart mit einer überaus düsteren und trippigen Grundstimmung, zogen die Zuschauer in den Bann. Auch wenn es für einige etwas dauerte sich an den „neuen“ Input zu gewöhnen, zeigten sich die Zuschauer nach den ersten Liedern begeistert. Auch die nervigen Einrufe der Klischee-Fans einer gewissen Band, störten nicht ausschlaggebend.

Endstille hatten bereits im Vorhinein der Veranstaltung für Aufsehen gesorgt, indem sie via Facebook den Aufruf gestartet hatten, man möge ihnen doch bitte Schweineblut mitbringen, da es ihnen ausgegangen sei. Dies sollte auch mit einem T-Shirt und einem „exklusiven Andenken der Band“ entlohnt werden. Was genau daraus geworden ist, ist unklar. Eine solche Aktion wirkt zwar unprofessionell, aber dennoch unterhaltsam. Von einer seit 2000 aktiven Band, die auch einen gewissen Bekanntheitsgrad und Kultstatus innehat, erwartet man eigentlich ein solides Programm und keine Enttäuschung. Leider sollte es jedoch letzteres werden: Rein musikalisch lieferten die Männer um ex-Nagelfar-Sänger Zingultus zwar ab, dennoch kam es zu keinem schönen Auftritt. Dabei lag es mehr an den durch Alkohol benebelten Ansagen des Sängers als an der Musik. Alles war mehr als albern und wurde am zuletzt durch das Anstimmen eines kölschen Karnevalsliedes getoppt. Endstille enttäuschten an diesem Abend auf ganzer Linie und können sich in Sachen Authentizität durchaus was von den vorangegangenen Bands abschauen. Wenn die lokale Porn-Grind-Band derartige Ansagen macht, mag es angebracht sein, aber in einem solchen Kontext verlor die Band deutlich ihre Seriosität. Aber vielleicht sieht unser Team das auch etwas zu kritisch und es war genau das, was Endstille-Fans sehen wollen – berichtigt uns gerne, wenn wir falsch liegen und derartige Ansagen zum Image der Band gehören.

Natürlich ist es absolut richtig, Statements gegen rechte Strömungen, insbesondere im Black Metal, zu setzen. Der ersehnte Headliner und Veranstalter Ultha zeigte daraufhin, wie man das auch sympathisch verpacken kann, ohne sich wie eine pubertierende Punk-Band zu präsentieren. Mit einer vorausgehenden Dankesrede und einer Erklärung, dass das folgende Set in zwei Teile aufgespalten sein wird, begannen Ultha ihr fünfjähriges Bestehen in der randvollen Halle zu zelebrieren. Das Set bestand neben den bekannten Erfolgen der Band aus einem Bathory-Cover, welches Anfang Dezember auf einer Split mit Morast erschienen ist. Jenes Lied wurde passenderweise zusammen mit dem Sänger Morasts aufgeführt. Alles in allem lassen sich über Ultha keine negativen Worte verlieren und die Band sorgte für einen erstklassigen Auftritt in ihrer Heimatstadt.

Obwohl jede Gruppe mindestens eine Stunde gespielt hatte, ging die Zeit schneller vorbei als erwartet und bis auf die genannten Unannehmlichkeiten wurde den Zuschauern ein mehr als grandioses Programm geboten. Wenn man bedenkt, dass ein Ticket nur knapp 23€ kostete, gibt es wohl kaum ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis für einen Samstagabend. Hoffentlich bleibt es um Ultha nicht zu lange still und man darf mit einer weiteren Wiederholung des Unholy Passion Fests rechnen. Wir halten euch auf dem Laufenden!

 

Weitere Informationen

  • Band(s): Ultha, Endstille, Gold, Turia, Naxen
  • Wann: 07.12.2020
  • Wo: Gebäude 9, Köln
Gelesen 1618 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 02:40

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