Sonntag, 03 Februar 2019 21:51

Zeugen Der Leere - Erinnerungen An Theia

geschrieben von Ghostwriter
Artikel bewerten
(2 Stimmen)

Zeugen der Leere (ehemals Ruin Of Remembrance) ist ein Ein-Drei-Viele-Wenig-Mann Projekt aus Braubach nahe Koblenz, das in regelmäßigen Abständen von sich hören lässt, aber Aufgrund der speziellen Konstellation noch nie live aufgetreten ist. ZDL begnügen sich damit, EP um EP herauszuschieben (Zuletzt das grandiose Werk „Elegie“) und treten jetzt mit einem neuen Album, namentlich „Erinnerungen An Theia“, hervor.

Das Album ist nach Aussage der Band zum größten Teil "schlummerndes Material aus 2011 und 2012, das zugunsten der aktuellen EP's zurückgestellt wurde. Dazu Holger Ekopan im Gespräch: "Das erste Kapitel in der Entstehung von "Erinnerungen an Theia" wurde im Winter 2011/2012 geschrieben. Wärend dieser Zeit entflossen die Songs in ihrer Urform Max' Feder und wurden von mir an Gitarre und Bass eingespielt, wobei ich hier und da meine eigenen Noten, oder auch mal ganze Parts, mit eingebracht habe. Dann begann für die Songs ein länger anhaltender Schlaf, zugunsten anderen Materials. Wir begannen Anfang 2012 mit dem, was später zu "Seelenwanderer" wurde, und ab Mitte 2014 widmeten wir uns jenen Songs, die auf einer Split mit Winterblood veröffentlicht werden sollten - was seit Kurzem als "Elegie"-EP bekannt ist. Dann, 2016/2017, rückten wir "Erinnerungen an Theia" wieder in den Vordergrund. Seit dieser Zeit wurden die letzten Schliffe am Songwriting vorgenommen, ein Schlagzeuger gesucht, die Texte geschrieben und eingesungen, und der Produktionsprozess schließlich anfang 2019 fertiggestellt. Die Zeiträume klingen so, als hätten wir unfassbar viel daran gearbeitet, tatsächlich waren wir aber einfach nur sehr busy, und es gab oft viele viele Monate Leerlauf..."

Ähnlich lange dürfte es dauern Zugang zum Material zu erhalten - denn auch nach dem vierten, fünften und zehnten Mal hören macht es mir Holger bzw. Zeugen Der Leere als Rezensenten nicht einfacher die richtigen Worte zu finden. Wenn ich einen Vergleich versuchen müsste, würde ich hier „Firtan Meets Agrypnie Meets Hyems“ anbringen und wem diese Bands ein Begriff sind, dürfte die Sinnlosigkeit des Unterfangens sofort erkennen. So viel sei gesagt, ZDL zieht alle Atmospheric-BM Register. Im Track „Flammentraum“ wird beispielsweise gedoublebasst, gescreamt und gegrowlt, es werden Gitarrenwände eingezogen und monotones Riffing in Schleife geladen – Und dann wiederum werden Traumwelten mit Synthie-Einsatz und allerlei Soundeffekten geschaffen, die sehr melodisch und getragen daherkommen. Das (oft im Wechsel mit schnellsten Passagen) melancholische Gitarrenspiel, wird im Song und vor allem im letzten Part mit allerlei Virtual-Studio-Elementen wie Orgeln, Streichern, Drehleiern, Flöten etc. angereichert.

Dieses durchgehende Konzept wird anhand des vierten Songs „Fluten“ sehr deutlich und in diesem Track tritt dann auch eine Schwäche des Albums zutage: zur Mitte hin passiert „zu viel des Guten“ gleichzeitig und obendrein wirken die Drums mit den Gitarren dadurch manchmal „out of sync“, was zusammen mit der ausfadenden Hintergrundbeschallung zu disharmonisch und überhastet/überladen klingt. Aber auch hier fängt sich der Song schnell wieder und konzentriert sich auf die beschriebenen Stärken von ZDL. Im Outro des Songs bekommt man noch Klavier und passgenaue Echo-Stimmeffekte präsentiert, was den Nebel, der sich durch den imaginären Wald und Sumpf zieht, fast greifbar macht und wunderschöne selbstzerstörerische Bilder in den Kopf malt.

Grundsätzlich sei gesagt, dass „Erinnerungen an Theia“ ein Werk ist, das Aufmerksamkeit erfordert, wenn man nicht alle Nuancen verpassen mag. Allein die Tatsache, dass sich kein Track finden lässt, der kürzer als 12 Minuten ist, unterstreicht diesen Anspruch. Das Spiel mit schnellen Wechseln zwischen Passagen aus hartem Geknüppel und träumerischen Abschnitten machen die einzelnen Tracks zu fast perfekten Diamanten mit kleinen Makeln - und ich könnte an dieser Stelle nichts weiter tun, als eine Hörempfehlung auszusprechen. Für Fans der oben genannten Bands und der früheren Werke von Zeugen Der Leere ein absolutes Muss und würdiger Nachfolger.

Tracklist:

01 Äther
02 Flammentraum
03 Erdenreich
04 Fluten

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Zeugen Der Leere
  • Album Titel: Erinnerungen An Theia
  • Erscheinungsdatum: 10.02.2019
  • Fazit: Zeugen Der Leere erschaffen mit „Erinnerungen An Theia“ vier überschwere Klangwelten, die Fans von atmosphärischem Black-Metal ein Geschenk sein dürften.
Gelesen 1003 mal Letzte Änderung am Montag, 04 Februar 2019 11:15

Medien


 Undergrounded 2017 -  ImpressumDatenschutzerklärung