Mittwoch, 20 April 2016 23:13

Steorrah - II: Thin White Paint

geschrieben von Inlé
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II: The Thin White Paint II: The Thin White Paint Steorrah

Steorrah kommen aus Bonn bzw. Siegen und veröffentlichten 2015 das Album II: Thin White Paint, welches grob einer progressiveren/jazzigeren Death Metal Ausrichtung frönt – zum Vergleich würde sich eine gewisse nordische Band anbieten, würde aber dem Album des Quartetts nicht annähernd gerecht werden.

Eins ist schon mal sicher, Musik zum Nebenbei hören, das gilt auf keinen Fall für das Zweitlingswerk von Steorrah, zu avantgardistisch und unvorhersehbar beschreibt sich das Bildnis. Sehr variationsverliebt, mit einem Hang zum Außergewöhnlichen, allerdings ohne Gefahr, dass man den roten Faden verlieren könnte. Dies ist jedenfalls ein äußerst charmanter Zug, während man sich die Songs immer und immer wieder zu Gemüte führt. Abwechselungsreicher Gesang, der zwischen tiefem Growling und cleanen Gesangslinien hin und her schwingt und die Gitarren, welche eine Richtung vorgeben, nur um dann in eine entgegengesetzte Richtung abgeholt zu werden – was auf keinen Fall in einem Blindflug endet – wie in „The Milk Of Human Kindness“. Während Double-Bass Attacken, leichte Blast Salven oder groovigere Patterns immer und punktuell passend eingesetzt werden, wird glücklicherweise im weiteren instrumentalen Verlauf darauf geachtet, dass die Luft zum Atmen gewährleistet wird. So können die Geschichten auf mehreren Ebenen erzählt werden, wobei die Stimmung durch die Gitarrenarbeit von Andreas Maerz und Nicolao Dos Santos noch verdeutlicht wird, so bei „Runt Of The Litter“.

 

Nach dem akustischen und durchaus recht ruhigen „I Think I Saw the Black Dog“ geht es mit „Winchester Geese“ wieder in die Bahnen, die einen immer wieder aufhorchen lassen. Ein kleines elektronisches Einsprengsel zu Beginn des Songs, nur um dann mit voller Wucht loszuschlagen. Generell sprechen Dynamik und Variation der überlangen Songs auf voller Albumlänge eine eigene Sprache und sind eine Bereicherung für die musikalische Horizonterweiterung. Die Länge der Aufmerksamkeitsspanne wird ebenso durch die angenehm warme und transparente Produktion von Dan Swanö erhöht. Kleine Ecken und Kanten um das Klangbild runden das Gesamtbild positiv ab. Auch hier wird nicht an der Loudnessschraube bis ins i-Tüpfelchen gedreht, alle Instrumente bekommen ausreichend Aufmerksamkeit für eine saubere und freie Entfaltung, was besonders in den ruhigeren Momenten detailreich zu vernehmen ist.

 

Ein sehr ambitioniertes und kurzweiliges Album, welches sich nicht vor großen Namen verstecken muss, aber dem Hörer auch einiges abverlangt und erforscht werden will. Sehr abwechslungsreich, vor allem durch den wechselnden Clean- und Growlgesang und die Fülle an Melodien. Unterstrichen durch eine warme, lebendige Produktion, entfaltet sich "II: Thin White Paint" zu einem ausgereiften Album, das an Detailverliebtheit kaum zu übertreffen ist.

 

Tracklist:

01. Intro

02. The Milk of Human Kindness

03. Tea Leaves for Eosphoros

04. Runt of the Litter

05. I Think I Saw the Black Dog

06. Winchester Geese

07. The Twelve Nights of 1984

08. Meta’s Attic

09. Misericordia (The Great Gig in Disguise)

10. I Think I saw The Black Dog (Electronic Disguise)

 

Bewertung:

9 von 10

Weitere Informationen

  • Band: Steorrah
  • Album Titel: II: The Thin White Paint
  • Erscheinungsdatum: 13.03.2015
  • Fazit: Ein sehr ambitioniertes und kurzweiliges Album, welches sich nicht vor großen Namen verstecken muss, aber dem Hörer auch einiges abverlangt und erforscht werden will.
Gelesen 2139 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 20 April 2016 23:23

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