Samstag, 06 April 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - ZNAFELRIFF (BLACK METAL)

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Es gibt ja Bands, die tatsächlich vollkommen beabsichtigt in hadalen Untiefen weit, weit unter jedwedem Radar tauchen, so tief, dass nur wenige Eingeweihte überhaupt von ihnen gehört haben. Gerade solche Geheimtipps sind es aber oft, die eines besonderen Blickes eigentlich würdig sind, aber genauso oft unverdient übersehen werden. Der deutsche Satanszirkel mit dem urigen Namen Znafelriff, um den es diesmal gehen soll, existiert nun bereits seit 14 Jahren und dennoch haben die vier Mitglieder Stand 2019 erst eine Demo, zwei EPs und eine Einzel-Single herausgebracht. 

Znafelriff haben sich in ihren wenigen Lebenszeichen (seit 2015 gibt es leider auch nebst einer einzelnen Single namens "Im Holze" nur einen Hint auf eine neue EP auf Youtube) ganz schön in den Gehörgang so mancher Black Metal-Anhänger gekotzt. Vokalist Berbeth, Gitarrist Hesiat (laut eigenen Angaben nicht einfach bloßer Gitarrist, nein… sondern 666-String-Gitarrist!), Aarznel (Keyboard) und Borgas („Drums of Doom“-Schlagwerker, welch epischer Titel) verstehen ihr Fach, als hätten sie ihr Leben lang in Hunderten anderer Bands gespielt und in unzähligen Projekten mitgewirkt. In Wirklichkeit ist dem anscheinend nicht so. Spricht für die Mannschaft. 

Die Diskographie der weitgehend unbekannten Black Metal-Boys mutet wie ihre Musik sehr trist und einsam an: Nach einer norwegisch-sprachigen Demo-Aufnahme von 2002, die kaum nennenswerte Wellen schlug, war beinahe zehn Jahre lang Pause und man durfte an einem Weiterbestehen der Band zweifeln, die sich auf die Fahne schreibt, Black Metal zu parodieren, das aber ganz unzweifelhaft mit nicht wenig Spaß und Expertise macht. Hey, die Jungs haben sogar eine Zeit lang behauptet, dass sie vom Spitzbergen-Archipel am Nordpolarkreis stammen, und da es beinahe unüberprüfbar ist, ob da was dran ist, haben so einige Webzines ihnen Glauben geschenkt, auch wenn es dort außer Eisbären, Permafrost, Touri-Shit und einiger Forschungseinrichtungen nicht viel Leben gibt. Bergen/Hordaland ist ja auch uncool, wenn es noch nördlichere, fast schon lebensfeindliche, karge Gebiete Norwegens gibt. Tatsächlich mutet aber ihre wahre Heimat Berlin nicht ganz so arktisch an.

Letzte Besetzung

Berbeth - Vocals

Hesiat - Guitars

Borgas - Drums

Aarznel - Keyboards

Diskographie

 2002 Skruvmejseln Utsiktstornet (Demo)

2012 The Desolate Years (EP)

2015 RUIN (EP)

2015 Im Holze (Single)

Review zu "RUIN"

Nach der 2012er EP "The Desolate Years" (diesmal komplett auf Englisch gehalten) legte die Band ihre nächste EP "RUIN" vor: 21 Minuten Länge, fünf Tracks, diesmal ganz auf Deutsch verfasst. Solch eine Sprachenvielfalt geziemt dem braven Schwarzmetaller eher seltener, steht man doch plötzlich als ein Kosmopolit da, wo man eigentlich das Image des suizidalen und depressiven Charakters aufrecht erhalten will. Aber blenden wir mal den Hintergrund der Musiker von Znafelriff aus, so bleibt ein Machwerk tiefen Hasses und gemeiner Blutrünstigkeit übrig, wie es kaum ein weiteres gibt. Die Frage bei solchen VÖs aus der subversiven Minderheiten-Kultur muss aber auch sein, welches Opus nun bemerkenswert ist, und um welche man getrost einen Bogen machen darf. „RUIN“ beginnt beinahe am Hörnerv sägend mit dem Song "Heisere Stille", der gleich ein vehement-hohes Tempo vorgibt. Blastbeats, die ein gehöriges Schleudertrauma schenken, als ob man es ersehnt hätte, gelegentlich durchbrochen von einem Aussetzen der Instrumentierung, die dann wieder durch einen gekrächzten "Stille"-Ruf durchbrochen werden – diese Hochgeschwindigkeitsplackerei behält auch der folgende der Titelsong bei und schöpft aus den Vollen, immer wieder gefüttert von Versuchen, eine Melodie in die Rasanz des Gitarrenwalls einzustreuen. "Abgrund" stellt nach gut acht Minuten ein stockfinsteres Effekt-Instrumental-Interludium dar, das dem Hochdruck des Anfangs seine Stringenz etwas nimmt und wie eine Atempause inmitten des Kurzwerks daherkommt, bevor dann die zweite EP-Hälfte wieder die Luft im Halse abschneidet. Letztes Stück des Werks, "Eismeer aus Angst", prägnant und fast schon schwarzromantisch betitelt, lässt am Ende etwas an Fahrt nach, aber beendet dennoch abrupt das schnörkellose Einschlag-Kindchen „RUIN“ auch genauso schnell wieder, wie es begonnen hatte.

Das weite Feld des Schwarzmetalls hat seine Momente. Manche davon sind dadurch definiert, zum harten Kern zu gehören, ohne Umschweife das Finsterste aus dem ohnehin schon Lichtlosen herauszukehren, zu destillieren und auf einen Tonträger zu pressen. Znafelriff tun hier genau dies, schaffen es gar die Black Metal Brutality stellenweise ihren Hörern auf höchstem Niveau einzuprügeln und erinnern Sekundenbruchteile lang gerne mal an Größen wie Taake, Behexen oder Urgehal. Um noch ein wenig mehr das Interesse an der eigenen Musik zu schüren, titulieren die Herrschaften ihren vermeintlich eigenwilligen Bastard aus Black und Dark Metal einfach mal mit dem Genre-Unwort „Anthrazitmetal“. Aber jetzt mal Klartext: Die Band steht für reinen, grauenvoll-erbitterten Klang in ihrer Musik. Raw Black Metal in Reinform. Um ihrer EP den letzten Schliff zu verpassen, wurde die Scheibe ja auch von Satan höchstpersönlich gesegnet – das sagt zumindest Berbeth in einem Interview. Ob man auch bei Aussagen, während der 3-wöchigen Aufnahmen im frostbitten winter in ihrer Heimatstadt habe es (Zitat!) „vielleicht auch ein paar Tierabschlachtungen und Sex gegeben“, dem ganzen Projekt eine zarte Ironienote beimessen möchte, sei mal dahingestellt - weiter berichtet er noch: „(…) aber ich erinnere mich ohnehin nicht mehr an so viel, da ich die meiste Zeit high war". Das wahrscheinlich auch für das Bandprojekt eigens erdachte Label wird übrigens mit Necrokotze angegeben. Jedenfalls hat das Label nicht viele andere Bands im Kader. KEINE anderen.

Die EP kratzt ordentlich am Gehörgang und besticht durch seine durchweg kraftvoll gespielte Konsequenz. Das Tape ist düster, unglücklich, ungemütlich. Wobei man angesichts solcher Kurzaufnahmen, die ein gutes Bild abgeben, sich auch immer wieder ertappt, noch lieber einen Longplayer in Händen zu halten – denn genau so schnell, wie die fünf Stücke durchbrettern, so schnell vergeht "RUIN" auch wieder. Dass augenscheinlich kein ausgedehntes Riesen-Opus bei den Aufnahmen rumgekommen ist, ist ja eine Sache, aber es wirkt auch etwas so, als hätte das Instrumente-Killen im Vordergrund gestanden.

Tracklist:

1. Heisere Stille

2. Ruin

3. Abgrund

4. Graues Land

5. Eismeer aus Angst

Weitere Informationen

Gelesen 1498 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:53
Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.

Medien

Heisere Stille Znafelriff / RUIN EP / Necrokotze

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