Samstag, 26 März 2016 04:47

26.03.2016 - Unaussprechliche Culthe Festival No. IV, Sputnikhalle Münster + Rotting Christ + Glorior Belli + Hemelbestormer + Ketzer + Outre +++

geschrieben von Lars
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Unaussprechliche Culthe Festival No. IV Unaussprechliche Culthe Festival No. IV https://www.facebook.com/unaussprechlichekulte/

Am Samstag, den 26.03.2016 ging das Unaussprechliche Culthe Festival bereits in die vierte Runde. Zwölf Bands aus ganz Europa lockten Fans aller Spielarten des Black Metals in die Münsteraner Sputnikhalle.

An einem sonnigen Ostersamstag gegen 16:30 Uhr trudelte ich in den Sputnikhallen am Rande Münsters ein, wo ich gerade noch das allerletzte Riff Turias mitbekam. Den Gitarristen und Co-Sänger, sowie den Drummer sollte ich aber später in anderer Formation mit Lubbert Das noch bewundern können. Meine Freunde, die ich dort traf, meinten allerdings, ich hätte schon eine Perle des Nachmittags verpasst. Schade drum!
 

Das Festival hatte zwei Bühnen zu bieten, eine kleine Stage im Café Sputnik, sowie eine weitaus geräumigere in der Sputnikhalle selbst. Dazu luden Tische und Bänke, Sofaecken, sowie ein Merchstand im Außenbereich zum Verweilen, Quatschen und Rauchen ein. Im Café konnten neben Bier, Spirituosen, Kaffee, Tee und Softdrinks auch verschieden belegte Pizzastücke, teilweise in Bio-Qualität, erworben werden und im Innenbereich der Halle hatten die Bands ihre Verkaufsbereiche.


SlaegtLubbert DasCtulu


So ging es also rüber zur großen Bühne, wo sich Slaegt anschickten den ersten treuen Black Metal Vertreter des Tages zu stellen. Optisch war das junge Quartett mit abgerockten Klamotten und viel Blut im Gesicht schonmal auf dem richtigen Weg. Musikalisch konnten sie das gewünschte Niveau leider nicht ganz erfüllen. Wer hier Black Metal der norwegischen oder schwedischen Art erwartete, wurde mit viel Thrash und rauf-runter Melodien abgespeist. Die ambitionierten Motivationsversuche des schlaksigen Sängers verfielen oft ins Leere. Die Spielfreude war aber allen und vor allem dem Drummer, dessen gelockte Haare auf und ab wedelten, deutlich anzumerken.
 

Im Café liefen derweil schon die Vorbereitungen von Lubbert Das, die gerade den Sound checkten um nahtlos an den Auftritt von Slaegt anzuknüpfen. Bereits nach den ersten Riffs des Trios aus den benachbarten Niederlanden merkte man eine heftige Spannung auf der Bühne, die der Sänger mit zwischenzeitlichen Schreien ins Publikum brachte. Fette Gitarrenriffs, schnelle Drums und ein nicht allzu prägnanter Bass sorgten für taktvolles Kopfnicken, was bei den häufigen Rythmuswechseln mal mehr, mal weniger dem Takt folgte. Leicht sludgig angehauchter Black Metal, der meinem momentanen Gusto entspricht. Mit gegen den Amp gedrücktem Bass und den Drumsticks zum inverted Cross in der Hand geformt, beendeten Lubbert Das ihren hervorragenden Gig.
 

In der Halle waren Ctulu noch mit dem Aufbau des Bühnenbildes beschäftigt. Feuerschalen, in weiße Laken gebundene Puppen mit Schildern auf denen „Recieved this E.O.D.“ und „Betrayer“ geschrieben stand und stählerne C-Logos zwischen den Monitorboxen. In Ornat aus Herrenrock, Stiefel mit „Cthulhu“ drauf, Jacken und Kapuze gekleidet sowie weißen Rohrschach-Masken betraten die vier Musiker die Bühne und nach einem kurzen Ritual ließen es die Extreme Metaller krachen. Teilweise an Necros Christos erinnernd, enttäuschte der Sound leider durch platte, aber dennoch zu prägnante Bassdrums, zu vergleichen mit einem Schlag auf ein Blatt Papier. Mit der Zeit wurden auch die immer gleichen Riffs recht langweilig, dennoch lieferten Ctulu bis zum Schluss und zum Leidwesen meiner selbst und des halben Publikums noch ein paar Minuten darüber hinaus.


Antlers


Während Ctulu noch weiter zockten, dekorierten Antlers die Bühne mit einem Kuhschädel, Weihrauchschalen und jeder Menge Geweihstangen, die der Band den Namen geben. Der Soundcheck fiel etwas länger aus, was sich aber während des Gigs als Glücksfall herausstellte. Das Café füllte sich schnell und als die Deutsch-Griechische Formation die Bühne betrat und tiefer Gitarrensound die Luft zum vibrieren brachte, sprang der Funke sofort auf das Publikum über. Kopfnickend, teilweise Headbangend kommentierte es die zum größten Teil vom 2015er Album „A Gaze into the Abyss“ entnommenen Songs. Insgesamt fiel der Sound im kleineren Café besser und satter aus, als in der Halle. Antlers lieferten einen sauberen, schwarzmetallischen Gig ohne Corpsepaint, Patronengürtel und andere szenetypische Gimmicks und ließen ihre Musik für sich selbst sprechen. Ich sehe sie mir gerne wieder an.
 

Fast nahtlos knüpften Outre in der Halle an, sodass kaum eine Verschnaufpause bis zum Ende in Sicht war. Mit bleichen Gesichtern und blutverschmiert begeisterte die polnische Formation mit schnellem, energiegeladenen Black Metal mit schwedischen Einflüssen. Der extrovertierte Sänger Stawrogin begeisterte mit eindrucksvollem Nackentango zwischen seinen Gesangsparts, was das Publikum auch dankbar aufnahm. Das 2015er Album „Ghost Chants“ spielten die Polen nahezu komplett durch, erweitert durch Songs ihrer ersten EP „Tranquility“. Ich freue mich darauf, die Jungs auf der Satans Convention 2017 in Speyer nochmal genauer unter die Lupe nehmen zu können.


           Antlers                Outre               Ketzer


Noch auf dem Weg ins Café, hörte ich schon die ersten Parts von BlackShore. Irrte ich mich oder hab ich da richtig den Sound von Motörheads „Killed by Death“ gehört? Kein Scheiß! Die Nordlichter performten zu Ehren des verstorbenen Lemmy Kilmister tatsächlich deren Klassiker. Hörte sich nicht so wirklich gut an, aber einem Teil des angetrunkenen Publikums gefiel es wohl. Daraufhin ging es mit ihrem gewohnten Sound mit „Kaiserschnitt Replikant“, „Stalinorgel Terrorblast“, „Are you ready for some real german Anger?“ und weiteren Songs Blackthrashig weiter. Nicht jedem gefiel wohl der raue Black Sound und so fand ich mich auch irgendwann draußen im Hof Zigarette rauchend in guten Gesprächen mit anderen Musikern und Freunden.
 

Nach der unerwarteten Pause ging es mit Ketzer weiter, die wohl in den letzten Jahren an Biss verloren haben. Im Allgemeinen hatte ich den Eindruck, dass sie mittlerweile ernster genommen werden wollen und auch deren Musik in eine andere Richtung lenken wollen. Waren Ketzer mal bekannt für blasphemischen Black Metal mit rauem Sound, haben sie sich mittlerweile weich gespült. Etwas doomiger und progressiver kamen sie nun rüber als z.B noch beim DeathCult Festival. Diese Änderung machte sich nicht zuletzt unter anderem in der Änderung ihres Schriftzuges auf der letzten Platte bemerkbar. Nunja, jedenfalls hatte ich doch wieder Zeit für ein Bierchen.
 

Mit Hemelbestormer aus Belgien ging das Unaussprechliche Culthe nun in seine Endphase über. Wie die meisten Bands des Tages, hatte ich von dem Quartett noch nichts gehört und ließ mich schnell von dem druckvollen, doomigen Sound mitnehmen. Ganz ohne Gesang auskommend begeisterten Hemelbestormer mit abwechslungsreichen Rhythmen und einem sauberen, deftigen Sound. Ich ärgere mich gerade, dass ich keinen Tonträger eingepackt habe…


                                  Rotting Christ                                               Rotting Christ


Der Co-Headliner Rotting Christ stand schon zur Stelle um die Menge, also die leider nur halbvolle Sputnikhalle in Rage zu versetzen. Mit Songs wie „Xibalba“, „Gilgamesch“ von der „Κατά τον δαίμονα εαυτού“, „Elthe Kyrie“ und einigen anderen Songs des aktuellen Albums „Rituals“ und einigen Klassikern begeisterten die vier Urgesteine des östlichen Black Metals ihre Fans. Die mittlerweile über eine Dekade andauernde Bandgeschichte spricht halt für sich selbst. Ich persönlich habe ihren stampfenden Sound ob der schlecht abgemischten Instrumente sehr genossen.
 

Zuletzt machten Glorior Belli, die ich mal auf dem Kings of Black Metal in Alsfeld im frühen Nachmittagsprogramm erleben durfte, dem Unaussprechliche Culthe ein Ende, das sich gewaschen hatte. Ganz im Dunkeln rotzten die Franzosen um den kleinen Sänger Billy Bayou feinsten Black Metal in die Fresse des noch gebliebenen Publikums. Hauptsächlich spielten das Quintett Songs des aktuellen Albums „Sundown (The Flock hat Welcomes)“, aber auch ältere Sachen. Aufgrund eines längeren Heimwegs und einer Überziehungszeit von fast einer Stunde, beschloss ich allerdings, mich alsbald auf den Rückweg zu begeben. Schließlich hatte ich noch Fotos auszuwerten und meine Eindrücke sacken zu lassen.


Glorior Belli


Alles in allem war das Unaussprechliche Culthe ein super Festival, welches Newcomer und alte Hasen des schwarzmetallischen Genres zusammen brachte. Mal mehr Sludge, dann mehr Doom und dann wieder absolut Trve! Bei einem Eintrittspreis von 33€ selbst an der Abendkasse und 29€ im Vorverkauf kann wohl niemand meckern. Rotting Christ hatten einen besseren Auftritt, als im Helvete in Oberhausen Ende letztes Jahr und auch der Rest der Bandauswahl war überragend, hatten doch Newcomer, wie alte Hasen dieselbe Stage gerockt. Ich komme gerne wieder nach Münster!

 

Location: Sputnikhallen Münster, Am Hawerkamp 31, 48155 Münster

Eintritt: 29€ VVK / 33€ AK

Weitere Informationen

  • Band(s): Rotting Christ, Glorior Belli, Hemelbestormer, Ketzer, Outre, Ctulu +++
  • Wann: 26.03.2016
  • Wo: Sputnikhalle Münster
Gelesen 6176 mal Letzte Änderung am Samstag, 02 April 2016 06:07

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