Montag, 10 Juni 2019 15:00

30.05.-02.06.2019 - Dark Troll Festival 2019 (10. Jubiläum) - Schweinsburg, Bornstedt - Tag 2

geschrieben von Crimson & Haimaxia
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Dark Troll Festival 2019 Dark Troll Festival 2019

Die Sonne stand auch am zweiten Festivaltag der diesjährigen Ausgabe des Dark Troll früh am Himmel und die Temperaturen stiegen zügig auf weit über 25°C. Nach einem ausgiebigen (Bier-)Frühstück und dem Besuch bei den freundlichen und gut organisierten Helfern der Campingplätze ging es gegen 14 Uhr auf der Burg mit dem Programm weiter.

Pünktlich zur ersten Band des Tages zu erscheinen hatte sich extrem gelohnt – Isgalder konnten die Messlatte für den Rest des Tages nämlich sehr hoch hängen! Als Freund der Band Dauþuz kennt man Syderyth bzw. hier unter dem Namen Grimwald und den starken Natur- und Heimatbezug seiner Projekte. Genau dies spürte man  auch live – harscher Black Metal mit einem Hauch paganen Naturells, jedoch hier deutlich ruhiger als bei seinen anderen Bands. Auf der Bühne überraschen die klaren Gesänge, oft untermalt von Keyboardpassagen, welche den perfekten Mix aus dem unerbittlichen Black Metal und atmosphärischer Einkehr bilden. Jeder Song, vor allem aber “Funeral Fire” im Nachgang, passte perfekt in die Location und der Auftritt der Thüringer aus dem Hause Naturmacht Productions (u.a. Askvald, Havukruunu) ließ schon früh deutlich werden, dass auch dieser Tag aus musikalischer Sicht ganz groß würde.

Mit den polnischen Avantgardisten Mord’a’Stigmata und den Niederländern :Nodfyr: folgten zwei weitere hochinteressante Gruppen im diesjährigen Billing: Während Erstere sich mit ihrem 2017er Album “Hope” und dem erst diesen April erschienenen “Dreams of Quiet Places” zu einem Geheimtipp in Sachen anspruchsvollen Post Black Metals etablieren konnten, konnte das eigentlich noch etwas unbekanntere Trio :Nodfyr: mit ihrem Pagan Metal bei den Burggästen punkten. Bislang nur mit ihrer Debüt-EP “In een andere tijd”, aber offensichtlich vielen weiteren Songs im Gepäck unterwegs präsentierten sich die Ván Records-Emporkömmlinge nicht nur überaus solide, sondern ließen so einige Hörer nach ihrem Gig zum Merchstand pilgern.

Die Nordiren Waylander gehören mit ihrem vom Keltischen beeinflussten Folk Metal eigentlich schon zum alten Eisen, existiert die Combo immerhin schon seit 1993 - vom damaligen Ensemble ist aber lediglich Frontmann Ciaran O'Hagan noch übrig. Mit der neuen Platte “Ériú’s Wheel” startete das Sextett aber kompromisslos durch und schenkte seinem Publikum auch gleich mehrere Döschen blauer Gesichtsfarbe, um um sich die typische piktische Kriegsbemalung zu verpassen. Und was soll man anderes zum Auftritt sagen, als dass praktisch jeder Song der Band “catchy” ist und ihre Zuhörer live mit Leichtigkeit mitreißen konnte?

Von uns lang erwartet wurde ebenfalls der Auftritt von Waldgeflüster. Das ehemalige Ein-Mann Projekt um Jan Winterherz ist schon lang über den Untergrund hinaus bekannt und hat durch ihr aktuelles Album “Mondscheinsonaten” jüngst einmal mehr seine Einzigartigkeit bewiesen. Das herausragende Highlight der Dark Troll-Show war eindeutig das Stück “Der Traumschänder”, welcher auf der 2016er Split mit Panopticon releast wurde. Leider finden bei Songlängen von ~10 Minuten oder länger nur wenige Lieder ihren Weg in die Setlist einer Festivalshow, weswegen man sich bei den Bayern bei jeder Titelankündigung dabei ertappt, ein Tränchen zu verdrücken, weil das bedeutete, dass der persönliche Lieblingssong wohl nicht gespielt würde.

Ebenfalls von vielen als heimlicher Headliner gehandelt wurde die Truppe Saor aus Schottland. Spätestens seit dem 2016er Album “Guardians” raunt man im Untergrund den Namen des Bandprojekts von Andy Marshall, der im Studio in Eigenregie seine großartigen, träumerischen Songs produziert. Mit dem neuen Album “Forgotten Paths” soll der Erfolg aber nicht abklingen - im Gegenteil: Mit einem auserlesenen Live-Ensemble entfalten die Stücke einen Zauber, den man kaum im Worte fassen kann. 2015 durften sie ihr Live-Debüt auf dem Dark Troll feiern und sind dieses Jahr zurückgekehrt, um den damaligen Auftritt noch zu übertreffen. Und das haben sie mit Pauken und Trompeten auch geschafft! Hervorzuheben sind auch die poetischen und äußerst filigranen Texte Marshals, welche Liebhabern englischer Lyrik das Herz höher schlagen lässt. Wir lehnen uns mal mit einem Statement weit aus dem Fenster: Als regelrechte Verkörperung spirituellen, naturalistischen Black Metals gehören Saor zur vordersten Front des Besten vom Besten, was Black Metal im Jahre 2019 zu bieten hat. Punkt.

Den Burginnenhof restlos voll bekamen selbstredend die Norweger um Kampfar. Der Pflichtbesuch der Show der alteingesessenen Black Metal-Truppe aus dem Raum Fredrikstad/Bergen hatte es zweifellos in sich. Mit ihrem neuen Werk “Ofidians manifest”, welches auch ausgiebig beworben wurde, reiht die Band einen weiteren Hammer an ihre lange Liste erfolgreicher und starker Releases, auch wenn manche Puristen mittlerweile behaupten, dass das heutige Kampfar kein Vergleich mehr zu den 90ern ist. Ihr 25-jähriges Jubiläum feiern die Jungs dieses Jahr, doch ein Zeichen von Ermüdung war nicht auszumachen bei Stücken wie “Ravenheart” vom Album “Kvass” oder “Tornekratt” vom neueren “Profan”.

Schlussendlich beschlossen die Schleswig-Holsteiner Sarkrista den Tag. Für einige noch unbekannt peitschte sich das okkulte Quartett um Bandleader Revenant durch ihre Show und zeigte sich dabei kompromisslos und unermüdlich. Ihr Debüt-Album “The Acheronian Worship” war bereits ein Knaller aus dem Nichts und wird derzeit von vielen “wiederentdeckt”, obschon 2013 erschienen. Mit ihrem Nachfolger “Summoners of the Serpent Wrath” legte man qualitativ nicht minder stark nach. Blasphemische Musik rabiatester Art erwartete alle, die nach Kampfar nicht gleich in ihr Zelt krochen - wer das doch tat, darf sich kurz schämen gehen!

Den Bericht des 3. und letzten Tages findet ihr hier.

Photos by Huldu Art/Sebastian Rump

Weitere Informationen

  • Band(s): Isgalder, Mord'a'Stigmata, :Nodfyr:, Waylander, Waldgeflüster, Saor, Kampfar, Sarkrista
  • Wann: 31.05.2019
  • Wo: Burg Bornstedt
Gelesen 1022 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 Juni 2019 19:12