Dienstag, 11 Dezember 2018 20:31

08.12.2018 - WINTERMELODEI, MÜNSTER SPUTNIKHALLE +++ FEN + FURIA + FIRTAN + AU-DESSUS + CTULU + THE SPIRIT

geschrieben von Torn
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Nachdem die Wintermelodei 2017 mit Wederganger als Headliner ein Erfolg war, wollten die Veranstalter „Schwarzlicht Konzerte“ in diesem Jahr noch eine Schippe drauf legen und präsentierten am vergangenen Samstag die zweite Auflage. Dabei gab es im Vorfeld zunächst Ärger seitens kirchlicher Organisationen.

Während die Veranstalter ihre Plakate zur Wintermelodei ordentlich an vorgeschriebenen Plakatwänden in Münster und Umgebung aufhängten und darauf achteten, dass nur Veranstaltungen überklebt wurden, die bereits abgelaufen waren, hielten sich Vertreter der katholischen Telefonseelsorge nicht an derartige Auflagen. Somit waren nach gut einer Woche etwa 75 % der Plakate zur Wintermelodei durch Plakate mit der Aufschrift „Ich glaube, ich habe ein Problem“ überklebt. Dabei waren noch genug freie Flächen zur Verfügung. „Es ist offensichtlich, dass man hier unsere Musik boykottiert, ja fast attackiert“, hieß es von Seiten der Veranstalter.

Dem eigentlichen Festival merkte man diese Schattenseite allerdings gar nicht groß an. Im Vorfeld wurden die meisten Tickets verkauft, die Abendkasse blieb aufgrund des Dauerregens und des stetigen Windes allerdings nur spärlich ausgelastet. Dabei war das Programm denkbar gut aufgestellt. Den Anfang machten Ctulu aus dem Norden Deutschlands. Neben der guten musikalischen Unterhaltung lieferte das Trio mit seinen Masken und Fackeln aber auch definitiv was für’s Auge. Das okkulte Setting ging Hand in Hand mit der klassischen Black Metal-Walze, für die Ctulu seit Jahren steht und sorgte für einen starken Auftakt.

     

An zweiter Stelle traten dann Au-Dessus aus Litauen auf die Bühne im Nebenraum und vernebelten den gesamten Saal binnen Sekunden. Erst seit 2014 im Geschäft, haben die vier Osteuropäer mit ihrem Debüt-Album aus 2017 im Sturm die Herzen einer relativ großen Hörerschaft erobert. Seitdem wurden auch die Live-Auftritte zahlreicher und haben den Ruf, sehr intensiv zu sein. Auch in Münster konnte dieses Bild bestätigt werden. Der dichte Rauch vor der Bühne, die ambitionierte Lichtshow (die vielleicht teilweise etwas zu grell gestaltet war) und die donnernde Post Black-Walze sorgten für eine atemberaubende Atmosphäre. Au-Dessus lieferten ab und setzten die Messlatte für die folgenden Gruppen sehr hoch.

     

Die erste Gruppe, die darauf folgen durfte, waren Firtan, welche direkt mit aktuellem Material loslegten, namentlich mit „Seegang“ vom neuen Album „Okeanos“. Danach wechselte das Trio zwischen den Werken und stellte so seine gesamte, hörenswerte Bandbreite dar. Stilistisch bewegte man sich hier allerdings im leichten Kontrast zu Au-Dessus, denn der Black Metal von Firtan ist von paganen Einflüssen geprägt, während die Litauer eine düstere, modernere Form präsentieren. Demnach fällt ein direkter Vergleich schwer. Festhalten lässt sich allerdings, dass die Stimmung bei beiden Bands ausgelassen war. Und das, obwohl Au-Dessus deutlich weniger mit dem Publikum interagierten, als die Jungs aus Lörrach.

    

Um zur Hälfte des Spektakels mal ein Zwischenfazit zu geben: es läuft. Die ersten drei Gruppen haben gut gezündet und die Sputnikhalle schon gut gefüllt. Und wer sich nicht drinnen aufhielt, fand sich draußen bei den Merchandise-Ständen der Bands oder anderer Aussteller, wie beispielsweise TWS - Source of Deluge aus Delmenhorst oder Christoph Overmann, der mit seinem Siebdruckverfahren für die Festival-Shirts der „Wintermelodei“ sorgte. Ausreichend Programm neben den Bühnen war also gegeben. Doch auch dort sollte es nach wenigen Minuten weitergehen.

Furia aus Polen durften als vierte Gruppe für musikalische Unterhaltung sorgen. Man lehnt sich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass der Stil dieser Vertreter recht eigenwillig ist und man sicher einige Minuten brauchte, um voll ins Geschehen abzutauchen. Aber spätestens nach der Hälfte des Konzerts war der Funken übergesprungen und die abstruse Mischung aus Black Metal und Polka-Rhythmen tat ihr Übriges. So experimentell, wie die Polen aufspielten, so gut war die Resonanz - ein weiterer Act war definitiv geglückt.

     

Nach diesem Ausflug in die Avant-Garde des Black Metal ging es auf den Headliner des Abends zu; Fen. Die Briten haben sich 2006 zusammen gefunden und stehen seit je her für eine sehr atmosphärische Auslegung des Black Metal - und erinnern damit an Vertreter wie Agalloch oder Wolves in the Throne Room. Mit fünf fulminanten Alben erschufen sie sich außerdem eine gute Grundlage, um ihr Repertoire live zu präsentieren. Fen bewiesen in einer Stunde Spielzeit auch, dass die dichte Atmosphäre der Alben auch live umzusetzen war. Die langen Titel bauten sich langsam auf und entfalteten dann ihre ganze Stärke. Doch sie griffen nicht nur auf ältere Stücke zurück, sondern spielten auch den ersten Titel von der kommenden Platte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war jedem klar, dass die Briten einen würdigen Headliner für das bisher schon hochkarätige Festival abgeben würden.

    

Wer nach diesem Ausflug schon ausgelastet war, konnte sich im Freien nun bei Bier und Glühwein entspannen. Wer aber noch nicht genug von der „Wintermelodei“ hatte und wem das andauernde Regenwetter gehörig auf den Zeiger ging, der durfte noch ein letztes Mal an diesem Abend den Konzertraum wechseln und sich zu The Spirit begeben.

Denn die Saarländer bildeten den Schlusspunkt eines herausragenden Konzertabends und rissen mit ihrem geradlinigen Black Metal zum Abschluss noch einmal die Hütte ab. Dabei gab es weniger atmosphärisches Spektakel als bei manchen anderen Vertretern dieses Abends, musikalisch wurde das Niveau dennoch hoch gehalten. So fand ein Abend voller Höhepunkte sein jähes Ende.

     

Ein abschließendes Fazit zur „Wintermelodei 2018“ fällt nicht weiter schwer. Durch den fehlerfreien Sound und die satte Band-Auswahl wurde gute Musik quasi garantiert - und auch umgesetzt. Kein Konzert an diesem Abend war langweilig oder lustlos daher gespielt. Die gesamte Stimmung war angenehm und jeder Gast konnte sich seine Perlen für den Abend heraussuchen, entweder vor der Bühne oder beim Merchandise. Die Organisation schien gründlicher als im Vorjahr, denn die „Schwarzlicht Konzerte“ stellten mit dem großräumigen Markt im Freien und einer höheren Band-Anzahl einfach mehr auf die Beine. Apropos Bands; die Auswahl war in diesem Jahr hervorragend. Selbst wenn alle Gruppen Black Metal spielten, glich kein Auftritt dem vorherigen. Und das Fen als Headliner posierten, diente vermutlich nur organisatorischen Zwecken, denn man bekam das Gefühl, dass alle Bands einen gleichen Teil am großen Ganzen lieferten. „Es gibt hier keinen Opener, keinen Anheizer. Wir geben von Anfang an Gas und keine Band soll das Gefühl haben, nur den Auftakt machen zu dürfen. Die Bands sollen Spaß daran haben, hier spielen zu können und sich auf den Auftritt freuen“, hieß es von Seiten der Veranstalter.

Dieses Konzept hat gegriffen und sorgte für ein echtes Erlebnis. „Schwarzlicht Konzerte“ haben mit der zweiten Auflage der „Wintermelodei“ dazu beigetragen, dass sich die lokale Szene in Münster immer stärker präsentieren und sehen lassen kann. Für 2019 gibt es übrigens bereits einen Termin, den 07.12.2019. Doch nicht nur das - auch der Headliner für Teil 3 steht bereits fest: Winterfylleth. Die Aussichten sind also bestens. Wir bedanken uns mit einem „Chapeau“ für einen klasse Abend und freuen uns auf die nächste Ausgabe!

Copyright für die Bilder: Torben Skibbe / undergrounded.de

Weitere Informationen

  • Band(s): Fen, Furia, Firtan, Au-Dessus, Ctulu, The Spirit
  • Wann: 08.12.2018 - 18:30
  • Wo: Sputnikhalle, Münster
Gelesen 1235 mal Letzte Änderung am Freitag, 28 Dezember 2018 11:53