Dienstag, 30 August 2016 09:56

15.08.2016 - In The Woods... - Café Central, Weinheim + Sigh + Diskriminator

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Das Café Central liegt im Herzen von Weinheim und bietet ungefähr 200 Leuten Platz. Ein Vorraum mit Sitz- bzw. Stehmöglichkeiten, sowie eine gut sortierte Getränkekarte und Parkplätze vor der Haustür sind die positiven Eigenschaften der Location. Damit ist die "Haben" Seite abgedeckt, doch kommen wir zum "Soll".

In den Sommermonaten ist es im Konzertsaal selbst kaum auszuhalten. Kondenswasser und Schweiß tropfen von der Decke, die gefühlte Luftfeuchtigkeit von 120 Prozent und eine nicht unbedingt optimale Akustik begleiten die widrigeren Umstände. Nichtsdestotrotz muss man den Laden irgendwie gern haben; es arten die Abende im Central regelmäßig aus und nicht nur einmal endet alles im harmonischen Chaos – heuer aber nicht.


Relativ pünktlich um 20:00 eröffnete Diskriminator mit „Homunculus“ ihr kurzes Set, die Selbstauskunft der Band gibt Dark Metal als Genre an. Dies kann man durchaus so stehen lassen, sind die Grenzen in diesem Genre ja doch durchaus fließend und nicht absolut. Die Performance der Odenwälder war solide in Sachen Spielfreude. Timing und die Tempovariationen taten ihr übriges, um einen kurzweiligen Abend zu verbringen. So ganz wurde ich jedoch nicht mit der musikalischen Interpretation warm. Ein wenig Death Metal hier, ein bisschen Black Metal dort, gewürzt mit Keys die über das Macbook eingespielt wurden. Die drei Männer an den Saiten teilten sich die Vocals und machten das auch recht passabel, aber ohne richtige Highlights. Der Funke wollte bei mir nicht überspringen. Ich hoffe, die Jungs arbeiten noch ein wenig an einem passenderen Bühnenkonzept. Die Band kam zwar beim Publikum ganz gut an, trotzdem ist da noch viel Luft nach oben. Wenn die junge Gruppierung ein paar Veränderungen am Auftreten und ihrer Konzeption vornimmt, wird das definitiv etwas. Sie beschlossen ihr Set mit „Stunde Null“.

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Mit Sigh aus Japan kam eine Band auf die Bühne, deren Outfits eher einem Hollywood- Streifen entsprach und somit für mich erst mal verwirrend wirkte, hatte ich bis dato nichts über diese Band aus dem fernen Osten gehört. Der Opener mit Querflöte und wechselhaftem Gesang zwischen Shouting und tiefen Growls markierte den Startpunkt für ein wildes Stilschwanken zwischen Melodic Black Metal, Folk – Elementen und anderen Spielarten der härteren Gangart. Der Sound war nicht immer optimal, doch reichte er aus, um das klangliche Abbild zu verstehen. Interessanterweise teilte sich der Gesang in einen männlichen und einen weiblichen Part, bei dem eindeutig das weibliche Organ als Sieger hervorging, hätte man einen Wettbewerb darum veranstaltet. Richtig „warm“ bin ich mit Sigh nicht geworden, woran es im Endeffekt gelegen hat, ist mir noch nicht so ganz bewusst, eine Live Präsenz ist auf jeden Fall vorhanden und auf spielerischer Ebene gibt es absolut nichts zu meckern. Aber um ehrlich zu sein freute ich mich einfach nur sehr auf In The Woods... Und nach einer kurzen Umbauphase war es endlich soweit.

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Eingehüllt in blaues Licht betraten die Black Metal Visionäre In The Woods... die Bühne. Ich fragte mich: "Wie wird es sein, nach 17-jähriger Abstinenz die Stücke zu hören und allem voran, welche Songs hatte man im Gepäck? Legte man ein Schwerpunkt auf HEart of the Ages, Omnio? Bevorzugte man die Strange in Stereo Zeit? Kommen auch neue Stücke des im September erscheinenden Albums „Pure“ zur Geltung?" Fragen über Fragen, die im Verlauf von 75 Minuten beantwortet wurden. Die Spannung innerhalb des Publikums erhöhte sich und entlud sich schließlich innerhalb einer Sekunde, als die ersten Töne von „Yearning the Seeds of a new Dimsenion“ ertönten. Das markante Keyboardintro gepaart mit einer singlenotespielenden Gitarre - schöner kann man ein Konzert nicht beginnen. Auch der britische Neuzugang am Mikrophon James Fogarty brachte eine Überraschung, denn die klaren Gesangspassagen, für die In The Woods... bekannt sind, klangen absolut prächtig in der Phrasierung und Lage.


Das Publikum zeigte sich äußerst erfreut und man konnte einige Stimmen ausmachen, die Textsicher mitsangen und schrien. Eins musste man den Mannen um die beiden eher introvertierten Botteri Brüdern lassen – sie hatten nichts von ihrer Wirkung und Magie verloren. Dies bestätigte sich auch bei „HEart of the Ages“ vom gleichnamigen Album. Präzise hämmerte sich Anders Kobro durch die knapp 8 Minuten, in der sich alles manifestierte was In The Woods... jemals ausgemacht hat. Atmosphärische bis ins Melancholische abdriftende Melodien, Wucht und Härte, Hymnen für die Ewigkeit von einer der unterschätztesten Bands überhaupt. Mit „Blue Oceans Rise (Like a War)“ streute man erstmals ein neues Stück ein und überraschte ebenfalls, fügte es sich doch harmonisch in die Historie der norwegischen Ausnahmeformation ein. Ein klein wenig Omnio und etwas mehr Strange in Stereo“, um es ein wenig einzuordnen und stimmlich erstaunlich dicht an Ex-Vokalist Jan dran. Dieses wurde ebenso beifällig beklatscht und bejubelt wie das folgende „299.796km/s“. Hier zeigten vor allem beide Gitarren ihre Brillianz, obwohl sich Christian aufgrund einer Verletzung gezwungen sah, das Konzert im sitzen zu spielen. Obwohl ohne weibliche Gesangsunterstützung mutete die knappe Viertelstunde dem Publikum nicht zu lang an.

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Mir als Zuhörer schwirrten die Gesangslinien eh im Kopf mit herum und so erging es wohl auch meinem unmittelbaren Nachbarn, der schwelgerisch im Takt mitwippte. Es folgten mit „Cult of shining Stars“ und „Towards the black Surreal” nochmalig zwei neue Stücke von Pure, bevor man sich mittels „In the Woods…“ und „The Divinity Of Wisdom“ auf die Zielgerade begab. Letzteres war ein deutliches Stück aggressiver gespielt, als es auf Platte anmutete und hier bekamen besonders die Keys einen etwas größeren Raum, um die Atmosphäre noch weiter auszubauen bzw. zu verdichten. Bassist X:M Botteri interagierte das ganze Set über mit dem Publikum, doch leider wurden die Zugabe-Rufe zum Schluss nicht erhört. Ein Trostpflaster gab es trotzdem, als C:M CDs des Nebenprojekts Strange New Dawn (dem verstorbenen Gitarrisen Oddvar A:M gewidmet) im Publikum verteilte. Das Publikum war sichtlich begeistert aufgrund der Reunion und Darbietung von In The Woods... und entließ uns völlig nassgeschwitzt, verausgabt und doch glücklich in die laue Sommernacht.

Weitere Informationen

  • Band(s): In The Woods..., Sigh, Diskriminator
  • Wann: 15.08.2016
  • Wo: Café Central, Weinheim
Gelesen 2613 mal Letzte Änderung am Dienstag, 30 August 2016 16:44
Inlé

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