Montag, 18 April 2016 14:28

Thy Worshiper - Ozimina

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Wer auf Trommeln und ausgefallene Instrumente steht, kommt mit diesem Stück Tribal-Metal voll auf seine Kosten.

Die Band bestand zunächst von 1993-2006 in Polen, dann siedelte Begründer Marcin Gasiorowski nach Irland um. 2009 wurde das Projekt dort wiederbelebt. Während der polnischen Jahre entstanden 2 Alben (1996/2006) und eine Demo (2005), in Irland folgte dann erneut eine Demo (2010) und ein Album (2014). War das erstes Album noch mehr im Black Metal verwurzelt und mit osteuropäischen Klängen gemischt, so entwickelte die Band ihren Stil weiter. Heute verbindet sie Black Metal mit mehr Folkelementen und einer größeren Instrumentenvielfalt. Dabei hat sie sich größtenteils vom Black Metal abgewandt und stattdessen einen eigenen neuen Stil erschaffen.

 Der Albumtitel 'Ozimina' bedeute in etwa 'Winterernte', was auch irgendwie ganz gut zum interessanten Cover passt, wobei sich die Bedeutung des Flechtwerks aus Hufen, Knochen und Getreide nicht auf Anhieb erschließt. Eine Übersetzung der polnischen Texte gibt es leider nicht, sodass auch diese nicht wirklich zum Verständnis beitragen.

Wirklich herausragend ist aber die Vielzahl an Instrumenten, welche dem Album einen urigen 'tribal'-Klang verleiht: Neben den diversen Trommeln und dem Didgeridoo sticht besonders die Violine hervor. Zusätzlich sorgt der geschickte Einsatz von Naturgeräuschen (z.B. Vögel, Umgebungsgeräusche in Titel 4) und gesprochenem Text (Titel 3) für Abwechslung.
Der weibliche Gesangspart klingt häufig etwas klagend, fast beschwörend. An anderen Stellen blitzen kleine Parallelen zu den Gesängen Arkonas auf (Titel 4 und 5). Zwar ist die Stimme von Anna Malarz dann doch nicht mit Masha Scream vergleichbar, dennoch kann auch erstere überzeugen.

Es handelt sich hierbei definitiv um ein Album, zu dem man erst einmal Zugang finden muss, wobei sich wohl insbesondere Pagan-Metal gewohnte Ohren relativ schnell einhören können.
Ist das erst einmal geschehen, so liegt ein ordentliches Stück 'Tribal-Metal' vor einem und lädt zum träumen ein; es lässt sich jedoch nur schwer bis gar nicht „mal nebenher" hören, was aus meiner Sicht allerdings eher einen Pluspunkt darstellt.

Einziger Wermutstropfen ist der Abschlusstitel Nr. 6: Affektiertes Wolfsgeheul zu Beginn und die hier nicht recht ins Ohr wollende Kombination von männlichen und weiblichen Gesangsteilen machen ihn zum schwächsten Titel.

 

Auch wenn es sich offiziell 'nur' um eine EP für 5€ handelt, braucht sich 'Ozimina' weder bezüglich Spielzeit noch Qualität sonderlich hinter Voll-Alben zu verstecken.
Die Vielzahl an Instrumente, das Wechselspiel der Gesangsparts und die nicht übertriebene Verwendung von Naturgeräuschen und Sprechpassagen erzeugen einen ganz eigenen 'Tribal Metal'-Stil der sich als ungewohnt, aber hörenswert erweist.

 


Tracklist:

01. Brzask                   06:12

02. Halny                     07:05

03. Ożyny                     04:09

04. Wietlica                   05:35

05. Wśród cieni i mgieł 07:42

06. Ozimina                  05:29

 

Mitglieder:

Marcin Gasiorowski – Gesang, Gitarre
Anna Malarz – Gesang
Dariusz Kubala – Gitarre, Maultrommel
Marcin Nowak – Bass
Bartosz Maruszak – Schlagzeug
Tomasz Grzesik – diverse Trommeln, Didgeridoo

Gastmusiker für 'Ozimina':
Kamila Swoboda-Wietrzyk - Violine
Przemyslaw Łozowski - Drehleier
Nanuq - Wolfsgeheul

 

Bewertung:

8 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Thy Worshiper
  • Album Titel: Ozimina
  • Erscheinungsdatum: 15.09.2015
  • Fazit: Hörenswerter Tribal-Metal mit polnischen Wurzeln und einer Vielzahl an Instrumenten.
Gelesen 2229 mal Letzte Änderung am Montag, 18 April 2016 15:14

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