Dienstag, 15 Dezember 2015 13:01

Politik für die Tonne

geschrieben von Ghostwriter

Das Thema ist fast so alt wie die Szene selbst. Extreme Musik führt immer noch zu Unverständnis, Ablehnung und Brandmarkung von offizieller Stelle. Der Unwille (oder das Unvermögen) sich im Vorfeld richtig mit der Materie zu beschäftigen führt besonders im Black Metal oft genug zu Konflikten, die bei Veranstaltern, Bands und Fans zu Unmut, Diskreditierung und leider praktisch immer auch zu finanziellen Schäden führen.

Der (Teufes)Kreis aus oftmals ungerechtfertigten Anschuldigungen – Rechtfertigung – Brandmarkung - erneuten Anschuldigungen aufgrund der Festsetzung der ersten Argumente – Wenn eine Band erstmal hier in Erscheinung getreten „wurde“, ist daraus meist kein Entkommen mehr und das Netz ein willkommenes Sammelsurium oftmals an den Haaren herbeigezogener Argumente.


Nicht erst seit dem Norwegian Hellcamp 2014 ist es offenbar Mode geworden, aus dem anonymen und sicheren Internet heraus Anschuldigungen gegen Veranstalter und Bands hervorzubringen mit dem Ziel, ganze Events zu kippen – Vollkommen ungeachtet der tatsächlichen Verhältnisse und dem Imageschaden für alle auftretenden Bands. Im Falle des NWH konnte zumindest eine gut formulierte Gegendarstellung die Politik dazu bewegen, sich offiziell bei Bands und dem Veranstalter zu entschuldigen und das Event letztendlich doch stattfinden zu lassen, natürlich sehr zur Freude der Fans. Der Schaden war allerdings angerichtet und war nur darauf zurückzuführen, dass sich die Repräsentanten der Stadt nicht ordentlich informiert hatten und sich vorschnell von einem Brandbrief mit dem Schreckgespenst „Rechtsradikalismus“ haben beeindrucken lassen. Diese Taktik ist zu oft von Erfolg gekrönt und es gehört im Anschluss Größe und Mut dazu, sich Fehler einzugestehen.


Im Falle von Darkmoon Warrior, die auf dem Rock Me Event 2015 hätten auftreten sollen hat dies wieder funktioniert, allerdings waren weder der Band, noch dem Veranstalter, noch offenbar der offiziellen Stelle die tatsächlichen Vorwürfe bekannt oder wollten nicht genannt werden. War zuerst noch von NSBM bzw. „Rechtsrock“ die Rede, wurde auf unser Nachfragen von Seiten der Stadt Eberswalde auf die „satanischen“ Inhalte der Band umgeschwenkt, nachdem sich die ersteren Vorwürfe als nicht haltbar erwiesen hatten und von der Band so quittiert wurden:


Leider müssen wir hiermit bekannt geben das wir nicht beim "Rock Me 2015" in unser Heimatstadt am 25.12. spielen werden. Da eine Person anscheinend ein Problem mit uns und unserer Musik hat, lieber vom heimischen PC aus Anschuldigungen an Hinz und Kunz schickt, anstatt sich von Angesicht zu Angesicht klärend zusammen zu setzen, haben wir in Einvernehmen mit den Organisatoren von einem Auftritt Abstand genommen. Schade das immerwieder vereinzelte politische Extremisten in ihrer Verblendung es für den Großteil versauen. Wir hatten, haben und wollen nichts zu tun haben mit Politik oder irgendeiner politischen Bewegung. Wir wünschen den Veranstaltern des "Rock Me 2015" trotzdem gutes gelingen für den geplanten Abend und ihren Verein.


Auf offizielle Nachfrage von Undergrounded.de bei der Kulturdirektion der Stadt Eberswalde wiederum wurde uns gesagt:

Ich kenne die Band persönlich nicht und kann mir deshalb kein detailliertes Urteil erlauben.“

Ich habe allerdings soeben auf Internetseite der Band kurz recherchiert. Dort wirbt die Band z. B. für ein T-Shirt mit der Aufschrift "Hail Death - hail chaos", begrüßt also Tod und Chaos. Das ist an sich nicht rechtsradikal, allerdings sicher keine Einstellung, für die die Stadt Fördermittel ausgeben sollte.“

…“der unmittelbar darunter platzierte Aufruf zu "satanischer Anarchie" schließt definitiv jede städtische Förderung aus (wie Sie sicher wissen, ist die Stadt schon durch das Grundgesetz verpflichtet, auf die Einhaltung der staatlichen Ordnung hinzuwirken). Zitat von der Internetseite der Band: "TOTAL SATANARCHY !!!"“


Anstatt wie im Falle NWH in Schweinfurt der Sache Raum zu geben oder andere Quellen zu befragen, wurde mit wenig Verständnis für den künstlerischen Anspruch von Black Metal geglänzt. So wurden dann, um nicht zurückrudern zu müssen, Aussagen von Darkmoon Warrior wortwörtlich bzw. als politisch ausgelegt. Nach dieser Logik dürften wohl allerdings in Jugendzentren oder städtischen Einrichtungen weder Punk, noch Thrash Konzerte stattfinden, da beide mit Systemkritik oder Aufrufen zu Anarchie und zivilen Ungehorsam praktisch grundlegend an den Grundfesten unserer Verfassung rütteln würden, würden sie denn wörtlich genommen.


Dass die wenigsten Bands solche Slogans wortwörtlich, sondern als künstlerischen Ausdruck nutzen, dürften wohl die meisten verstehen. Gerade die Fans dieses, zugegeben extremen Genres, sind darüber hinaus als äußerst friedliebend bekannt. Gerade den in diesem Fall besagten „Satanismus“ als großen Aufreger und Grund für ein Auftrittsverbot zu nutzen, ist so ziemlich das kurzsichtigste Argument das man als Grund vorschieben kann – Ist doch gerade dieses Thema Ausdruck von Freiheit, Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung ohne auferlegte Grenzen. Gerade kleine Veranstalter außerhalb der Ballungszentren sind auf jeden Cent von öffentlicher Seite angewiesen was die Sache zu einem Wohl und Wehe des Gustos der Städte macht. So sind Aussagen wie:


Unabhängig davon: die Stadt hat an den Veranstalter keine konkreten Details herangetragen, sondern hat im Ergebnis eines Hinweises den Veranstalter um PRÜFUNG gebeten, ob die für den 25.12. vorgesehene Band einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Das Ergebnis der Prüfung habe ich Ihnen mitgeteilt. Band und Veranstalter haben sich geeinigt, dass die Band nicht auftreten wird. Das ist deren beider gemeinsame Entscheidung, die ich ausdrücklich begrüße. Die Stadt Eberswalde wünscht sich gewiss ein reichhaltiges, buntes und diversifiziertes kulturelles Leben - allerdings auf der Grundlage der vorgegebenen staatlichen Ordnung…“


aus unserer Sicht schlicht traurig und ein Verlust zu nennen – Denn wer würde solchen angeordneten „Prüfungen“ im Angesicht gestrichener Gelder und sowieso knappen Mitteln nicht auch lieber zustimmen, als sich auf die Hinterbeine zu stellen und damit den eigenen „Ruin“ zu riskieren?


Hier würden wir uns wünschen, dass vor allem im Kulturbereich mehr Menschen arbeiten, die sich mit der Materie auskennen und sich im Vorfeld bei mehreren Quellen informieren, ob es sich bei Bands z.B. wirklich um Rechte Bands handelt oder auch um Bands, die offen zu linker Gewalt aufrufen. Auch die richtige Reaktion auf das Betreiben verschiedener Interessengruppen hin, die Szene in Links und Rechts zu trennen - statt eine unpolitische, diversifizierte, künstlerisch-orientierte Mitte zu fördern - will und muss gefordert und geboten sein. Denn eins ist sicher – Nur eine gefestigte Szene kann sich gegen die Verlockungen rechter oder linker Demagogie behaupten - und eines braucht diese Musik ganz bestimmt nicht – Verhärtete Fronten und damit politische Parolen, die dazu genutzt werden, hohle Propaganda zu verbreiten und dieser UNSEREN Szene zu Schaden.


Lasst uns in den Kommentaren wissen was ihr von Politik im Metal haltet!



Gelesen 5557 mal Letzte Änderung am Dienstag, 15 Dezember 2015 18:59