Dienstag, 06 Januar 2015 20:14

Gilgamesh - The Awakening

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The Awakening The Awakening Gilgamesh

Bereits im September des letzten Jahres erschienen, liegt heute auf dem CD-Seziertisch ein richtiger Leckerbissen aus München – und nein, damit ist logischerweise weder Weißwurst noch Brezel gemeint. Um bei der Sache zu bleiben: Das Quartett Gilgamesh spielt eine Mischung aus melodischem Black Metal und Blackened Death Metal oder für all die, denen solch Schubladendenken gehörig auf die Eier geht: Gilgamesh machen auf ihrem Debütalbum „The Awakening“ richtig geile Musik!

Bevor wir zum Essentiellen kommen, nehmen wir uns die Zeit für einen kleinen Ausflug zurück in der Zeit. Anfang des dritten Jahrtausends vor Christus gab es einen netten Herren namens Gilgamesh. Er war König der sumerischen Stadt Uruk (ja, den Begriff gibt’s scheinbar auch außerhalb Mittelerdes) und wurde früh als Gott angesehen. Was hat dieser kleine Exkurs nun mit dieser Review zu tun, wird sich der geneigte Leser nun fragen? Nun, die vier Mannen, die uns dieses musikalische Werk präsentieren, wandeln auf den Fußstapfen des besagten Herren, der Bandname war kein zufälliges Aneinanderwerfen von Buchstaben. Nicht nur, dass es über Herrn Gilgamesh ein Heldenepos gibt – nein, jetzt gibt es auch noch ein Metalalbum. Ich weiß nicht, worüber ich mich mehr freuen würde.


So weit, so gut. Noch kurz und knapp ein paar Punkte zu Gilgamesh – also der Band, nicht dem Gottmensch. Im September 2011 gründete sich das Quartett aus dem Süden Deutschlands, drei Jahre haben sie sich Zeit für ihr Erstwerk gelassen. Laut eigenen Aussagen wollen sie aus lyrischer Sicht das „Erbe der untergegangen mesopotamischen Hochzivilisation“ weiterleben lassen. Finde ich persönlich sehr cool, diesen thematischen Einschlag gibt es viel zu selten – wohl, weil man dafür wahrscheinlich ein wenig mehr Wissen aneignen muss und dass nicht nur durch zwei Klicks auf Wikipedia machbar ist. Nun gut, die Songnamen klingen schon mal vielversprechend; ebenso die Tatsache, dass das Album in den Woodshedstudios von V. Santura (Triptykon, Dark Fortress) gereift ist. Entschuldigt mir meine lange Einleitung, aber für ein starkes Album – und das ist „The Awakening“ zweifellos – darf man gerne mal ein wenig mehr Worte verlieren. Doch jetzt habe ich genug bewiesen, dass ich in der Lage bin, die Facebook-Seite der Herren zu durchstöbern. Lassen wir nicht mehr Social-Media-Seiten sprechen, sondern das, warum wir hier sind: Die Musik!


Und davon bieten Gilgamesh hohe Qualität. Bereits die Tatsache, dass mir das Intro „Eclipse“ nicht als vollkommen unsinnig und –nötig vorkommt, verheißt gutes. Wundervoll atmosphärische 92 Sekunden, die einen leichten Hauch von Orient verströmen, gleichzeitig jedoch langsam die Spannung auf „Astaroth“ steigern. Hier geht es dann wiederrum sofort zur Sache.  Gleich in der ersten Minute fahren Gilgamesh scharfe Geschütze auf, von Härte über gutes Riffing und keifende Vocals sowie treibenden Drums ist alles vorhanden. Nach nicht einmal eineinhalb Minuten wird das erste Solo rausgehauen – kein schlechter Einstieg.


Atmosphärisch gesehen ist man sofort im Album drin – und das, obwohl „The Awakening“ gar nicht so sehr von der Atmosphäre lebt. Im Vergleich zu anderen Bands, die sich dem Orientalischen anzunähern versuchen, überfluten Gilgamesh ihre Musik nicht mit schlechten Synthesizern- oder Keyboardklängen, sondern halten den Orient immer als mystische Anspielung im Hintergrund, wie es das Intro schon andeutet. Die Musik steht zu jedem Zeitpunkt klar im Vordergrund, ein wenig Exotik befindet sich jedoch immer leise zwischen den Tönen umher schleichend in den Songs. Mit „Slaying in the Name of Ishtar“ beginnt dann für mich einer der drei besten Songs des Albums (neben „Evocating Enlil“ und „The Curse of Akkade“). Auf den ersten Blick kann man natürlich gleich feststellen: Wenn es um das Töten geht – gerade auch im Namen der Göttin der Flammen und des Krieges-, kann es im Death Metal ja eigentlich nicht allzu falsch sein. Doch dieser Song bietet genau das von mir oben beschriebene Phänomen von der umherschleichenden Exotik dar, insbesondere in den wundervollen Akkustik-In- sowie Outro des Songs. Der Song besitzt – wie eigentlich jeder auf diesem Album – eine tolle Dynamik, die getragen wird von der starken Arbeit an den Drums sowie den Gitarren. Im Refrain gibt’s dann noch eine Annäherung an Clean Vocals, die mir auch richtig gut gefällt.


Gerade das Aufrechterhalten einer stimmigen Dynamik ist einer der (zugegebenermaßen vielen) Punkte, die das Album so stark machen. Denn Gilgamesh paaren das mit einem sehr akkuraten Sinn für Abwechslung: Hier mal ein kurzes, ruhiges Intermezzo, dort mal ein kreischendes Solo, dann wird das Tempo kurz wieder runtergeschraubt, um dann wieder loszulegen. Des Weiteren schafft es das Quartett auch geschickt mit verschiedenen Härtegraden zu arbeiten. Während viele Bands gerade in Sachen Härte sehr eindimensional veranlagt sind, schaffen es Gilgamesh hier auch schön Abwechslung reinzubringen. Während die ersten zwei, drei Songs stark in Richtung melodischem Death Metal tendieren, so ist doch beispielsweise „Aeons of Hate“ richtig schön schwarzmetallisch. Und nicht nur, dass die Band sowohl das Spiel mit unterschiedlichen Härtegraden und der Abwechslung wirklich gut hinbekommt, auch die Ausgeglichenheit zwischen Härte und Abwechslung - eigentlich immer ein schmaler Grat – ist einwandfrei.


Nach „Evocating Enlil“ wird mit dem Instrumental „To The Temple of Nippur“ noch ein letztes Mal die Möglichkeit zu geben, durchzuschnaufen, ehe der Höhepunkt des Albums, das 14-Minuten-Epos „The Curse of Akkade“ das Album mehr als gebührend beendet. Diese 14 Minuten gehen jedes Mal wieder derart schnell, dass ich jedes Mal aufs Neue überrascht bin. Die Band liefert hier kompositorisch echt eine richtig gute Leistung ab. Selbst den ein oder anderen thrashigeren Part mein ich darin zu hören.


Fazit: Solltet ihr das nun wirklich alles gelesen haben (was mich natürlich freut), dann bleibt euch nichts anderes mehr übrig, als euch das Album anzuhören und zu kaufen.  Für diejenigen, die nur nach unten zum Fazit gescrollt sind (ihr faulen Säcke), ihr dürft jetzt ab hier auch eure in Klasse 1 und 2 gelernten Lesekenntnisse unter Beweis stellen:



Tracklist:

01. Eclipse
02. Astaroth
03. Slaying in the Name of Ishtar
04. The Astronomer
05. Aeons of Hate
06. Evocating Enlik
07. To The Temple of Nippur
08. The Curse of Akkade

Bewertung:

9/10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Gilgamesh
  • Album Titel: The Awakening
  • Erscheinungsdatum: 06. September 2014
  • Fazit: Gilgamesh liefern hier ein absolut stimmiges Album ab. Die thematische Reise in lang vergangene, mesopotamische Zeiten gefällt mir äußerst gut, die lyrische Verpackung ebenfalls. Neben der Dynamik, der Abwechslung in Tempo und Härte ist vor allem die starke Gitarrenarbeit noch zu loben. Eigentlich jeder Song kann mindestens ein richtig hörenswertes Riff aufweisen, auch die Soli sind wirklich gut gelungen. Das Hauptaugenmerk liegt trotz orientalischer Thematik immer auf dem Metal, der Orient spiegelt sich trotz allem meist in der Musik wieder, ohne auch nur annähernd aufdringlich oder nervig zu sein. Die drei Jahre zwischen Gründung und Debütalbum hat die Band definitiv gut genutzt, ich freue mich auf jeden Fall auf neues Material.
Gelesen 2353 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 07 Januar 2015 10:12

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The Astronomer Gilgamesh