Donnerstag, 30 Oktober 2014 19:37

OPETH / ALCEST --- 25.10.2014, Live Music Hall, Köln

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Opeth live Opeth live Undergrounded.de

Mit dem neusten Album "Pale Communion" haben sich Opeth scheinbar völlig von ihren todesmetallischen Wurzeln abgewandt und gehen weitere Schritte in Richtung Progressive Rock. Das Åkerfeldt nach wie vor brüllen KANN und die Band sich auch in dieser neuen Schublade nicht einsperren lassen wird, wurde am vergangenen Samstag live und in Farbe eindrücklich bewiesen. 

Aber gehen wir chronologisch vor. Der passende Soundteppich wurde von ALCEST (Avignon, Frankreich) ausgerollt. Und zwar schon sehr früh am Abend um 18.30 Uhr. Auch diese Band hat im aktuellen Album die Metal-Elemente weitgehend verschwinden lassen. Der neue Sound, der wohl eher den aktuellen Stand einer Entwicklung darstellt, klingt melancholisch, sphärisch und entrückt. Manche Passagen haben fast schon einen mantraartigen introvertierten Charakter. So lässt sich auch die Bühnenpräsenz der Band am besten beschreiben.

 

Alcest1Foto: Robin Aust | prettyinnoise.de

 

Vor ausverkauftem Haus spielten die Vier rund um Mastermind Neige ihr etwa 45-minütiges Set bestehend aus Songs von ihrem vorletzten Album „Les Voyages de L'Âme", „Souveniers d'un autre monde" (2007) und „Écailles De Lune" (2010), sowie dem neusten Album Shelter (2014). Der Band stand auf der Bühne nur wenig Platz zur Verfügung, da ein großer Teil davon schon von Opeth-Instrumenten eingenommen wurde. Selten sieht man ein Schlagzeug vorne links am Bühnenrand neben den Gitarristen spielen. Zum Finale spielen sie „Délivrance", bei dem die Band zu den Klängen der letzten Minuten nach und nach die Bühne verlässt. Nur Neige harrt bis zum Schluss aus, auf Knien und mit dem Rücken zum Publikum.

Alcest2
Foto: Robin Aust | prettyinnoise.de

Nach kurzer Umbaupause, da Drumset und Orgel schon standen, in der sich die Live Music Hall noch weiter mit Menschen füllte stehen Opeth auf der Bühne und eröffnen das Konzert mit „Eternal Rains Will Come". Åkerfeldt verspricht, dass sie heute Abend ein paar ausgewählte Songs aus ihrem bescheidenen Repertoire spielen werden. Was folgt ist ein wahres Schlemmermenü quer durch die Diskographie.

opeth1Foto: Robin Aust | prettyinnoise.de

 

"Play that old shit, yeah!" - Mikael Åkerfeldt 

Und das Publikum antwortet mit frenetischem Jubel, als wollten alle sagen: "Ja verdammt!". Das Live-Revival der härteren Vergangenheit von Opeth wurden von der Menge gefeiert und war von vielen sicher lange herbeigesehnt. Ich persönlich habe die gänzlich growlfreien Konzerte der Heritagetour auch genießen können, einige ältere Songs habe ich aber dennoch vermisst und war jetzt wirklich begeistert, sie live zu hören. Auf der anderen Seite scheint das alte Material auch für die Band wieder heiß und interessant zu sein. Live kam bei jedem Stück nochmal eine deutliche Portion Druck dazu und die filigrane Komplexität mancher Passagen wurde noch deutlicher. 

Opeth2Foto: Robin Aust | prettyinnoise.de

Mit „Cusp of Eternity" präsentierte Opeth gleich nach danach auch den zweiten und auch schon den letzten Song vom aktuellen Album. Ich hätte mir eher gewünscht, hier „River" zu hören, aber „Cusp..." ist ja auch schon als Single ausgekoppelt worden und war daher zu erwarten. Ich finde tatsächlich, dass es das schwächste Lied auf dem insgesamt sehr starken Album ist. Auf dem Backdrop suchte man den Bandnamen vergebens. Stattdessen hing dort ein Triptychon, welches in ikonographischer Weise garniert mit lateinischen Versen Bilder aus dem Video zu „Cusp..." zeigte: Mutter mit Baby („An nescis, mi fili, quantilla prudentia mundus regatur"), Mädchen mit brennendem Buch („Hoc tempore obsequium amicos, veritas odium parit") und alter Mann auf Friedhof („Ille dolet vere qui sine teste dolet").

 

 

Gleich anschließend ließ Åkerfeldt die „Pale Communion" hinter sich und kredenzte mit „Bleak" einen echten Leckerbissen. Von meinem Standpunkt etwas vor dem FOH sah ich mich um und konnte sehen, dass die ganze Live Music Hall den Song feierte. Die ganze Halle. Und die war nun so voll, dass an eine Veränderung des Platzes nicht mehr zu denken war. Nach „Bleak" begrüßte Åkerfeldt das Publikum und moderierte, ja so muss man es sagen, die nächsten Stücke an. Mit „Bleak" begann die Prozession durch die Diskographie der Band. Es folgten „The Moor" vom Album „Still Life" und "Advent" vom Album „Morningrise". Vor „Windowpane" (Damnation) spielte Åkerfeldt kurz einen Tom Petty-Song an.

 

 

"Do you like Rock n' Roll ? And I'm not talking about Elvis and shit."


ist die Anmoderation zu „Devil's Orchard" (Heritage) und tatsächlich rollt der Rhytmus mächtig an. Leider kam es danach zu einer kurzen Pause, da Åkerfeldts Gitarren sich kurzfristig weigerten, Töne von sich zu geben. Die hektischen Bemühungen eines jungen Guitar-Techs kommentierte Åkerfeldt „A guy ic checking out my ass. Should I be worried? His name ist Sodomizer", während seine Band dazu jazzig jammte. Der Ton konnte wieder hergestellt werden. Die Probleme tauchten nochmals bei „The Lotus Eater" (Ghost Reveries) auf, konnten aber diesmal schnell behoben werden.

 

 

Als Zugabe gab es noch „Deliverance" vom gleichnamigen Album und damit ging ein großartiges Konzert, bei dem tatäschlich jedes Opeth-Album außer „Orchid" einmal angespielt wurde, viel zu schnell um kurz vor 22.00 Uhr zu Ende. Hervorzuheben sind der durchgängig sehr gute Sound, selten habe ich derart klare produzierte Livemusik gehört und das freundliche und hilfsbereite Sicherheitspersonal.

 

Setlist Opeth

1. Eternal Rains will come vom Album „Pale Communion"

2. Cusp of Eternity vom Album „Pale Communion"

3. Bleak vom Album „Blackwater Park"

4. The Moor vom Album „Still Life"

5. Advent vom Album „Morningrise"

6. Windowpane vom Album „Damnation"

7. Devil's Orchard vom Album „Heritage"

8. April Ethereal vom Album „My Arms Your Hearse"

9. The Lotus Eater vom Album „Ghost Reveries"

10. Grand Conjuration vom Album „Watershed"

Zugabe: Deliverance vom Album „Deliverance"

Weitere Informationen

  • Band(s): Opeth, Alcest
  • Wann: 25.10.2014
  • Wo: Live Music Hall, Köln
Gelesen 3732 mal Letzte Änderung am Samstag, 01 November 2014 14:06
Vanessa

Manche sagen, ich sei bekloppt - Ich finde mich Verhaltensorginell