Donnerstag, 08 Mai 2014 15:01

Harakiri for the Sky - Aokigahara

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Aokigahara Aokigahara Harakiri for the Sky

Die letzten Monate brachten einige starke Black Metal-Alben in unsere Player. Waldgeflüsters „Meine Fesseln“ oder Firtans „Niedergang“ sind da zu nennen. Die Österreicher HARAKIRI FOR THE SKY, die mit ihrem Debüt für jede Menge Aufsehen gesorgt hatten, kehren nun auch mit neuem Material zurück – und reihen sich nahtlos in die angesprochene Liste ein.

Neun Songs (einer mehr in der Vinyl-Version) liefert das Post-Black Metal-Duo ab. Schön zu sehen ist, dass uns Harakiri for the Sky nicht mit gerade noch zusammengekratzten 40 Minuten abspeisen, sondern mit über 60 Minuten Spielzeit deutlich machen, dass sich das Album die Bezeichnung Langspieler auch verdient hat.  Kein Song ist kürzer als sechs Minuten. Der Titel „Aokigahara“ passt zudem zum depressiven Ton der Musik und der Texte. Denn bei dem – auf den ersten Blick kaum aussprechbaren – Wort handelt es sich um das „Meer der Bäume“, einen Wald in Japan. Meer der Bäume? Depressiver Black Metal? Hab ich da nicht was verwechselt? Nein, denn Aokigahara hat auch noch den schönen Beinamen „Wald des Suizides“ – durchschnittlich 100 Menschen nehmen sich in der dichten Baumlandschaft pro Jahr das Leben. Perfekte thematische Voraussetzungen also für ein Black Metal-Album, dass sich dem Post und der Verzweiflung verschrieben hat. 

„My Bones to the Sea“, der erste Song, führt melodisch und ruhig, fast schon melancholisch in das Werk ein, ehe nach einigen Sekunden die aufgebaute Spannung auf das Kommende, aber auch die Ungewissheit ob des Neuen wie eine Welle über einen zusammenbricht. Gedanken, das Album könnte enttäuschen, aber auch vieles andere, wird davon gespült, die Vocals, die Gitarren ergreifen einen sofort.

Das Songwriting – exzellent. Abwechslung ist geboten, zwar befinden sich die meisten Songs eher im Midtempo, wirken trotzdem immer dynamisch. Die Riffs der Gitarren verströmen eine schöne Traurigkeit, Melancholie und harmonieren wundervoll mit den meist sehr hohen, teils schon depressiv anmutenden Vocals. Es gibt immer wieder kurze, ruhige, aber nicht minder schöne Intermezzi, die das Werk auflockern und Spannung aufbauen.

Die Vocals – exzellent. Meist hoch, trotzdem abwechslungsreich, vor allem aber eines: packend. Als Hauptträger der Emotionen schaffen sie zu 100 Prozent das, was sie sollen: mitreißen, mitfühlen lassen.

Und obwohl die Vocals von Sänger J.J. ohnehin schon große Klasse ist, hat sich das Duo noch hochkarätige Schrei-Unterstützung geholt: Torsten (Agrypnie) bei „Burning From Both Ends“, David „Eklatanz“ (Heretoir) bei „Panoptycon“, Ben „Seuche“ (Fäulnis“ bei „Jhator“ und Christiano „Plague“ (Whiskey Ritual) bei „69 Dead Birds for Utoya“. Es gibt nur wenig Wege, starke Vocals noch stärker zu machen. Einen davon zeigen uns Harakiri for the Sky hier mit diesen Gästen.

Auch die Produktion ist gelungen. Bei manchen Black Metal-Veröffentlichungen ist die Qualität der Produktion unter aller Sau, bei Überproduktion geht Charakter verloren – „Aokigahara“ trifft eine gute Mitte.

Das Album besitzt nicht unbedingt jede Menge Eingängigkeit, braucht durchaus zwei oder drei Anläufe. Trotzdem kann man auch nach dem ersten Hören schon zufrieden sein und geile Riffs wie beispielsweise das wiederkehrende bei „Homecoming: Denied!“ gehen trotzdem sofort ins Ohr.

Das österreichische Duo hat mit „Aokigahara“ ein Album geschaffen, das ohne Zweifel zum Besten in diesem Jahr gehört. Eine wundervolle Symbiose aus Emotionalität, Härte und Melodik. Bereits das Cover zeugt von Verletzlichkeit, Einsamkeit, Trauer – die Musik nimmt jedes dieser Motive auf und zelebriert sie.

Die Band hat sich seit ihrem selbstbetitelten Debüt verbessert, ist reifer geworden, „Aokigahara“ bezeugt das. Ich bin mir aber sicher, dass die Band noch mehr Potenzial hat und schon jetzt freue ich mich, auf zukünftige Veröffentlichungen sowie die im Oktober kommende Tour als Support von Agrypnie. Harakiri for the Sky sind einer der Gründe, warum Post Black Metal etwas Wundervolles ist – und dank Bands wie ihnen auch bleiben wird.
Für alle Fans des Debütalbums kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, jeder andere sollte es sich zumindest einmal anhören.

Bewertung:


9,5 / 10 Punkten


Tracklist:


01. My Bones To The Sea

02. Jhator [feat. Seuche]

03. Homecoming: Denied!
04. 69 Dead Birds For Utøya [feat. Plague]
05. Parting
06. Burning From Both Ends [feat. Torsten]
07. Panoptycon [feat. Eklatanz]
08. Nailgarden
09. Gallows (Give 'Em Rope)
10. Mad World [Tears For Fears cover] [vinyl bonus]

Weitere Informationen

  • Band: Harakiri for the Sky
  • Album Titel: Aokigahara
  • Erscheinungsdatum: 21. April 2014
  • Fazit: Eine wundervolle Symbiose aus Emotionalität, Härte und Melodik. Bereits das Cover zeugt von Verletzlichkeit, Einsamkeit, Trauer – die Musik nimmt jedes dieser Motive auf und zelebriert sie. Für alle Fans des Debütalbums kann ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, jeder andere sollte es sich zumindest einmal anhören.
Gelesen 2680 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 08 Mai 2014 15:08

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My Bones to the Sea (Official Video) Harakiri for the Sky